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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 18.12.2012, 19:08 Uhr

Im Gespräch: Stefan Majer, Verkehrsdezernent „Wir müssen den Kontrolldruck erhöhen“

Sicherheit im Verkehr ist ein Hauptanliegen von Stadtrat Stefan Majer. Pädagogische Appelle an Autofahrer, Radler und Fußgänger reichen nach Ansicht des Grünen-Politikers nicht aus.

© Wresch, Jonas Stadtrad: Stefan Majer will Radler schützen, aber auch in die Pflicht nehmen.

Frankfurt gibt fast drei Millionen Euro für neue Blitzanlagen aus. Ist das nötig?

Ja. Wir müssen für Rotlicht-Fahrer das Risiko, erwischt zu werden, merklich erhöhen.

Sind Autofahrer, die bei Rot über eine Kreuzung fahren, tatsächlich ein großes Problem in Frankfurt?

Eindeutig. Die Rotlicht-Fahrer sind ein Sicherheitsproblem. Sie gefährden Menschenleben in unsrer so dicht besiedelten Stadt mit ihrem hohen Verkehrsaufkommen.

Was werfen Sie den Autofahrern sonst noch alles vor?

Ich möchte die Autofahrer nicht von den Radfahrern oder Fußgängern separieren. Nach unseren Erfahrung gibt es generell unter den Verkehrsteilnehmern zwei Problemgruppen. Die einen denken, gleichgültig wie sie sich fortbewegen, nur an sich und verhalten sich gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmenden rücksichtslos. Die andere Gruppe realisiert gar nicht, dass sie durch Fahrlässigkeit Leib und Leben gefährdet, das heißt, die denken überhaupt nicht an sich. Ich meine zum Beispiel Fußgänger oder Radfahrer, die bei Rot die Straße queren.

Stellen diese beiden Problemgruppen eine Minderheit dar?

Gewiss sind diese Verkehrsteilnehmer eine Minderheit, aber eine sich selbst und andere gefährdende Minderheit. Aus ihrem Verhalten resultieren die Unfälle, die wir leider auch in Frankfurt in zu hoher Zahl registrieren müssen. Als Verkehrsdezernent will ich dazu beitragen, dass das von der Europäischen Union gesetzte Ziel, die Zahl der Unfälle bis 2020 zu halbieren, erreicht wird. Auch wir in Frankfurt müssen uns dieses Ziel stecken.

Die Zahl der Todesfälle ist in Hessen während der zurückliegenden zwölf Monate gestiegen. Läuft da etwas schief?

Es gibt statistische Schwankungen. Aber auf jeden Fall machen die Frankfurter Unfallzahlen deutlich, dass wir mehr für die Sicherheit tun müssen. Das bedeutet auch, den Kontrolldruck zu erhöhen. Deshalb lassen wir jetzt moderne Blitzgeräte installieren.

Reichen Appelle nicht aus?

Nein, pädagogische Maßnahmen allein genügen eindeutig nicht. Diese Erfahrungen machen wir nicht nur in Frankfurt, es gibt sie auch in anderen Ländern. Frankreich etwa fährt gut mit seiner Politik hoher Geldstrafen. Wer sich in unserem Nachbarland nicht an die Verkehrsordnung hält, bekommt das stärker als bei uns am Geldbeutel zu spüren.

Die Landespolizei nimmt seit langem faktisch keine Geschwindigkeitskontrollen mehr auf Frankfurts Hauptstraßen vor. Weshalb sollte sich ein Autofahrer in diesem Wissen auf dem Alleenring an Tempo 50 halten?

Ich möchte nicht auf die Landespolizei einprügeln. Die Stadt arbeitet mit den für Verkehrssicherheit zuständigen Stellen des Landes hervorragend zusammen. Ich würde mir aber doch wünschen, dass die Prioritäten stärker bei der Verkehrssicherheit gesetzt und Ressourcen in größerem Umfang dorthin gelenkt würden. Doch darüber entscheidet nicht die Polizei, sondern die Landespolitik.

In anderen Worten: Das Land Hessen soll sich ein paar moderne Radarwagen anschaffen und auch mal auf dem Alleenring die Geschwindigkeit messen?

Für mehr Sicherheit auf Frankfurts Straßen wäre das hilfreich.

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