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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 23.08.2013, 15:30 Uhr

Im Gespräch: Sebastian Polter „Magath hat bei mir einen Stein im Brett“

Nach dem VfL Wolfsburg und dem 1. FC Nürnberg steht der Stürmer nun bei Mainz 05 unter Vertrag. Vor dem Spiel gegen den VW-Klub spricht er über die Gründe des Wechsels und seine Zukunftspläne.

© picture alliance / dpa

Bevor Sie als Stürmer spielten, waren Sie Torwart - wie kam es denn zu diesem ungewöhnlichen Positionswechsel?

Begonnen als Torwart habe ich mit viereinhalb Jahren. Mein Vater hat mich damals ins Tor geschickt, weil die G-Jugend des Heidmühler FC keinen Torwart hatte. Da habe ich gesagt: Okay, kauf mir Handschuhe, dann mache ich das. Ich stand bis zur U14 im Tor, zuletzt bei Werder Bremen. Als ich zur U15 hochgezogen werden sollte und bereits eine Einladung zur U15-Nationalmannschaft vorlag, hatte ich plötzlich keine Motivation mehr.

Keine Motivation?

Ich bin immer ein mitspielender Torwart gewesen, habe sehr hoch gestanden, dadurch auch ein, zwei Fehler gemacht, indem ich Bälle unterlaufen habe. Ich hatte immer sehr viel Drang nach vorne. Letztlich habe ich mit 15 Jahren beschlossen, mich wieder mehr auf die Schule zu konzentrieren und Fußball nur noch auf dem Dorf mit meinen Kumpels zu spielen. In der C-Jugend beim SV Wilhelmhaven habe ich dann Landesliga gespielt, 69 Tore erzielt und wurde in die Niedersachsen-Auswahl berufen. Dann ging es weiter: Über das Jugendinternat von Eintracht Braunschweig und später ins Internat beim VfL Wolfsburg.

Haben Sie als Torwart die klassische Feldspieler-Ausbildung verpasst?

Ja, ich hatte viele Defizite. Etwa die Ballmitnahme und Ballannahme. Das musste ich komplett neu lernen. Auch bei konditionellen Aspekten musste ich viel nachholen. Aber ich habe mich damals sehr eifrig dahinter geklemmt. Mein erster Gedanke war auch nicht, dass ich als Feldspieler nochmals Profi werden wollte. Das hatte ich eigentlich abgehakt. Aber viele haben mir zugesprochen, dass ich es auch als Feldspieler schaffen kann. Meine Eltern, Freunde, Bekannte. Und ehrgeizig war ich schon immer. Ich habe längst noch nicht alles aufgeholt. Aber perfekt ist niemand, außer vielleicht Christiano Ronaldo oder Lionel Messi.

Am Samstag läuft Mainz 05 gegen den VfL Wolfsburg auf. Haben Sie noch eine emotionale Bindung zu dem Klub?

Ja, sicher. Ich habe sechs Jahre in Wolfsburg gespielt und bin dem Verein sehr dankbar. Ich habe unter Felix Magath mit 17 Jahren meinen ersten Profivertrag unterschrieben. Und ich bin auch Geschäftsführer Klaus Allofs dankbar, dass er mir die Möglichkeit eingeräumt hat, nach Mainz zu wechseln.

Stimmen die Dinge, die über Magath erzählt werden: Schleifer, Quälix, zu wenig Kommunikation mit den Profis?

Mit mir hat er immer sehr viel gesprochen, mein Verhältnis zu ihm war sehr gut. Als mein Vertrag auslief, hat Magath ihn direkt verlängert. Er hat auf mich gesetzt, deshalb hat er bei mir einen Stein im Brett. Magath hat mich auch unterstützt, als ich um eine Ausleihe gebeten habe, weil ich die Konkurrenz mit Helmes, Mandzukic, Olic und Dost unglaublich stark war. Das waren echte Bretter. Er fand es gut, dass ich auf ihn zukam.

Sie waren ein Jahr an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen, hätten nun noch ein Jahr Vertrag in Wolfsburg gehabt. Wie kam der Wechsel nach Mainz zustande?

Mein Ansatz war, künftig so viele Bundesligaspiele wie möglich zu absolvieren. Ich wollte den Durchbruch schaffen. Das habe ich in Wolfsburg für unrealistisch gehalten. Der vierte Stürmer zu sein ist nicht mein Anspruch, ich habe höhere Ziele, als nur Spielminuten anzuhäufen. Von Nürnberg gab es keine perspektivischen Signale, deshalb standen nur Wolfsburg oder ein neuer Klub zur Diskussion.

Warum ausgerechnet Mainz 05?

Trainer Thomas Tuchel hatte ein starkes Interesse, zudem habe ich in den vergangenen Jahren gesehen, dass Mainz 05 tollen Fußball spielt. Da habe gesagt: Da musst Du hin.

Spielte dabei das Bild von Mainz 05 als Ausbildungsverein eine Rolle?

Auch diese Argumente sprechen natürlich für den Trainer und für den Klub. Sei es Adam Szalai, Lewis Holtby, André Schürrle oder zuletzt Nicolai Müller. Da denkt man sich: Dort willst Du auch einmal hin. Auf diese Entwicklung hoffe ich.

Sie haben einen Vierjahresvertrag unterschrieben, sind mit 22 Jahren schon verheiratet. Brauchen Sie diese Sicherheit?

Bei meiner Frau bin ich einfach absolut sicher, die richtige Partnerin gefunden zu haben. Sportlich gesehen bin ich ein Spieler, der sich unbedingt mit seinem Verein identifizieren will. Aber vier Jahre vorauszuschauen ist sehr schwierig. Weiß ich, ob Mainz 05 so lange mit mir plant? Und was passiert, wenn ich mir eine schwere Verletzung zuziehe? Oder wenn wir Meister werden oder Champions League spielen und der Verein sich andere, teurere Profis leisten kann? Dies alles sind Fragen, die eine Langzeitplanung erschweren.

Die Fragen stellte Uwe Martin.

Quelle: F.A.Z.

 

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