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Im Porträt: Petra Dieler Wege zum Fuß

 ·  Seit fast zwanzig Jahren hat die Frankfurter Designerin ein eigenes Schuhlabel. Sie kennt gute Geschäfte und Rückschläge.

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Sie kennt auch die große Konkurrenz der kleinen Marken.

Sie wollte Schuhe machen, wie niemand sonst das tut. Der Erfolg kam schnell, mit vielen Kunden, eigenen Läden. Dann kam eine Krise, sie startete neu. Jetzt geht Petra Dieler einen anderen Weg. Ihre Geschichte ist auch eine, die von Veränderungen in der Welt der Mode und des Handels erzählt.

Ein Lagerraum, vollgestellt mit Regalen, in denen sich die Kartons bis unter die Decke stapeln. In einem anderen Raum Prototypen und Ledermuster, Zeichenbögen, Kleiderstangen voll mit Handtaschen, eine Mitarbeiterin telefoniert fast ununterbrochen. Ein Stockwerk darüber sitzt Petra Dieler an einem langen Tisch mit Blick in den Garten. Eine Frau mit braunen Haaren und einer modischen Brille, die Gläser so groß wie Untertassen. Eine sommergrüne Tunika über der schmalen Hose reicht bis zu den Knien. An den Füßen hat sie dünne Mokassins aus der eigenen Kollektion, in einem Ton zwischen Fuchsia und Flieder, um den Hals eine mehrfach geschlungene Kette in Blau, nach eigenem Entwurf angefertigt. Neben ihr steht eine große, weiche Ledertasche in Zitronengelb. „Farbe ist in der Mode und bei Schuhen ein Riesenthema“, sagt Petra Dieler, „und Farbe macht Spaß.“

„Manche Sachen sind richtig gut“

Dreizehn Jahre nachdem die Designerin in einer Passage an der Frankfurter Freßgass’ ihren ersten eigenen Laden eröffnet hatte, erzählt sie von ihrem Metier. Von Leisten und Ledern, von Plateausohlen und Blockabsätzen, von Wedges und Slings und Stiefeln und Pumps. Sie spricht von Lieferanten und von Händlern und davon, dass es nicht einfach ist, mit Manufaktur-Produkten Erfolg zu haben, wenn internationale Marken längst auch den Schuhmarkt beherrschen - zuerst haben Prada und Gucci und all die anderen Handtaschen als Umsatzbringer entdeckt und ihre Accessoire-Kollektionen ausgebaut. Vor einigen Jahren kamen dann die Schuhe hinzu, und heute gibt es so gut wie keine Modehäuser und keine Filialisten mehr von Jil Sander bis Zara, die zu Kleidern nicht auch Schuhe im Sortiment hätten. Seit Anfang dieses Monats gibt es sogar eine Schuhkollektion der Münchener Diskothek P1. „Manche Sachen sind richtig gut“, sagt Dieler, dennoch sind solche Schuhe von ihren weit entfernt.

Dinge zusammenbringen, die eigentlich nicht zusammenpassen. So hat Petra Dieler einmal ihre Arbeitsweise beschrieben und ihre ästhetische Auffassung insgesamt. In dem Haus, in dem sie arbeitet und lebt, gibt es Bauhaus-Möbel, und im Gästebad hängt ein Vorhang aus Pillendosen, erstanden auf einer Afrika-Reise. Um den Esstisch sind lauter Designerstühle gestellt, jeder ist anders, und in der Küche hat die Putzfrau große Edelstahlfronten zu polieren und viele aus aller Welt zusammengetragene Andenken abzustauben. Die ganze Familie ist kreativ, der Ehemann ist ein bekannter Werbefotograf, der Sohn studiert Produktdesign, die Tochter Psychologie.

„Ich habe, wenn ich entwerfe, eine bestimmte Frau im Kopf“

Petra Dieler hat schon Schuhe gemacht, die ganz unterschiedliche Materialien vereint haben, Leder und Filz, Lack und Neopren. Eines ihrer erfolgreichsten Modelle in einem Sommer Ende der Neunziger Jahre war eine schwarze Pantolette, vorne offen und seitlich mit Klettverschlüssen zuzumachen. Die dicke Plateausohle war leicht und biegsam, aus Holz gefertigt, der Schuh sah ein bisschen aus wie eine coole Variation einer Geisha-Sandale. Besonders schöne Slings aus der Kollektion dieses Sommers sind aus auberginefarbenem Wildleder, haben eine kleines Plateau vorne und hohe Absätze und sind über dem Rist zu schnüren; wer sie trägt, steht fest und hat doch den streckenden Effekt, um dessentwillen Frauen andere als flache Schuhe anziehen.

