Während sich die Spitzenteams aus Düsseldorf und Hamburg mit jeweils einem Punkt begnügen mussten, ging der SC Paderborn gar als Verlierer vom Platz - es war kein gutes Wochenende für die Aufstiegsaspiranten der Zweiten Bundesliga. An diesem Montag (20.15 Uhr) kann Eintracht Frankfurt bei Union Berlin drei wichtige Punkte sammeln, um den Anschluss an Tabellenführer Greuther Fürth zu halten. Im FAZ.NET-Interview spricht Mittelfeldspieler Sebastian Rode über seine persönliche Zukunft, Fußballtrainer und Fanverfehlungen.
Was macht die Gesundheit?
Ach, die Sache am Sprunggelenk. Nach einem Spiel hat man stets ein paar kleinere Wehwehchen, so dass man vielleicht mal beim Training kürzer treten muss. Ein bisschen Schwund ist immer, normale Härte halt. Ich bin bloß umgeknickt. Es sieht schon wieder gut aus.
Ist Ihr Einsatz in Berlin gefährdet?
Nein, ich bin bereit. Ich habe bislang alle 26 Saisonspiele absolviert und würde mich freuen, wenn am Ende 34 Partien in meiner persönlichen Bilanz stünden.
Acht Spieltage vor Schluss steht die Eintracht blendend da. Auch das Restprogramm scheint, im Vergleich mit dem der Konkurrenten, einfacher zu sein. Was kann das Team noch stoppen?
Wenn wir wieder so Spiele einstreuen wie in Paderborn, wird es eng. Danach haben wir eine Serie mit drei Siegen in Folge hingelegt, jetzt müssen wir dran bleiben. Bei Union zu bestehen, wird schwer, die haben uns schon im Hinspiel Probleme bereitet. Wir sind gewarnt und dürfen keinen Gegner unterschätzen. Gerade nach dem 6:1 gegen den FSV herrschte bei uns zu viel Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung, das war nicht gut für die Konzentration. Zu einer absoluten Spitzenmannschaft fehlt uns noch, dass wir in guten Situationen einen oben drauf setzen und auch direkte Mitkonkurrenten schlagen. Im Endeffekt können aber nur wir selbst uns ein Bein stellen.
Wer setzt Ihnen im weiteren Verlauf weiter am heftigsten zu? Fürth und Düsseldorf, oder glauben Sie, dass St. Pauli oder Paderborn aus dem Windschatten heraus doch noch mal aufschließen?
Es bleibt bis ganz zum Schluss spannend. Nur die „Löwen“ sind weg, meine ich. Fürth ist auf jeden Fall unglaublich stark und konstant. Ich glaube nicht, dass sie diesmal wieder hinten raus einbrechen. Klar ist aber auch: Wenn wir unsere Aufgabe erledigen, sind wir am Ende unter den ersten beiden dabei. Wir haben es selbst in der Hand.
Ganz gleich, wie die Saison aus geht: Sie gehören zu den Frankfurter Gewinnern. Wie gehen Sie mit dem Lob um, das aktuell auf Sie einprasselt?
Ich genieße es, klar. Aber ich habe selbst auch sehr große Ansprüche an mich, deswegen halte ich die Bälle gleichzeitig flach und verliere auf keinen Fall die Bodenhaftung. Es kann schnell auch anders kommen. Das weiß ich durch meine schweren Verletzungen ganz genau.
Sie haben zwei Knieoperationen, am Kreuzband und Meniskus, hinter sich und spielen trotzdem mit einem Höchstmaß an Leidenschaft. Blenden Sie die Angst vor einer neuen Blessur aus?
Das ist komplett abgehakt. Wenn ich noch daran denken würde, wäre ich nicht in der Lage, mich so reinzuhauen, wie ich es mag. Es gibt keine Beschwerden, das ist entscheidend. Und ich weiß, beide Verletzungen sind durch Fremdeinwirkung passiert, hatten also nichts mit mir oder einer Schwäche meines Körpers zu tun. Ich kann mich auf meine Knie verlassen. Durch regelmäßige Extraschichten mit Trainer Christian Kolodziej verbessere ich die Stabilität meiner Beine, das verschafft mir Sicherheit, mehr Umfang in den Oberschenkeln und einfach Power.
