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Veröffentlicht: 22.10.2015, 10:40 Uhr

Frankfurter Nordend Eine Schreckensliste für Autofahrer

Um weitere Abstellflächen für Fahrräder zu schaffen, wollen Grüne und Linke im Nordend Parkplätze aufgeben. Sie präsentieren eine Schreckensliste für Autofahrer und sorgen für heftigen Streit im Stadtteil.

von , Frankfurt
© Cornelia Sick Platzmangel: Im Nordend gibt es zu wenige Stellflächen für Fahrräder.

In einem stark verdichteten Quartier wie dem Nordend muss ein solcher Vorstoß unweigerlich zu heftigem Streit führen. Und das hat der umstrittene, aber schließlich erfolgreiche Antrag von Grünen und Linken in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 3 dann auch tatsächlich geschafft: Nach mehrheitlicher Auffassung der Stadtteilpolitiker könnten im Quartier Parkplätze zugunsten von Fahrradstellplätzen aufgegeben werden.

Bernd Günther Folgen:

Zur Begründung ihrer Initiative wiesen die Antragsteller darauf hin, dass die Stadtteilbewohner zwar zunehmend das Fahrrad als Fortbewegungsmittel wählten, für die zunehmende Zahl von Zweirädern aber zu wenige Stellplätze vorhanden seien. Das Abstellen an Zäunen sei häufig untersagt oder aus Platzgründen nicht möglich. Auch die Zahl der Fahrradbügel auf dem Bürgersteig und auf den eigentlich für Fußgänger gepflasterten Gehwegnasen an den Einmündungen von Kreuzungen sei zu gering, und das Anschließen an Laternen oder jungen Bäumen behindere Fußgänger, Eltern mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer auf dem Bürgersteig.

32 Parkplätze stehen auf der Streichliste

So gerieten auf der Suche nach Ersatzflächen die für Autos reservierten Stellplätze in den Blick. Und die Ortsvertreter der Linken forderten schon im vergangenen Jahr, den einen oder anderen Parkplatz für Autos zu sperren und mit Fahrradbügeln zu versehen. Die Grünen schlossen sich dieser Initiative an, und auch der Magistrat hieß das Ansinnen im Frühjahr gut. So dann machten sich einige Stadtteilpolitiker auf die Suche – und präsentieren nun in der Ortsbeiratssitzung eine Schreckensliste für Autofahrer, nämlich eine Aufstellung mit potentiell verzichtbaren Parkplätzen.

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Auf der Streichliste stehen 32 Parkplätze an 15 Straßen, darunter die Kosel-, Zeißel-, Weber-, Wieland-, Spohr- und Glauburgstraße sowie die Günthersburgallee und die Eckenheimer Landstraße. Jeweils zwei, in manchen Straßen auch drei Stellplätze sollen entfallen. Der entsprechende Antrag wurde mit den Stimmen von Grünen, Linken, ÖkoLinx und zwei SPD-Vertretern, gegen das Votum von CDU sowie FDP und bei Enthaltung eines Sozialdemokraten beschlossen.

„Parkplätze sollten nicht ohne Not geopfert werden

Die Zahl der zu streichenden Stellplätze ist nach Ansicht der CDU-Fraktion in einem unter akuter Parkplatznot leidenden Quartier wie dem Nordend nicht zu verkraften. Den Bewohnern werde schon länger die Streichung von immer mehr Parkplätzen zugemutet. So seien zum Beispiel beim Bau der Quartiersgarage auf dem Hof der Glauburgschule mehr als 30 oberirdische Stellplätze aufgegeben worden. Rigoros geopfert würden zudem viele nichtoffizielle Parkplätze, etwa an Straßenecken. Sowohl durch den Bau von Gehwegnasen und den barrierefreie Umbau von Straßenbahnhaltestellen als auch die Umgestaltung von Straßen und Plätzen fielen immer mehr Parkplätze weg.

„Parkplätze sollten nicht ohne Not geopfert werden“, äußerte auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Rüdiger Koch. Und die FDP forderte, dass die Anwohner zu den geplanten Umwidmungen wenigstens gehört werden sollten. Ein entsprechender Antrag fand allerdings keine Mehrheit. Erreichen konnten die kritischen Ortsvertreter jedoch, dass die Standortliste nach der Prüfung durch die Stadt nochmals im Ortsbeirat diskutiert werden soll. Nicht verhindern konnten sie die von Linken und Grünen in ihrem Antrag festgeschriebene Ankündigung, dass noch weitere Straßenabschnitte zur Umwidmung festgelegt werden könnten.

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Von Ralf Euler

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