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Im Gespräch: Mainz-Innenverteidiger Bo Svensson „Fragen Sie mal die Bayern, ob sie mich haben wollen“

 ·  Bo Svensson ist mit 33 Jahren Teil der Methusalem-Abwehr von Mainz 05. Im Interview spricht er vor dem Rückrundenstart gegen den SC Freiburg über das Warten auf ein Angebot von Bayern München und Entwicklungschancen.

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© dpa Mainz-05-Verteidiger Bo Svensson: „Statistik ist wie ein Bikini. Zeigt nicht viel, versteckt aber das Wichtigste“

Mainz 05 hat eine kurze knackige Vorbereitung mit sechs Testspielen bestritten. Wie fühlen Sie sich nun zu Rückrundenbeginn?

Mir hat die Pause gut getan, und jetzt haben mir die Testspiele gut getan. Unsere ganze Mannschaft brauchte nach der harten Hinrunde diese Unterbrechung. So wie wir jetzt in der Vorbereitung gearbeitet haben, sollten wir neue Energie getankt haben.

Sie sprechen von Müdigkeit am Jahresende. Aber gerade in den beiden letzten Spielen vor Weihnachten hat Ihr Team eine gute Hinrunde gekrönt mit dem Sprung auf Rang sechs und dem Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals. Ist Ihr Team da über die Schmerzgrenze hinaus gegangen?

Ja, wir haben uns da selbst belohnt dafür, dass wir vorher so stabil gut gespielt haben. Wir haben in der gesamten Hinrunde nie wirklich den Faden verloren. Zwischen unseren Top-Spielen und den schwächeren war kein so großer Unterschied. Es war nicht so viel Auf und Ab wie in den Vorjahren. Wir haben zwar sieben Spiele verloren, außer bei Bayern München waren wir aber nie chancenlos. Das ist ein Zeichen für eine gesamtmannschaftliche Entwicklung und vielleicht der Unterschied zu den vorigen Saisons.

Haben Sie dann das Gefühl, dass Mainz 05 zu wenig Punkte auf dem Konto hat?

Man hat so viele Punkte, wie man hat. 26 sind gut. Aber sicherlich hätte bei 30 Punkten niemand sagen können, dass wir das nur mit viel Glück erreicht hätten. Wir sind in fast allen Spielen nahe an unser Limit gekommen. Das reicht aber eben nicht immer zum Sieg, weil wir immer noch Mainz 05 sind und nicht Bayern München.

Mainz 05 hat sechs Testspiele gemacht in der kurzen Winterpause. Geben die fünf Siege und das Unentschieden gegen Dortmund Rückenwind?

Wir haben uns in der Vorbereitung über die Testspiele definiert und weniger trainiert. Mit den Ergebnissen können wir zufrieden sein. Wir wissen, dass wir gut drauf sind. Aber deshalb wird die Rückrunde kein Selbstläufer.

Mainz 05 hat vor der Saison darauf gesetzt, mit einem nahezu gleichen Kader auf die Entwicklung von Team und Einzelspielern zu setzen. Hat das geklappt?

Absolut. Wir mussten keine Laufwege auf dem Platz lernen, wir mussten auch keine neuen Menschen in der Kabine kennenlernen. Wir sind als Gruppe noch geschlossener geworden.

Ist dieses gegenseitige Kennen für das Spiel wichtig oder auch in der Trainingswoche?

Man kann diese zwei Sachen nicht voneinander trennen. Du kannst auch Dein Verhalten gegenüber den Physiotherapeuten oder dem Trainer nicht trennen von der Leistung auf dem Platz. Es geht bei uns immer um gegenseitigen Respekt und dass  wir gut auskommen miteinander. Dann läuft es auch auf dem Platz gut. Zusammenhalt beginnt nicht, wenn der Schiedsrichter anpfeift. Das ist ein Ergebnis einer ganzen Saison und auch des Arbeitsklimas im gesamten Verein.

Sie spielten in der Hinserie eine überraschend wichtige Rolle nach einer langen Kreuzbandverletzung. Waren Sie überrascht von sich selbst?

Ich weiß nicht, ob ich eine tragende Rolle hatte …

Sie wurden nach der Verletzung von Niko Bungert Stammspieler, haben zehnmal souverän in der Innenverteidigung gespielt …

Ich habe gespielt und das Vertrauen des Klubs erfüllt, der mit mir trotz Verletzung den Vertrag verlängert hatte. Es war auch für mich überraschend, dass ich zehn Spiele in der Hinrunde zustande bekommen habe und dass ich wohl jetzt auch weiter spielen darf.

Das klingt sehr bescheiden. Christian Heidel hat Sie immerhin  zum Spieler des Jahres ernannt.

Das ist vielleicht etwas zu viel des Lobes. Er hat da vermutlich meine Verletzung und mein Alter gnädig mit eingerechnet. Er hat wohl so was nicht mehr erwartet (lacht). Der beste Spieler des Jahres in Mainz war aber sicher ein anderer. Ich vielleicht der überraschendste.

