Home
http://www.faz.net/-gzg-71cdl
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Im Gespräch: Jürgen Sprekelmeyer und Wolfgang Heyl „Wir wollen wachsen und bauen nicht eine Stelle ab“

 ·  Die Stiftung Hospital zum heiligen Geist und der Verein Frankfurter Stiftungskrankenhäuser wollen ihre vier Krankenhausbetriebe zum 1. Januar verschmelzen.

Artikel Lesermeinungen (0)

Geschäftsführer Jürgen Sprekelmeyer vom Nordwestkrankenhaus und
Wolfgang Heyl vom Bürgerhospital erzählen, wie es dazu kam und welche Auswirkungen dies haben wird.

Die Fusion kam überraschend. Wie hat sich das ergeben?

Heyl: Herr Sprekelmeyer und ich haben uns am 21. Januar zum Gespräch getroffen. Eigentlich mit der Absicht, über eine gemeinsame Ausbildung in der Krankenpflege und der Weiterbildung zu reden. Am Ende des Gesprächs haben wir dann gefragt, wie sieht es denn sonst mit Zusammenarbeit aus? Wenige Tage später haben wir uns noch mal getroffen und haben uns den Frankfurter Krankenhausmarkt angesehen. Da haben wir gemerkt, wenn etwas zusammenpasst, dann sind es die Krankenhäuser, die von Stiftungen gegründet wurden.

Eine wirtschaftliche Schieflage war nicht der Grund dafür?

Sprekelmeyer: Nein. Es sind zwei starke Organisationen. Aber auch die überlegen sich, wie sie sich im Markt weiterentwickeln können. Herr Heyl und ich sind zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Fusion sinnvoll ist, um im freigemeinnützigen, stiftungsgetragenen Bereich Kräfte zu bündeln.

Gab es wirtschaftlichen Druck aufgrund der Lage auf dem Gesundheitsmarkt?

Heyl: Die aktuelle Gesetzgebung hat das sicher begünstigt. Die nächsten fünf Jahre hätten beide Häuser noch eigenständig leben können. Aber wenn man das darüber hinaus sieht... Deshalb haben wir uns entschieden, jetzt den Impuls zu setzen. Ein solcher Prozess ist auch mit den Mitarbeitern deutlich besser zu gestalten, wenn Sie nicht sanieren müssen, sondern auf dem Bestand aufbauen und die Wirtschaftlichkeit erhöhen können.

Wie wird sich die Zusammenarbeit der Stiftungskrankenhäuser zeigen?

Heyl: Wir wollen nicht als Frankfurter Stiftungskrankenhäuser GmbH - dem neuen Titel - auftreten. Die vier Standorte, die die Frankfurter kennen, werden separat geführt. Es wird weiter vier Ärztliche Direktoren geben. Das ist für die Identität und die Mitarbeiter ein nicht unwesentliches Zeichen.

Wo liegen dann die Synergien?

Heyl: Am Anfang geht es um Einkauf, Logistik, Wäscherei, Labor, Apotheke, alles, was wir an Leistungen ohnehin zukaufen. Die Kooperationsverträge, die wir dort haben, sollen überprüft werden. Wir werden schauen: Was machen wir künftig gemeinsam.

Wollen Sie auch medizinische Abteilungen zusammenfassen? Sollen zum Beispiel alle Betten der Geburtshilfe ans Bürgerhospital verlagert werden?

Sprekelmeyer: Das wäre ein törichter Gedanke, der der Versorgungsnotwendigkeit nicht Rechnung trägt.

Worin sollen dann die Synergien bestehen?

Sprekelmeyer: Mit Synergien wird immer verbunden: Abbau. So wie in Gießen/Marburg, wo es aktuell darum geht, wie viele Mitarbeiter gehen müssen. Wir wollen wachsen.

Heyl: Wir bauen nicht eine Stelle ab. Wir werden sogar im Januar zusätzliche einstellen. Weil wir Angebote haben, wo ein Wachstum möglich ist. Die Endokrine Chirurgie am Bürgerhospital ist das einzige nichtuniversitäre Schilddrüsenzentrum. Momentan vergeben wir Termine für Dezember. Das ist gigantisch.

Was ist geplant?

Sprekelmeyer: Wir können einzelne medizinische Spezialitäten besser ausprägen. Das ist die Aufgabe der Zukunft. Das heißt, dass die Augenexperten vom Bürgerhospital auch im Hospital zum heiligen Geist und im Krankenhaus Nordwest tätig werden.

Sie schaffen zusätzliche Angebote, und nichts fällt weg?

