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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Im Gespräch: Wolfgang Gerhardt „Freunde waren wir nie, das muss auch nicht sein“

Wolfgang Gerhardt bekleidete politische Spitzenämter, war aber nie ein Mann der lauten Töne. Westerwelle löste ihn als FDP-Parteichef ab. Als Fraktionsvorsitzender im Bundestag gewann Gerhardt Statur, heute leitet er die Naumann-Stiftung.

© Röth, Frank Vergrößern Aufwärts: „Die Hessen-FDP wird am Ende besser sein, als manche vermuten.“

Sie werden dem nächsten Bundestag nicht mehr angehören, die Herren Solms und Otto auch nicht. Dann gibt es in der FDP-Fraktion keinen Hessen, der einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wäre.

Wir waren am Anfang auch unbekannt. Und die Mannschaft, die aus Hessen einrücken wird, ist exzellent. Allein ein Mann wie Stefan Ruppert aus dem Hochtaunuskreis: Er ist ja bereits Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion, hat sich habilitiert, ist ein guter Staatsrechtslehrer geworden, der in der Fraktion die kompliziertesten Fragen behandelt. Unser Spitzenkandidat Heinrich Kolb ist Mittelständler mit Blick auf die Realität und kompetent in Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Graf Solms ist bei der Nominierung unterlegen. Haben Sie ihm geraten, noch einmal anzutreten?

Er ist mein Freund, deswegen will ich das nicht kommentieren.

Dass Sie überhaupt daran glauben, die FDP werde in den nächsten Bundestag einziehen, zeugt das nicht von Realitätsverlust?

Nein, ich bin fest davon überzeugt, dass es keine rot-grüne Mehrheit geben wird. Steinbrück wird Angela Merkel nicht schlagen können, und die Menschen werden erkennen, dass die FDP eine wichtige Rolle spielt, um Rot-Rot-Grün zu verhindern.

Unter dem jetzigen Bundesvorsitzenden?

Wir müssen den für Mai angesetzten Bundesparteitag ins Frühjahr vorziehen. Klar ist, dass nach der Niedersachsenwahl nicht weiter spekuliert werden sollte, mit welcher Mannschaft und welchem Programm wir in die Bundestagswahl ziehen.

Der Mai wäre Ihnen zu spät?

Ja, es gibt ein Publikum, das sich über die FDP geärgert hat, keine Frage. Aber das sich jetzt auch fragt, was mit der Bundespolitik geschähe, wenn die FDP unter die Räder käme. Und diesen potentiellen Wählern müssen wir rasch personell und programmatisch eine Antwort geben.

Dr. Wolfgang Gerhardt - Der FDP-Bundestagsabgeordnete und frühere Parteivorsitzende im Gespräch mit Werner D'Inka und Peter Lückemeier für die Reihe "Gesprächsstoff" © Röth, Frank Vergrößern Im Gespräch: der ehemalige hessische Wirtschaftsminister Wolfgang Gerhardt.

Sie würden eine Spitze mit Brüderle, unterstützt von Lindner, bevorzugen?

Auf beiden ruhen in der FDP große Hoffnungen. Ich mache allerdings keine Vorschläge. Philipp Rösler hat Anspruch auf Fairness.

Sie scheiden nach 35 Jahren aus der aktiven Politik aus. Ist Ihnen die Entscheidung schwergefallen?

Nein, es war eine Kopf- und eine Bauchentscheidung. Mich aus dem Bundestag zurückzuziehen ist mir aber auch deshalb leichtgefallen, weil ich ja als Vorsitzender der Naumann-Stiftung noch eine interessante Aufgabe habe. Das erleichtert einem das Ausscheiden aus der operativen Politik vielleicht mehr, als man sich selbst zugibt. Ich bleibe in Berlin, bekomme aber mehr zeitlichen Freiraum.

Herr Gerhardt, Ihr Vater ist im Krieg gefallen, Sie wuchsen bei Ihrem Großvater auf. Keine einfache Kindheit. Ein solcher Werdegang hätte den politischen Weg eher in die linke Richtung gelenkt, oder? Es heißt, als Student seien Sie ein wilder Linker mit langen Haaren gewesen.

Nein, ich war kein radikaler Linker, lange Haare hatte ich auch nicht. In der Achtundsechziger-Zeit habe ich natürlich gegen die Notstandsgesetze demonstriert. Ich war Vorsitzender vom Liberalen Studentenbund, wollte eine neue Deutschlandpolitik und habe mich früh für eine Koalition der FDP mit der SPD ausgesprochen. Aber ich bin in einem durchaus konservativen, bürgerlichen Haushalt aufgewachsen. Mein Großvater war Schreiner, nebenbei Landwirt, wir waren ein Mehrgenerationenhaus. Ich schreibe seit zwei Monaten für mein Enkelkind über meine Kindheit. Ich habe die als wunderbar empfunden.

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