Sie haben sich aber auch immerhin gegen Jan Kirchhoff durchgesetzt, der im kommenden Jahr bei Bayern München spielt. Sind Sie stolz, dass Sie sich noch einmal gegen solch ein Talent durchgesetzt haben.

Ja, fragen Sie mal ruhig die Bayern, ob Sie mich nicht auch haben wollen (lacht). Im Ernst: Ich bin nach der Verletzung von Niko Bungert in die Innenverteidigung gekommen, als Jan gerade keine gute Phase hatte. Dann bin ich eben drin geblieben im Team. Jan hat aber dann auch hervorragende Spiele auf der „Sechs“ gemacht und auch neben mir in der Innenverteidigung. Wenn man diese Leistungen sieht und Jan jeden Tag im Training sieht, dann muss man sich nicht wundern, dass er zu so einem Verein wie Bayern gehen kann. Er hat Riesenpotential. Ich bin sicher nicht besser als der „Kirche“.

Mainz 05 hat den höchsten Altersschnitt in der Startelf gehabt, vor allem wegen der Viererkette mit Noveski, Pospech, Zabavnik und Ihnen, die schon „Methusalem-Abwehr“ getauft wurde. Ist Mainz 05 aus Erfahrung gut?

Ach, das kann ich nicht mehr hören. Schauen Sie mal, wie Zdenek Pospech oder Radoslav Zabavnik mit über 30 Jahren die Linie viel mehr rauf und runter rennen als irgendwelche jungen Kerle. Das ist nur ein Thema für die Medien.

Aber wir Medien verfolgen das doch auch mit Hochachtung und sehen, dass gerade auch die älteren Spieler bei Mainz 05 sich immer noch weiterentwickeln und dazulernen. Sie haben sich auch noch mal fortentwickelt in den vergangenen drei, vier Jahren!

Trotzdem wird das oft falsch interpretiert: Die Leute denken dann, dass wir das alles nur mit Erfahrung machen, als ob wir gar nicht mehr körperlich, sondern nur noch mit Auge spielten. Aber tatsächlich arbeiten Nikolce Noveski oder unsere Außenverteidiger auch mehr als viele junge Kerle. Gerade bei unserer Spielweise muss man sehr viel laufen und körperlich verausgaben. Das ist nicht so, dass wir hinten stehen und spekulieren. Alter ist total egal bei drei von uns vier. Ich bin da vielleicht die Ausnahme, weil ich doch mehr mit dem Auge machen muss (lacht).

Haben Sie denn selbst das Gefühl, dass Sie auch in Ihrem Alter noch dazulernen im Fußball?

Ein berühmter dänischer Landsmann von mir, Michael Laudrup, hat gesagt: Wenn Du im Fußball glaubst, dass Du nicht mehr lernen musst, dann bist Du schon fertig. Genau so ist es. Ich sehe bei Zdenek Pospech, wie er immer noch was draufpackt, obwohl er seit 15 Jahren auf seiner Position als Rechtsverteidiger spielt. Diese vorbildliche Arbeit gibt übrigens auch unseren jungen Spielern einen Schub, weil sie Arbeitsmoral lernen.

Mainz 05 arbeitet sehr viel mit einem Datenbanksystem, wo Ihnen als Spieler auf Abruf Szenen und auch Statistiken zum eigenen Spiel gezeigt werden. Lernen sie davon?

Wir bekommen viele Bilder gezeigt und das ist auch lehrreich. Bei Statistiken bin ich hingegen skeptischer. Da schaue ich nicht so viel rein. Da glaube ich an einen dänischen Politiker, der einmal sagte: ‚Statistik ist wie ein Bikini. Zeigt viel, versteckt aber das Wichtigste.’

Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Nach Ihrer Verletzung im Vorjahr waren Sie unsicher, wie lange Sie noch spielen wollen. Wie denken Sie jetzt?

Hätten Sie mich nach dem Schalke-Pokalspiel gefragt, als ich mir eine Prellung an der Wirbelsäule zugezogen hatte, dann hätte ich wohl eher ans Aufhören gedacht. Wenn ich mich nicht verletze, will ich jetzt aber noch weitermachen. Ich bin in Gesprächen mit Mainz 05. Es spielen mehrere Faktoren rein. Sicher will ich bald wissen, wie es im Sommer weitergeht. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir klarkommen. Aber erst mal liegt mein Fokus auf dem nächsten Spiel.

Sie starten am heutigen Samstag mit einem Heimspiel gegen Freiburg, das auch Pokalgegner ist. Blicken Sie schon auf das Pokal-Viertelfinale und die Aussichten in diesem Wettbewerb?

Nein. Pokal ist noch lang hin. Jetzt zählt erst mal die Bundesliga. Da ist Freiburg einer der interessantesten und schwierigsten Gegner der Liga mit einem ganz interessanten, intelligenten Trainer und tollen Spielern. Sie stehen einen Platz vor uns in der Tabelle. Wir freuen uns, dass es losgeht. Aber wir wissen auch, dass es nur über Leistung geht.

Das Gespräch führte Daniel Meuren.

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