„Ich habe, wenn ich entwerfe, eine bestimmte Frau im Kopf“, sagt Petra Dieler, „eine, die lebendig ist.“ Fünfzehn-Zentimeter-Absätze, Schuhe, in denen der Fuß fast senkrecht steht, gibt es aus ihrer Werkstatt nicht. „In Schuhen soll man gehen können“, sagt sie.

„Ich habe angefangen, ohne zu wissen, was ich mache“

Ihre Karriere begonnen hat Petra Dieler an der Wiesbadener Fachhochschule. Dort hat die Frau, die schon als Kind von Kleidung und schönen Dingen fasziniert war, Modedesign studiert, zuerst mit einem Schwerpunkt auf Stoffgestaltung, anschließend hat sie für den Offenbacher Lederwarenhersteller Goldpfeil gearbeitet. Sie wechselte zu Hassia, einer damals ebenfalls in Offenbach ansässigen Schuhfabrik. Sie trat erstmals mit Modellen unter eigenem Namen auf, aber die Linie „Petra Dieler für Hassia“ wird kein Erfolg, die Zusammenarbeit funktioniert nicht. 1994 macht sie sich selbständig. „Ich habe angefangen, ohne zu wissen, was ich mache“, hat sie ein paar Jahre später im Rückblick einmal gesagt, inzwischen sagt sie, dass sie mutig gewesen sei. Mit ihrer jungen Marke fuhr die Frau, in deren zierlicher Statur ein energisches Wesen steckt, von Messe zu Messe, von Händler zu Händler. Sie sucht Lieferanten und Fabriken, die auch kleine Aufträge ausführen von einer Designerin, die über jeden Schritt der Herstellung alles wissen will.

Als die Anlaufphase überwunden ist, geht es schnell bergauf. 1999 eröffnet sie den ersten Laden in Frankfurt, ein Jahr später hat sie einen weiteren in Aachen, zusammen mit einem Taschendesigner. Ihre Jahresproduktion beträgt 30.000 Paar Damenschuhe, 250 Händler in Europa, Asien und Amerika bieten ihre Ware an. Weitere zwei Jahre später ist sie insolvent. Zu schnell gewachsen war damals das Geschäft, ohne dass die Strukturen für seine Bewältigung existiert hätten. Klagen über schwankende Qualitäten kamen hinzu, auch das eine Folge von zu schnell zu groß geworden, meint Dieler; irgendwann habe sie nicht mehr alles kontrollieren können. „Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn ich einen Sponsor gehabt hätte.“ Die Insolvenz ist ein Schlag, aber sie macht weiter, auch der Laden an der Freßgass‘ bleibt bestehen, es kommt sogar noch einer in Wiesbaden hinzu.

„Was ich mache, stirbt eigentlich aus“

Sie lässt jetzt in Portugal statt in Italien fertigen, 10.000 Paar sind es heute, nach wie vor nur Damenschuhe, dazu Taschen und Gürtel. Sie fährt auf jede wichtige Messe im In-und Ausland, „und von der Musterung bis zur Produktion mache ich alles selbst oder bin dabei“. Sie zeigt sich und ihre Schuhe in Zürich und in Paris und in Bologna. Wenn in Berlin Modemesse ist, mietet sie eine Suite im noblen Rocco-Forte-Hotel und führt den Kunden die neue Ware vor. „Was ich mache, stirbt eigentlich aus“, sagt sie. „Oder aber es kommt wieder.“

Ihre Schuhe sind exklusiv und teuer, unter 200 Euro gibt es wenig bei ihr. Was sie verdient, steckt sie in die Firma. Sie hat Fans und Kunden in aller Welt, aber in den Modemagazinen kommt sie selten vor. „Moderedakteurinnen, die über die Messen laufen, gibt es so gut wie keine mehr, viele gehen nur noch ins Internet.“ Und für Koppelgeschäfte aus teurer Anzeige und wohlwollender Berichterstattung, die in der Modebranche gang und gäbe seien, habe sie das Geld nicht.

Ihre Produkte werden in zwölf Ländern verkauft, in Deutschland hat sie Verkaufsecken, die sie Cornerstores nennt

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Jahrgang 1962, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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