Manager Heidel hat Ihrem Team für die Vorrunde eine schwache Drei als Zensur gegeben. Trainer Tuchel verzichtet auf eine Gesamtnote, konstatiert aber trotz zu weniger Siege und Tabellenplatz 14 eine positive Entwicklung bei der Dominanz, die Mainz 05 ausstrahle. Wie fällt Ihr Fazit der Vorrunde aus?
Eine Note will ich auch nicht geben, aber die Saison ist natürlich durchwachsen verlaufen. Wir sind ganz am Anfang in der Europa League ausgeschieden, das war sehr enttäuschend. Dann sind wir gut mit zwei Siegen in die Liga gestartet. Dann kamen Tiefschläge mit neun Spielen ohne Sieg. Und obwohl wir wieder Dominanz ausgestrahlt haben in einigen Spielen, haben wir zu wenige Punkte. Das Pokal-Aus war natürlich ein ganz bitteres Jahresende. Das Ausscheiden in den Pokalwettbewerben hat dem Image des Vereins geschadet.
Vor einem Jahr sind Sie als Zweiter in die Winterpause gegangen, nun ist der Klub als Vierzehnter wieder in den Regionen angekommen, die man erwartete. Ist es schwer, sich wieder mit dieser Normalität abzufinden?
Man muss sich als Sportler so oder so immer wieder täglich neu motivieren. Da ist es egal, ob man oben oder unten steht. Es darf deshalb nicht so sein, dass wir uns jetzt weniger motivieren können. Dieser Punkt war auch nicht der Grund, dass wir nicht so erfolgreich waren. Wir haben gut gearbeitet, standen uns aber beim Einsammeln der Punkte zu oft selbst im Weg.
Lag das auch daran, dass die Erwartungshaltung nach Rang fünf zu hoch war?
Vielleicht hatte sich vor allem von draußen das Gefühl breitgemacht, dass wir plötzlich ein großer Verein seien. Da haben wir möglicherweise vom Denken her einen Schritt zu weit gemacht.
Ist der Klub wieder in der Realität angekommen?
Wir haben uns gefangen. Aber wichtig ist, dass wir eine gute Vorbereitung machen und dann Punkte holen.
Tuchel sagte, dass er überzeugt sei, schnell den Anschluss ans Mittelfeld zu schaffen. Sehen Sie das auch so?
Ja, von der Qualität der Mannschaft her müssen wir das schaffen. Die Punkte werden automatisch kommen, wenn wir diese Qualität auf den Platz bringen.
Bei aller Qualität fehlte aber die Torgefahr, während in Ihrem Revier, der Verteidigung, gute Arbeit geleistet wurde. Kann die Abwehr den Schwarzen Peter den Stürmern zuschieben?
Im vergangenen Jahr haben wir sicher mehr Tore gemacht. Das gibt auch der Abwehr Sicherheit. In diesem Jahr machen wir zu wenige Tore, obwohl wir uns ausreichend Chancen erarbeiten. Aber dafür ist das gesamte Team verantwortlich.
Wenn ein Team zu viele Tore zulässt, heißt es gerne: Defensivarbeit fängt im Sturm an. Gilt das also auch umgekehrt, wenn ein Team zu wenige Tore macht?
Ja, jeder ist für das Gesamte verantwortlich. Wir Abwehrspieler sind fürs Gegenpressing, für den Spielaufbau, das schnelle Umschalten und auch bei Standards direkt für Tore zuständig.
Mainz 05 hätte das Geld für Neuzugänge, bislang zeigt sich der Verein aber zurückhaltend. Hätten Sie gerne einen neuen Torjäger im Team?
Trainer und Manager wissen, was sie tun. Sie haben das gut im Griff und haben die Mannschaft gut zusammengestellt. Zudem kommt Adam Szalai nach langer Verletzungszeit zurück. Er macht mir viel Hoffnung, weil er eine richtige Waffe sein kann. Deshalb glaube ich auch, dass wir personell nicht unbedingt etwas tun müssen. Wir haben etwas Zeit gebraucht, um im Sommer die vielen neuen Spieler zu integrieren. Aber das läuft jetzt. Es fehlte deshalb in der Hinrunde nicht ein Stürmer, sondern oft nur ein Quentchen.
Ein Quentchen Entschlossenheit? Beim Pokalaus in Kiel wie bei einigen Bundesligaspielen hatte man das Gefühl, dass Mainz 05 zu brav aufgetreten ist.
Wir haben uns darüber unterhalten, als wir uns in der schlechten Phase zusammengesetzt haben. Anschließend haben wir gegen Stuttgart mit der richtigen Mentalität gewonnen. Daran können wir aber sicher noch arbeiten und uns steigern.
Sind Sie da anders gefragt als zuvor - wenn es doch noch um Abstiegskampf gehen sollte?
Ich denke, dass ich meinen Job als Kapitän bislang gut gemacht habe. Wir haben in der Mannschaft aber auch viele andere Spieler, die Verantwortung übernehmen. Das ist ein Vorteil von uns. Wir haben eine gute Struktur im Kader mit älteren, aber auch jüngeren Spielern, die sich Gedanken machen.
Sie genießen als einziger Spieler den unumstrittenen Status als gesetzter Stammspieler. Wie wichtig ist Ihnen das?
Das tut gut. Aber ich versuche, unabhängig davon meine Leistung zu bringen.
Das müssen Sie nun auch heute tun, obwohl in Ihrer Religionsgemeinschaft der Mazedonischen Orthodoxen Kirche Weihnachten gefeiert wird. Fällt Ihnen das schwer?
Man wünscht sich immer, Weihnachten zuhause zu sein. Ich bin aber mittlerweile schon dran gewöhnt, dass es anders ist, weil ich fast immer im Trainingslager bin zu der Zeit.
Dann wünschen wir Ihnen ein frohes Weihnachtsfest auf Mallorca!
Das Gespräch führte Daniel Meuren.

