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Im Porträt: Josef Buchmann : Sein Märchen begann in Frankfurt

Seine Frau Bareket (links) traf er über den Josef-Buchmann Fellowship-Fund,als sie dort Stipendiatin war: Josef Buchmann. Bild: Eilmes, Wolfgang

Josef Buchmann, „Immobilienkönig“ von Frankfurt, hat viel Böses erlebt. Er hat nicht viele Worte gemacht, wenn er half. Zum Beispiel Oskar Schindler.

          „Es war einmal ein arm Kind und hatt kein Vater und keine Mutter, war alles tot und niemand mehr auf der Welt.“ Dieser Satz, mit dem der hessische Dichter Georg Büchner das Märchen in seinem Drama „Woyzeck“ beginnt, könnte auch am Beginn der Biographie des Frankfurter Immobilienkönigs Josef Buchmann stehen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ganz allein auf der Welt war dieser Junge aus dem polnischen Lodz, als der nationalsozialistische Spuk zu Ende war und die Toten gezählt wurden.Vater und Mutter und fast die gesamte Verwandtschaft waren umgebracht worden. Nur Jossele, wie der kleine Josef genannt wurde, und zwei Schwestern haben den Holocaust überlebt. Buchmann spricht nicht gerne über seine Zeit im Ghetto von Lodz, im Konzentrationslager Auschwitz, im Lager Bergen-Belsen. „Das kann man gar nicht erzählen“, hat er einmal gesagt.

          Keine Sekunde durfte er unaufmerksam sein

          In Frankfurt begann für ihn ein anderes Märchen. Kein trauriges dieses Mal, sondern eines, das einen staunen machen muss. Das „arm Kind“ hat hier sein Glück gefunden, sein materielles Glück zumindest, der Waisenjunge ist mit den Jahren zum größten privaten Immobilienbesitzer der Stadt geworden, zum reichsten Mann Frankfurts, wie es manchmal heißt. Aber Letzteres kann auch eine Übertreibung sein. Auskünfte über seine Vermögenslage gibt Buchmann nur dem Finanzamt.

          Das Leiden in seiner Jugend hat Buchmann traumatisiert, daran gibt es keinen Zweifel. Wie andere Überlebende auch verfolgen ihn die Erlebnisse und Bilder ein Leben lang. Kein Wunder, dass Buchmann vorsichtig ist, misstrauisch sogar. Wer Auschwitz überleben wollte, durfte keine Sekunde unaufmerksam sein - überall lauerten tödliche Gefahren. Buchmann besitzt bis heute ein instinktives Gefühl dafür, wer ihn ausnützen oder hintergehen möchte. Diese Fähigkeit hat ihm im harten Geschäftsleben nicht geschadet.

          Vielen Menschen ist er in ihrer Not ein Wohltäter gewesen

          Das Berührende an Buchmanns Leben ist, dass das Böse, dem er in seiner Jugend in extremster Form begegnet ist, das Gute in ihm nicht vernichtet hat. Der harte Unternehmer, der im Geschäftsleben sich hochgearbeitet, ja hochgeboxt hat, ist vielen Menschen in ihrer Not ein Wohltäter gewesen. Oskar Schindler etwa, dem Judenretter, dessen Taten damals nur Wenigen bekannt waren, hat Buchmann jahrelang unter die Arme gegriffen.

          Kennengelernt hat er Schindler Anfang der sechziger Jahre. Buchmann baute damals das Haus Moselstraße 46-48 wieder auf und suchte einen Lieferanten für Kunststoff-Bodenplatten. Schindler, der damals eine kleine Fabrik in der Nähe von Hanau betrieb, reichte ein Angebot ein. Beim Gespräch erzählte er Buchmann, er habe im Krieg Hunderte von Juden in Polen gerettet.

          „Schindler war ein feiner Mensch“

          Der konnte das anfangs gar nicht glauben. Erst als Schindler ihm Dokumente und Presseberichte zeigte, begann er sich näher für diesen Mann zu interessieren. Er zog in Israel bei Überlebenden Erkenntnisse ein über Schindler, und tatsächlich wurde ihm bestätigt, was später im Film „Schindlers Liste“ der ganzen Welt bekannt wurde. „Schindler war ein feiner Mensch“, sagt Buchmann heute.

          Ein kühler Rechner sei Schindler nie gewesen, hat er einmal erzählt. In der Tat stolperte der Judenretter von einer wirtschaftlichen Katastrophe in die andere. Dank der Hilfe Buchmanns konnten er und seine Freundin sich jedoch über Wasser halten. Der Freundin hat der Immobilienkaufmann zum Beispiel zwei Räume im besagten Haus an der Moselstraße unentgeltlich für einen Friseursalon zur Verfügung gestellt. Buchmann hat sich nie großgetan mit dieser Tat. Erst nach dem Siegeszug von Steven Spielbergs Schindler-Film wurde diese Episode aus seinem Leben bekannt.

          Mit einem Haus fing es an

          Besagtes Haus an der Moselstraße steht am Anfang von Buchmanns märchenhafter Karriere als Bauherr und Immobilienkaufmann. Das im Bombenkrieg weitgehend zerstörte Gebäude stand auf einem Grundstück gegenüber der New York City-Bar, die Buchmann Ende der fünfziger Jahre im Bahnhofsviertel aufgemacht hatte. Dafür hatte er vom Bierkönig Bruno Schubert, der damals noch die Henniger-Brauerei sein Eigen nannte, ein paar tausend Mark als Kredit bekommen.

          Für den Kauf der Moselstraße und den Bau eines Wohn- und Geschäftshauses hat die Hessische Landesbank Buchmann einen Kredit gegeben. Er betrug 75 Prozent der geschätzten Investitionssumme. Er sei, so erzählt Buchmann, mit den 75 Prozent ausgekommen. Sparsamkeit beim Bauen war auch in späteren Jahren immer seine große Stärke.

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