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Im Porträt: Nina Hollein Mut zum kleinen Karo

Von Wien über New York nach Frankfurt: Nina Hollein hat sich als Architektin in der weiten Welt bewiesen. Seit gut zehn Jahren lebt sie mit ihrem Mann Max in der Stadt am Main. Er leitet drei Museen, sie hat in der Mode eine neue Berufung gefunden.

© Röth, Frank Vergrößern Tochter eines Designers, Inhaberin eines Modelabels: Nina Hollein in ihrem Atelier in Frankfurt-Sachsenhausen.

Sie denkt einen Moment nach, wartet auf das richtige Wort. Dann sagt sie „fesch“, um den Stil ihrer Arbeit zu beschreiben, und sie muss eigentlich gar nicht mehr erklären, was dieses hübsche, etwas altertümliche österreichische Wort bedeutet. Nina Hollein bevorzugt nicht das Alte um seiner selbst willen, sondern sie mag Traditionen und ihre Geschichten. Deswegen ist sie oft im oberösterreichischen Mühlviertel unterwegs, wo sie auf dem Bauernhof, den ihr Großvater einst kaufte, mit ihrer Familie Urlaub macht. Und deswegen bringt sie von dort Stoffe mit, den alteingesesse Webereien produzieren und die in ihrem Atelier in Frankfurter-Sachsenhausen zu etwas ganz Neuem werden - aber eben mit Geschichte und Tradition.

Von Haslach, direkt an der tschechischen Grenze, bis zu Nina Holleins Arbeitsplatz in einem alten Ladengeschäft, das abseits vom Alt-Sachsenhäuser Vergnügungsviertel-Remmidemmi an der Laubestraße liegt, sind es fünf Autostunden. Man könnte aber auch sagen, dass es von dort nach hier nur ein kleiner Schritt ist. Zumindest hat Hollein in der Vergangenheit einen größeren gewagt: in New York arbeitete sie als Architektin, in den Büros von Peter Eisenman, Tod Williams und Billie Tsien. „Da wollen eigentlich alle jungen Architekten mal hin“, sagt sie. Nina Hollein, Jahrgang 1971, in Wien als Tochter eines Designers und einer Altphilologin geboren, kam in diese Büros zunächst als Praktikantin. Das Architektur-Diplom hatte sie noch gar nicht in der Tasche, dafür einen Wettbewerb gewonnen: Stadtgestaltung mit Eternit. Sie muss ein wenig lachen, als sie das erzählt. Eternit, das ist nicht so richtig sexy, aber die New Yorker Stararchitekten hat es überzeugt. Gut möglich, dass Nina Hollein damals, es ist fast 20 Jahre her, so aussah wie jetzt, mit den blonden Haaren, den breiten Augenbrauen und den feinen Lippen. Noch heute hat ihr Gesicht und ihr Körper etwas zierlich Mädchenhaftes.

Ihr Mann Max war zu dieser Zeit schon an der amerikanischen Ostküste, zunächst ebenfalls als Praktikant, schnell wurde er aber Projektleiter für Ausstellungen am Guggenheim-Museum, wo er viel über den Zusammenhang von Museum und den kulturbürgerlichen Schichten, die es tragen und voranbringen, lernte. Das half ihm wiederum sehr, als der nächste große Schritt bevorstand, zurück nach Europa, aber vorwärts in der Karriere. Die Entscheidung, ob Max Hollein 2001 mit seiner Frau nach Frankfurt gehen und dort Leiter der Schirn Kunsthalle, später auch noch des Städel-Museums und des Liebieghauses werden sollte, wurde in der Familie diskutiert, tage- und nächtelang. Hätte seine Frau Nina nicht auch bald von Deutschland geschwärmt, wären sie den großen Schritt nicht gegangen. „Da bin ich mir ganz sicher“, sagt sie heute. Natürlich kennt sie sich in Frankfurt inzwischen bestens aus. Der Stadtteil Sachsenhausen sei ein herrlicher Ort. „Für unsere aktuelle Lebenssituation könnte es keinen besseren Platz geben, nicht Berlin, nicht New York.“

Man hat das Gefühl, Nina Holleins Leben folgt einem Konzept, wenn auch keinem besonders starren. Aber sie hat eine Idee davon, wo sie hinwill, wobei der Zufall gerne helfen darf. Loys war kein Zufall, er war nur Wunsch. 2001, als die Holleins nach Frankfurt zogen, kam der Sohn zur Welt. Pünktlich im Abstand von jeweils zwei Jahren kamen dann noch der zweite Sohn Hector und Tochter Lucie. Die Mutter arbeitete zunächst auch in der Stadt am Main noch als Architektin, im Büro von Albert Speer, kümmerte sich dann aber vor allem um ihre Kinder.

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