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Im Gespräch: Natalie de Ligt „Die Kunst muss das Leben enthalten“

 ·  Nach fünf Jahren gibt die Kunsthistorikerin, die 1968 in Frankfurt geboren wurde und lange am Museum für Moderne Kunst (MMK) beschäftigt war, ihr Amt auf und wechselt nach Fürth.

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Frau de Ligt, wann verlassen Sie die Kunsthalle?

Offiziell ist mein letzter Tag am 30.Juni. Zum 1.Juli darf dann die Nachfolge das Büro hier beziehen.

Die man aber immer noch nicht kennt.

Die man noch nicht kennt, genau.

Mit welchem Gefühl gehen Sie nach mehr als fünf Jahren?

Mit einem guten Gefühl. Die Kunsthalle auf den Weg zu bringen war eine so tolle Chance, eine so tolle Aufgabe.

Was einen Ort für zeitgenössische Kunst angeht, hatte Mainz ja Nachholbedarf.

Allerdings. Die Kunsthalle war ein Novum für ganz Rheinland-Pfalz. Als größte Institution ist wahrscheinlich nur der Ludwigshafener Kunstverein zu nennen.

Ist es Ihr Entschluss gewesen zu gehen?

Von Anfang an hatten beide Seiten diese fünf Jahre angedacht. So war das immer in meinem Kopf. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich am Wochenende nach Fürth pendele.

Wo Ihr Mann lebt.

Ja. Da ist im Grunde mein privater, persönlicher Lebensmittelpunkt. Aber ich finde es auch sehr, sehr schade, Mainz verlassen zu müssen.

Einmal wurde Ihr Vertrag verlängert.

Zweimal sogar. Der erste lief drei Jahre, dann gab es eine zweijährige Verlängerung und danach noch einmal bis Mitte dieses Jahres.

Wieso dann nur noch so kurz?

Ein Wechsel zur Mitte des Jahres ist einfach besser. Aber natürlich hatte ich auch Lust, noch ein Projekt zu machen.

Von Fürth aus haben Sie zuvor den Nürnberger Kunstverein betreut.

Genau. Ich bin von Frankfurt nach Nürnberg gegangen. Schicksalhafterweise habe ich dort dann meinen Mann kennengelernt. Da bin ich jetzt verwurzelt.

Worauf blicken Sie in Mainz zurück?

Ich habe 13 Ausstellungen in Eigenregie gemacht.

In Ihren Ausstellungen ist man vielen Künstlern begegnet, die Sie noch aus Ihrer Frankfurter Zeit kennen.

Man greift natürlich auf Künstler zurück, die man kennt. Aber diese Räume zogen auch internationale Größen an. Jemanden wie David Shrigley oder Guy Ben-Ner zeigen zu können war super. Die Räume sind einfach ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Ich habe immer darauf geschaut, dass ich ein Programm mache, das von den Medien her gemischt ist. Mit hochkonzeptionellen oder politischen Ausstellungen konnte und wollte ich auch nicht aufwarten. Was nicht heißt, dass es hier nicht auch politisch zugeht.

Haben Sie auf die Ausgestaltung der Kunsthalle damals noch Einfluss nehmen können?

Ja, zum Teil. Ich habe gute, aber auch verwirrende Erfahrungen dabei gemacht. Zum Beispiel ist der Boden sehr hell. Diese Farbe habe ich mit zu verantworten. Hätte ich gewusst, dass sie in der Fläche und mit dieser Lichtdecke so hell wirkt und eigentlich fast weiß ist, hätte ich eine dunklere Farbe genommen. Aber auf der Probe-Fliese, die man zum Vergleich gegen die weiße Wand hielt, sah das aus wie ein schönes Mittelgrau. Auch in einige bauliche Fragen war ich eingebunden.

Auf wessen Initiative geht die Kunsthalle zurück?

Das waren die Stadtwerke Mainz. Ihnen gehört das Gelände am Zollhafen, auf dem die Kunsthalle steht.

Was zeichnet die Positionen aus, die Sie in der Kunsthalle gezeigt haben?

Mich interessiert die Verbindung eines Künstlers zum Leben, zum Alltag, zur gesellschaftlichen Wirklichkeit. Die Kunst muss ein Stück Leben enthalten.

Stimmt der Eindruck, dass konzeptionelle Kunst bei Ihnen keinen so breiten Raum einnimmt, man in Ihren Ausstellungen relativ wenig lesen musste?

Sie kam aber vor. Bei der ersten Ausstellung kamen einige Positionen etwas sperrig daher - Jürgen Krause etwa oder Jens Risch, der einen ein Kilometer langen Seidenfaden so lange verknotet, bis dieser zu einem Knäuel wird. Dann hatten wir den polnischen Künstler Michał Budny, der sehr ephemere, formale Arbeiten macht. Sie verweisen durchaus auf existenzielle Dinge, was sich aber nicht so schnell erschließt. Meist aber konnte die Kunst tatsächlich für sich selbst sprechen.

Was haben Sie während Ihrer Zeit an der Kunsthalle gelernt?

Am Anfang war ich etwas vorsichtig, glaube ich, auch im Umgang mit den Räumen. Aber ich habe erfahren, dass man sich auf die Intuition der Künstler einfach immer verlassen kann.

Woran erinnern Sie sich gern?

Gerade die letzten beiden Ausstellungen mit Elly Strik und Michael Kalmbach sind für mich große Highlights. Absolut unvergessen ist natürlich auch Karsten Bott: Dieser Wahnsinn, auf 600 Quadratmetern diese vielen Dinge zu präsentieren, die ein Künstler sammelt, die aber, wenn man so will, unser aller Dinge sind. Diese Unmittelbarkeit einer so unbegreiflichen Anhäufung von Sachen - Wahnsinn.

An was denken Sie weniger gern?

Der Vorstand der Stiftung hat mir völlig freie Hand gelassen. Nur die finanzielle Planungssicherheit war etwas ungewiss.

Haben Sie einen festen Etat?

Die Stiftung stellt einen Betrag für die Ausstellungen zur Verfügung. Es gibt auch einen kleinen Zuschuss von der Stadt, die aber etwas klarer Stellung beziehen und sagen könnte: Wir haben nicht nur das Fußballstadion, wir haben nicht nur die Fassenacht und das Gutenberg-Museum, sondern auch einen Super-Ort für zeitgenössische Kunst.

Wie viel Geld steht Ihnen zur Verfügung?

Über Zahlen rede ich nicht so gern.

Aber Sie kommen hin?

Das klappt, ja, ja. Ich habe auch versucht, sehr sparsam zu arbeiten.

Was haben Sie in Fürth jetzt vor?

Natürlich bewerbe ich mich, wenn es adäquate Stellen gibt. Ich habe aber auch schon kleinere Ausstellungsprojekte vor, auf die ich mich freue. Ansonsten schaue ich mal, was sich ergeben wird.

Die Fragen stellte Katinka Fischer.

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