Ist die Physis Ihre große Stärke, auf der Sie Ihre Karriere aufbauen?
Sicher gehört sie zu meinem Spiel grundlegend dazu, ich habe aber noch andere Stärken, denke ich. Es ist jedoch gut, dass es bei uns nur einen gibt, der so spielt, wie ich es tue und andere technisch ein bisschen mehr glänzen. Grundsätzlich arbeite ich gezielt auf eine gute Fitness hin, fahre jetzt, wenn es wieder wärmer ist, auch gerne Fahrrad. Am liebsten bei mir zuhause, da ist es nicht weit in den Odenwald, wo man bei Zwingenberg schön den Melibokus hoch strampeln kann und dann mit dem Mountainbike die rasanten Abfahrten genießt.
Darf man sich als Fußballprofi solch riskante Freizeitausflüge überhaupt leisten?
(lacht) Mir ist nicht bekannt, dass sie verboten wären.
Armin Veh, Ihr Trainer, sagt: „Sebastian Rode, der geht seinen Weg.“ Bleiben Sie in Frankfurt, wenn es mit dem Aufstieg nichts werden sollte? Oder ist Ihr Ziel, so schnell wie möglich in die erste Liga zu kommen? Anfragen aus Bremen und Stuttgart lagen ja schon vor.
Ich habe noch einen Vertrag in Frankfurt bis 2014. Welche Klubs sich angeblich gemeldet haben, ist mir nicht offiziell bekannt, denn da wurde, wenn überhaupt, nur die Eintracht kontaktiert. Zu mir ist nichts Konkretes durchgedrungen. Ich sehe meine Zukunft auf jeden Fall bei der Eintracht - und natürlich mit ihr in der Bundesliga. Die ersten elf Spiele nach meinem Knorpelschaden in der ersten Liga waren für mich persönlich ein Genuss, schade nur, dass wir abgestiegen sind.
Was sind die Ursachen, dass sie schon seit Wochen vor Energie sprühen und sich zu einem der Taktgeber entwickelt haben, die den Puls der Mannschaft spürbar beschleunigen?
Es läuft wirklich gut. Ich bin im Team integriert und akzeptiert, fühle mich wohl, das spielt eine wichtige Rolle. Der Trainer vertraut mir, der Rückhalt der Fans macht sich auch positiv bemerkbar. Dass ich 26 Spiele am Stück absolviert habe, gab es zuletzt für mich in der C-Jugend. Bis auf ein paar Blutergüsse bin ich gesund geblieben. Und durch die vielen Einsätze habe ich mir Selbstvertrauen erarbeitet, Kraft ist dazugekommen, es haben sich Routinen im Zusammenspiel entwickelt. Das Gesamtpaket passt einfach.
Abseits des Platzes wirken Sie zurückhaltend. Wie ist es möglich, scheinbar auf Knopfdruck ein zweites, ganz anderes, viel impulsiveres Gesicht zu zeigen?
Sobald ich im Spielertunnel bin, verändere ich mich, das ist schon richtig. Aber grundsätzlich versuche ich immer, nach außen freundlich aufzutreten. Ich spiele hart, aber mit höchstem Respekt vor dem Gegenspieler, dessen Gesundheit man nie vergessen darf. Wenn ich an Aktionen wie die von Paolo Guerrero neulich gegen den Stuttgarter Torwart Sven Ulreich denke, kann ich nur den Kopf schütteln. Auch den Schiedsrichter muss man respektieren. Natürlich ist es leicht gesagt, ruhig zu bleiben, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt, so wie wir bei dem späten Elfmeter in Düsseldorf. Aber es bringt doch nichts, die eigene Energie zu vergeuden oder die Kontrolle zu verlieren. Wer sich bei solchen Aktionen Rot einhandelt, kann seiner Mannschaft danach auf dem Platz nicht mehr helfen. Das habe ich immer im Hinterkopf.
Sie haben auf der Doppel-Sechs gespielt, mal auf Rechtsaußen. Welche Rolle würden Sie bevorzugen, wenn Sie es sich aussuchen dürften?
