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Im Gespräch: Mohamadou Idrissou „In Bruno habe ich eine Art zweiten Papa gefunden“

17.02.2012 ·  Vor dem Derby gegen seinen früheren Klub FSV Frankfurt äußert sich der Stürmer der Eintracht über Heimatgefühle, sein Verhältnis zu Manager Hübner und Trainer Veh sowie die Chancen im Aufstiegskampf.

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Die Eintracht gegen den FSV, Ihr aktueller gegen Ihren ehemaligen Klub: Für wen schlägt Ihr Herz?

Für wen? Natürlich für Eintracht Frankfurt. Es stimmt: Ich habe damals beim FSV angefangen, und es bleibt auch immer dein erster Verein. Ich war dort neu, bin gut aufgenommen und beraten worden. Aber wenn ich jetzt zurückschaue, gibt es dort kaum noch Spieler, die ich kenne. Tomas Oral, der Trainer, das war der einzige, der immer alles mitgemacht hat. Und nun ist er auch nicht mehr da, sondern trainiert den FC Ingolstadt.

Sie sind 2000 nach Frankfurt gekommen. Ist Frankfurt Heimat für Sie?

Ich habe es immer als meine zweite Heimat bezeichnet. Denn wenn ich in Kamerun bin, ist das meine erste Heimat. Aber Frankfurt ist ein gutes Stück Zuhause für mich. Hier hat alles angefangen, hier will ich auch meine Karriere beenden.

Warum sind Sie damals ausgerechnet in Frankfurt gelandet? Liegt es vielleicht am großen Flughafen?

(lacht) Nein, nein. Viele deutsche Städte haben einen Flughafen, aber keine hat einen so großen wie Frankfurt. Damals hatte ich viele Angebote, aber hier in Frankfurt hat es einfach am besten gepasst. Und seit meiner Zeit in Wehen kenne ich Bruno Hübner, der damals unheimlich viel für mich getan hat. Ich kannte niemanden, konnte kein Deutsch. Bruno hat das alles für mich organisiert und möglich gemacht. Er hat sich immer um mich gekümmert. In Bruno habe ich hier in Deutschland eine Art zweiten Papa gefunden. Und jetzt sind wir wieder zusammen - bei der Eintracht, bei einem großen Verein. Und bei einem sehr guten Trainer. Armin Veh, das ist für mich der beste Trainer. Er vertraut mir. Bruno und Armin wissen, was ich kann. Dieses Vertrauen möchte ich rechtfertigen und zurückgeben.

Trainer Veh bezeichnet Sie immer wieder als „Stier“. Macht Sie das stolz, ein solcher Kerl zu sein? Was muss man dafür tun, um einen solchen Körper zu haben, wie Sie ihn haben?

Man hat mir auch schon einmal gesagt: Das ist deine Natur. Aber man muss viel arbeiten, sehr viel arbeiten. Ich mag das, was mich stark macht. Ich will immer mehr. Ganz schlimm war die Zeit nach der Operation. Da konnte ich nichts machen. Ich hasse das, untätig zu sein. Der Arzt sagt, ich brauche Ruhe. Aber das will ich nicht. Ich will mich bewegen und etwas machen. Fußball, das ist mein Leben. Ich habe nichts anderes, und ich habe mich dafür entschieden. Man kann kein Fußballer werden, wenn man nichts mit seinem Körper macht. Fußball ist mein Job. Auf den will ich mich immer hundertprozentig konzentrieren.

In Düsseldorf sind Sie in der Schlussphase eingewechselt worden, gegen den FSV Frankfurt werden Sie sicherlich länger zum Einsatz kommen. Was passiert, wenn Sie gegen Ihren alten Klub ein Tor schießen. Wird dann gejubelt?

Na klar. Vor allem, wenn es nach dieser langen Zeit, nach dieser Verletzung passieren sollte. Dann muss ich es rauslassen.

Trotz des unglücklichen 1:1 bei Fortuna Düsseldorf dürften Sie sich gerüstet fühlen, denn die Eintracht hat gut gespielt.

Ja, wir sind als Mannschaft einfach gut. Und Enttäuschung? Was passiert ist, kann man nicht wieder rückgängig machen. Zum Glück haben wir immerhin diesen einen Punkt. Wir sind weiter oben dran, und am Samstag holen wir drei Punkte. Wir alle bei der Eintracht haben ein gemeinsames Ziel. Gemeinsam werden wir es schaffen.

Aufgrund Ihrer vielen Bundesligaeinsätze gehören Sie zu den erfahrensten Spielern bei der Eintracht. Wie schwer fällt es Ihnen, in der zweiten Liga zu spielen?

In der zweiten Liga kannst Du nicht so wie in der ersten Liga spielen. In der zweiten Liga musst Du kämpfen, um wieder nach oben zu kommen. Dort, wo ich wieder hin will. Von daher ist es in der zweiten Liga härter als in der ersten. Aber es ist auch eine starke Liga. Vor kurzem erst hat man wieder im Pokal gesehen, was alles passieren kann.

Wie schätzen Sie den „Fünfkampf“ an der Spitze ein? Fällt noch jemand ab?

Nein. Die, die da oben bleiben, das sind wir. Denn wir sind Eintracht Frankfurt. Wir haben den besten Kader der Liga. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn Fürth und Düsseldorf mit uns aufsteigen würden. Ich bin ein fairer Spieler und wünsche allen viel Glück. Aber ganz oben, da stehen am Ende wir. Wir sind stark, wir haben Qualität in der Mannschaft. Es gibt keinen Grund, nicht aufzusteigen - außer wir haben Pech. Aber das mit dem Pech haben wir schon hinter uns.

Zu Hause in Kamerun, in Ihrer Heimat, sind Sie regelmäßig?

Ja, alle sechs Monate fliege ich nach Hause zu meiner Familie. Da gibt es einige Leute, die mich immer wieder zum Lachen bringen - Oma, Opa, Freunde. Ich will Spaß haben, und meine Mama freut sich ganz besonders, wenn ich komme. Sie ist sehr stolz auf mich. In den vergangenen sechs Jahren habe ich nie anderswo Urlaub gemacht als zu Hause in Kamerun. Ich denke, das macht mich stark.

Verfolgt Ihre Familie Fußballspiele mit Ihnen am Fernseher?

Klar. Wenn das nicht so wäre, wäre ich der falsche Fußballer.

Und am Samstag, beim Derby gegen den FSV?

Da sitzen alle in Mamas Zimmer. Ich habe dort extra eine Satellitenanlage installiert.

Und werden sie einen Sieg der Eintracht zu sehen bekommen?

Ja. Ich bin heiß auf dieses Spiel. Ich will zeigen, dass ich wieder hundertprozentig fit bin. An die Operation verschwende ich keinen Gedanken mehr. Wir brauchen und wir holen die drei Punkte, und dann sind wir weiter auf einem guten Weg.

Dieser Weg soll Sie und Ihren Trainer und Förderer Armin Veh zurück in die Bundesliga führen. Sie beide sind wie ein Herz und eine Seele. Wäre es nicht schön, wenn dieses Gespann über die Saison hinaus zusammenbleiben würde?

Ich weiß, wie es mit ihm weitergeht. Wenn wir aufsteigen in die erste Liga, dann bleibt er - genauso wie ich.

Das Gespräch führte Ralf Weitbrecht.

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