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Im Gespräch: Kirchenpräsident Volker Jung : „Homosexualität ist Teil der Schöpfung“

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Bezieht Position: Volker Jung, Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Bild: picture alliance / dpa

Das Familien-Papier der Evangelischen Kirche in Deutschland hat für Streit gesorgt. Im Interview spricht dessen Ko-Autor, EKHN-Kirchenpräsident Volker Jung, über Ehe, Luther und die Ökumene.

          Sie haben das umstrittene Familien-Papier der EKD mitverfasst. Fühlen Sie sich derzeit als ein Kirchenspalter?

          Nein. Ich bin erfreut darüber, dass es eine Diskussion über die Orientierungshilfe gibt, aber auch überrascht von der Heftigkeit der Reaktionen - zumal das Papier vieles von dem formuliert, was längst kirchliche und diakonische Praxis bestimmt.

          Die Kritik ist tatsächlich wuchtig. Ihr Kollege, der württembergische Landesbischof July, wendet ein, dass der institutionelle Aspekt der Ehe fast lautlos aufgegeben werde. Der Bonner Professor für Systematische Theologie und Ethik, Ulrich Eibach, findet, dass das Menschenbild des Papiers sich zu wenig an der biblischen und reformatorischen Tradition orientiere. Und Ihr hessischer Amtsbruder, Bischof Martin Hein, hält die theologische Begründung für die veränderte Wahrnehmung von Ehe und Familie für „ausgesprochen dünn“.

          Der Auftrag unserer Kommission war zunächst zu beschreiben, was angesichts der Veränderungen in unserer Gesellschaft familienpolitisch notwendig ist und wie Kirche und Diakonie Ehe und Familie stärken können. Es ging also zuerst um eine aktuelle familienpolitische Orientierung und nicht um eine grundlegende theologische Reflexion von Ehe und Familie.

          Was würden Sie im Licht der Kritik der vergangenen Wochen anders formulieren?

          Trotz der genannten Zielrichtung hätten wir der theologischen Begründung von Ehe und Familie mehr Raum geben können. Offenbar gibt es hier wirklich großen Orientierungsbedarf. Zum Verfahren: Tatsächlich wäre es auch wichtig gewesen, den leitenden Geistlichen den Text früher zugänglich zu machen. Viele von ihnen waren relativ schnell um Stellungnahmen gebeten worden, ohne dass sie das Papier richtig kannten. Wir müssen uns künftig innerkirchlich auf mögliche Debatten besser vorbereiten.

          Was ist die wichtigste Schwachstelle?

          Sicherlich müssen die biblischen Aussagen zur Homosexualität noch ausführlicher reflektiert werden. Es gibt eine klare Ablehnung von Homosexualität in der Bibel. Heute müssen wir aus guten Gründen zu einer anderen Beurteilung kommen, uns fragen, ob Homosexualität Teil der Schöpfung ist.

          Ist sie es?

          Ja, ich sehe das so. Und das bedeutet, Formen zu finden, in der Menschen ihre Homosexualität verantwortungsvoll leben können. Die Form der eingetragenen Partnerschaft setzt Homosexuelle in die Lage, verlässlich, partnerschaftlich und gerecht miteinander zu leben - so wie es für die Institution der Ehe auch gilt.

          Was gilt die traditionelle Ehe in Ihrer Kirche noch?

          Sie ist nach wie vor das Leitbild - auch für die gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Das Papier will Menschen ermutigen, ihre familiären Beziehungen zu leben, so vielgestaltig sie heute nun einmal sind.

          Für Martin Luther ist die Ehe nicht nur ein „weltlich Ding“, sondern auch ein „göttlich Werk und Gebot“. Missachtet das Papier diese Sicht nicht, wenn es davon abrückt, dass die Ehe zur Schöpfungsordnung gehört?

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