Defensiv zentral im Mittelfeld, vor der Viererkette. Da habe ich das Spiel vor mir, bekomme viele Ballkontakte, kann die Löcher zulaufen und mehr Einfluss nehmen.
Alexander Meier, der Eintracht-Torjäger, hat darauf hingewiesen, dass es für ihn nicht auf die Vielzahl der geschossenen Treffer ankommt, sondern darauf, dass man so wenige Gegentore wie möglich kassiert. Lastet auf den Defensivleuten im Kader also der größere Druck?
Stimmt. Wir sind vorne immer für ein Tor gut, haben aber hinten auch schon 27 rein bekommen. Das ist für meinen Geschmack zu viel. Wir sind schon öfter unnötig in Rückstand geraten und mussten dann mit einem Kraftakt das Spiel wieder drehen. Diese Anstrengung sollten wir uns, wann immer es geht, ersparen.
In Ihrem ersten Profijahr ging es gegen den Abstieg, der letztlich nicht verhindert werden konnte. In Ihrem zweiten nun um den sofortigen Wiederaufstieg. Wie gehen Sie mit der Anspannung um?
Man darf sich nicht verrückt machen. Das ist alles. Selbstverständliche lese ich Zeitung, klar schaue ich mir die Tabelle an, aber von dem ganzen Drumherum lasse ich mich nicht beeinflussen. Bei einer Niederlage geht die Welt nicht unter, und es ist gut, dass wir viele Spieler in der Mannschaft haben, die unaufgeregt bleiben und Souveränität ausstrahlen.
Sie haben mit Michael Skibbe, Christoph Daum und Armin Veh binnen eines Jahres drei grundverschiedene Trainertypen kennengelernt. Warum ist der jetzige genau der richtige für die Eintracht in der aktuellen Situation?
Weil er viel Erfahrung hat und jeden Tag ruhig mit uns arbeitet. Er ist nicht zu streng oder zu weich, er passt gut zu uns und den verschiedenen Typen, die wir in der Kabine sind. Er steuert manchmal mit seinen Ansprachen in der Halbzeitpause gegen, wenn Bedarf besteht. Bei uns hat es oft gewirkt. Das schafft Sicherheit.
In Berlin muss die Eintracht nach dem Urteil des Deutschen Fußball-Bundes ohne Fan-Unterstützung antreten als Strafe für die ständig wiederkehrenden Ausschreitungen. Macht das was?
Es ist immer eine geile Sache, wenn man auswärts aufläuft und Tausende Eintracht-Fans sind schon da. Dass sie so hinter uns stehen, ist gut für uns. Ohne sie wird es am Anfang sicher ungewöhnlich sein.
Einige wenige aus der Fanszene bringen den Ruf der Eintracht immer wieder in Verruf, weil sie sich zu Gewalt gegen Menschen und Sachen hinreißen lassen. Wird über diese Schattenseite im Mannschaftskreis gesprochen?
Nein, nicht so explizit. Aber wenn man liest, was es für Randale schon gegeben hat, da macht sich einfach jeder seine Gedanken. Die Dresden-Fans haben sich am vergangenen Freitag ja im Stadion relativ friedlich verhalten. Warum man dann nach dem Spiel auf sie losgehen muss, ist mir unverständlich.
Der Verein bekommt die Problematik nicht in Griff. Wäre es eine Idee, dass sich das Team mit einen Appell an die Fankurve wendet, die den Randalierern immer wieder Deckung verschafft, nach dem Motto: Unterstützt uns, seid laut, aber bleibt verdammt noch mal fair. Dass Sie und Ihre Kollegen Stellung beziehen, dass Sie es nicht tolerieren, dass Menschen, die in Ihrem Namen unterwegs sind, Polizisten angreifen, S-Bahnen überfallen und Familien mit Silvesterraketen beschießen?
Es ist schwierig, dagegen anzugehen. Gerade in Frankfurt hat sich die ganze Thematik über die Jahre immer weiter aufgebaut, und ob irgendjemand noch den Auslöser kennt, weiß ich nicht. Was ich aber weiß: Ich spreche für mich und meine Mannschaftskollegen: Die schlimmen Aktionen, die in der Vergangenheit passiert sind, waren niemals im Interesse von irgendeinem von uns.
Das Gespräch führte Marc Heinrich.

