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Imagine Dragons : Lasst Tonnen von Konfetti regnen

  • -Aktualisiert am

Hüpf! Frontmann Daniel Reynolds von Imagine Dragons springt noch viel lieber, wenn die Papierschnitzel fliegen. Bild: Ly, Martin

Imagine Dragons klingen so, wie es die Generation Internet halt mag, und füllen damit die Frankfurter Festhalle bis auf den letzten Platz.

          Höher, schneller, weiter, riesengroß. Auch ein lediglich imaginierter Drache kann eben gigantisch sein. Als die amerikanische Formation Imagine Dragons vor fünf Jahren Frankfurt einen Besuch abstattete, spielte sie noch vor ein paar hundert Fans im Zeil-Club Gibson. Drei internationale Platinalben sowie diverse Chart-Hits später passt das um den vielfältig einsetzbaren Tourmusiker Elliot Schwartzman erweiterte Kernquartett mit Ach und Krach gerade noch in die komplett besetzte Festhalle.

          Von so viel Zuspruch konnte am Vortag das kanadische Ensemble Arcade Fire nur träumen. Nun ließe sich einwenden, dass die 2008 gegründeten Imagine Dragons ja aus Las Vegas stammen. Wer da aufwächst, saugt quasi den Hang zu Übergröße und perfekter Illusion schon mit der Muttermilch auf. Dass die Vermutung zutreffen könnte, untermauern Vokalist Dan Reynolds, Sologitarrist Wayne Sermon, Bassist Ben McKee und Schlagzeuger Daniel Platzman binnen der ersten fünf Minuten, als die überdimensionale Videomauer mit skurrilen Avantgarde-Clips ihren Dienst aufnimmt.

          Hauptsache, konsensfähig

          Weitere Indizien liefert der um einen satten Michael-Jackson-Groove gebaute Pop-Rock-Elektro-Hybride „I Don’t Know Why“ zum Einstieg. Da schluchzt Frontmann Reynolds herrlich die Zeile „Your love is always dangerous“. Mit so einer Mixtur befindet sich eine Band heutzutage definitiv auf der Überholspur. Leben wir doch nicht nur in Sachen Populärkultur in einer Zeitenwende-Ära. Sowohl bei den diesjährigen Brit Awards als auch bei den Grammy Awards wurden kaum authentische Rock-Formation gewürdigt – nahezu sämtliche relevanten Preise sahnten Hiphop- oder R-’n’-B-Künstler ab.

          Imagine Dragons holen ihr mehrheitlich jugendliches Klientel zwischen iTunes, Spotify, Instagram und Twitter exakt da ab, wo es ohne Ecken und Kanten gerade noch so passt. Ja nicht zu anspruchsvoll wirken, bloß nichts überstrapazieren – Hauptsache, konsensfähig. Milder Alternative Rock mit Tendenz zu Stadion-Hymnen und Power-Balladen überblendet gelegentlich in Mainstream-Pop, besitzt Spuren von Hiphop-Anteilen, und mitunter kommt auch Folkloristisches zum Einsatz. Nicht zu vergessen: der Extraschuss an großzügigen Club-Grooves, die so richtig knallen und rasch in die Beine gehen. In der Festhalle sitzt bis zum Finale keiner mehr. Auch nicht bei den Balladen, darunter eine Zeitlupenversion von Alphavilles „Forever Young“. Selbst dann nicht, wenn der körperlich überaus präsente Dan Reynolds satte Predigten über seine überstandene Depression oder über den miesen Zustand der Welt ablässt.

          Modellathlet zwischen Bühne und Laufsteg

          Überhaupt Reynolds. Glücklich schätzen können sich die Imagine Dragons, mit dem 30 Jahre alten Frontmann so ein Aushängeschild zu besitzen. Zu hautengen schwarzen Skinny-Jeans und Turnschuhen trägt der muskulöse Modellathlet lediglich ein weißes Unterhemd. Jenes Stückchen Stoff fällt bei „Mouth Of The River“ auch noch. Weitere optische Reize liefern meterhohe Trockeneissäulen, riesige Bälle und inflationär verschossene Mengen Konfetti. Gleich mehrmals blasen riesige Kanonen die Papierschnitzel tonnenweise im hohen Bogen in die fleißig mitsingende Menge. Regelmäßig müssen penible Roadies mit Laubsaugern die Bühne wieder freimachen. Nicht auszudenken, wenn Reynolds, der hektisch zwischen Bühne und Laufsteg seine Auslaufquadratmeter zu bemessen scheint, bei einem seiner halsbrecherischen Sprünge stürzen würde.

          Kurz vor Schluss rückt der gesamte Tross auf eine am anderen Hallenende befindliche B-Stage. Da gibt es Balladenkitsch pur, verfeinert mit zuckersüßen Streichern, und intensive Tuchfühlung mit den Fans. Zurück auf der Hauptbühne, verfallen die Las-Vegas-Boys abermals in wuchtigen Hauruck-Wumtata-Modus. Zuletzt mit ihrem monströs getrommelten Durchbruch „Radioactive“. Mehr Konfetti geht nun wirklich nicht.

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