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Im Gespräch: Matthias Zimmer „Wir dürfen den Grünen nicht hinterherlaufen“

Er ist eines der Gründungsmitglieder einer neuen CDU-Arbeitsgruppe: Gemeinsam mit Kollegen aus dem Bundestag will Matthias Zimmer die Union in den Großstädten besser wählbar machen.

© Eilmes, Wolfgang Profilsucher: Matthias Zimmer will Wertefragen für die CDU öfter aus dem Christlichen heraus beantworten.

Sie haben eine CDU-interne Arbeitsgruppe gegründet, die eine Metropolenstrategie für Ihre Partei entwickeln soll. Warum?

Wir sind ein Zusammenschluss von Kolleginnen und Kollegen aus dem Deutschen Bundestag, die aus Städten mit über 500.000 Einwohnern kommen. Der Hintergrund war, dass wir festgestellt hatten, dass das Anforderungsprofil der CDU in Großstädten ein anderes ist als auf dem Land oder in kleineren und mittelgroßen Städten.

Inwiefern?

Man sieht es an Frankfurt, einer Stadt mit einer hohen Volatilität in der Bevölkerung: Statistisch gesehen, tauschen wir alle 15Jahre die Einwohnerschaft aus. Das gilt ähnlich auch für andere große Städte. Großstädte sind außerdem Dienstleistungszentren, und sie sind Orte, in denen viele Dinge vorgedacht werden, die für die Gesamtgesellschaft erst mit einigem Zeitverzug wirksam werden.

In den Großstädten ist die CDU ja nicht so riesig erfolgreich. Bedeutet das, dass Ihre Partei oft zu langsam ist, wenn es um wegweisende gesellschaftliche Entwicklungen geht?

So verkürzt kann man das nicht sagen. Wir haben in Hamburg lange eine gestaltende Rolle gehabt. In Düsseldorf stellen wir den Oberbürgermeister, und Petra Roth war 17Jahre lang die entscheidende Projektionsfläche für großstädtisch-liberale CDU-Politik. Wahr ist aber auch, dass das große Wählerreservoir der Union eher auf dem Land zu suchen ist als in der Stadt.

Sie wollen mit Hilfe der neuen Arbeitsgruppe ein größeres Wählerreservoir in den Großstädten anzapfen. Was muss die CDU dafür tun?

Ich glaube, wir müssen viel stärker beachten, dass in Großstädten viele verschiedene, nicht so festgefügte Lebensstile ausprobiert werden. Dass es neue Formen von Familie gibt, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Dass Großstädte über das, was sie an kulturellen Events organisieren, in besonderer Weise kreativ sind. Diesen kreativen Impuls muss die Union aufnehmen können, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen.

Aber die Frankfurter CDU müht sich doch seit Jahren schon bei dem Spagat, den Kümmerer vor Ort und den mobilen Wissensnomaden einzubinden. Jetzt auch noch kreative Impulse und neue Formen des Zusammenlebens - ist das nicht ein bisschen zu viel?

Das große Thema heißt Beheimatung, heißt Zugehörigkeit und heißt Gemeinschaft. Wir als CDU müssen zumindest die Voraussetzung schaffen, dass das organisiert werden kann.

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Ein Heimatgefühl?

Selbstverständlich. Das kann aus der Zugehörigkeit zu einer Stadtgesellschaft ebenso entstehen wie aus einem breit interpretierten Grundverständnis des Christlichen heraus. Christlich heißt ja nicht, dass man jeden Sonntag in die Kirche rennt. Christlich heißt, dass man darüber Auskunft gibt, welche Ethik das eigene Handeln bestimmt.

Aber zum Christlichen gehört doch auch, dass man sonntags in die Kirche geht. Das tun viele CDU-Stammwähler ja auch noch. Verschrecken Sie die nicht, wenn Sie die christliche Grundlage Ihrer Partei zu einem reinen Ethikkompass ohne christlichen Alltag machen?

Wir erleben doch, dass die Zahl der Kirchgänger genauso stark nachlässt wie die Parteibindungen, die Vereinsbindungen und die Gewerkschaftsbindungen. Das heißt aber nicht, dass die Leute keine Bindungen haben oder haben wollen. Es geht nicht darum, ob die Leute in die Kirche gehen. Es geht darum, dass sie in der Lage sind, Auskunft zu geben über das, was ihr Handeln motiviert.

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