Heyl: Unter Kostenerlösgesichtspunkten muss man sich schon fragen, macht es Sinn, dass an jedem unserer drei Standorte - lassen wir die Kindermedizin einmal weg - Gefäßchirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Allgemeinchirurgie und Innere Medizin ist. Die letzten beiden brauchen Sie für den unabdingbaren Notfallstatus. Bei den anderen wird überlegt, mit anstehendem Chefarztwechsel - von der Altersstruktur bietet sich das an - Angebote an einem Standort zu bündeln. Nicht mehr jedes Haus wird alles anbieten. Das ist auch unter Qualitätspunkten nicht sinnvoll.

Aufgrund seiner Lage hat das Bürgerhospital kaum Möglichkeiten zum Erweitern. Sind Sie froh, wenn Sie etwas abgeben können, um für Schwerpunkte räumlich mehr Platz zu haben?

Heyl: Das wird das Prinzip sein. Wir haben durch den hohen Zuspruch aus der Bevölkerung das Problem, dass wir viele Spezialitäten mit hohem Zulauf haben. Wir werden perspektivisch hier sicher ein oder zwei Fachgebiete im Haus weniger vertreten haben. Und dafür andere Bereiche wirtschaftlich größer ausbauen wie die Augenheilkunde, die Diabetologie oder die Endokrinologie.

Davon sind die Chefärzte sicher begeistert?

Heyl: Die Chefärzte begrüßen die Zusammenarbeit dieser beiden Häuser, weil es schon seit Jahren Kooperationen gibt.

Wie wurde die Ankündigung der Fusion von den Mitarbeitern aufgenommen?

Heyl: Ich bin überrascht, wie positiv die Mitarbeiter dies aufgenommen haben und wie wenig kritisch.

Sprekelmeyer: Das kann ich bestätigen. Die Mitarbeiter sind sehr sensibel, was in der Krankenhauslandschaft passiert. Sie verfolgen den Kampf um die Rhönkliniken an der Aktienbörse. Das ist ein Punkt, wo man auch aus einem bürgerschaftlichen Engagement heraus sagen kann, es gibt, wie wir zeigen, gute Alternativen.

Gibt es im Bürgerhospital Angst, weil das Nordwestkrankenhaus größer ist?

Heyl: Das Verhältnis ist zwei Drittel zu einem Drittel, was die Umsatzzahlen angeht. Aber meine Anerkennung gilt den Stiftungen. Die Stiftung Hospital zum heiligen Geist hat dem Wunsch der Senckenbergischen Stiftung, keine Fusion mit Dominierung haben zu wollen, entsprochen und einem paritätisch besetzten Aufsichtsrat und einer paritätisch besetzten Geschäftsführung zugestimmt. In diesen Gremien ist die Relation 50:50. Das war für die Senckenbergische Seite das Signal, das Angebot anzunehmen. Das war Voraussetzung dafür, dass die drei Stiftungen sich zusammentun, um ein Krankenhaus zu betreiben.

Wie wird das mit den Stiftungen in Zukunft sein? Kümmert sich jede weiter um ihr eigenes Haus, oder wird alles zusammen gemacht?

Heyl: Sicher werden das zunächst die Häuser sein, die von ihnen gegründet wurden. Wobei ich nach der Fusion mit dem Clemi sagen kann, dass da relativ schnell größere Beträge vom Bürgerhospital in die Fertigstellung der Renovierung des Clemi geflossen sind. So stelle ich mir das auch für die Zukunft vor. Wenn Investitionen erforderlich sind, werden die drei Stiftungen einen Weg finden - egal an welchem Standort -, sinnvolle Projekte zu finanzieren.

Gibt es noch weitere Fusionspläne? Können Sie sich Fusionen mit Krankenhäusern außerhalb Frankfurts vorstellen? Gibt es da noch Stiftungskrankenhäuser?

Heyl: Zum 1.Januar nicht. Die nächsten drei bis vier Jahre werden wir zum Zusammenwachsen brauchen. Schneller geht es nicht, die Zeit muss man sich nehmen. Aber neue Kooperationen können wir eingehen. Auch mit Häusern mit Stiftungshintergrund.

Die Fragen stellte Ingrid Karb.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Geben und nehmen

Von Matthias Alexander

Wer immer nach der Landtagswahl im September Finanzminister wird, steht mit Blick auf den kommunalen Finanzausgleich vor einer undankbaren Aufgabe. Schon bis Ende 2015 muss ein neues Modell gefunden sein. Mehr 1