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Im Gespräch: GdF-Chef Siebers „Unsere Forderung ist nicht unsolidarisch“

20.02.2012 ·  Die GdF will Vorfeldlotsen und -kontrolleure sowie die Verkehrssteuerung am Flughafen ganz neu eingruppieren. Über die Ausgliederung in eine GmbH war man sich mit Fraport dabei schon einig, wie ihr Chef Siebers sagt.

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50 bis 70 Prozent mehr für eine kleine Gruppe - wie erklären sie das Bürgern, Fluggästen, anderen Fraport-Mitarbeitern?

Noch hat mich kein zorniger Fluggast angesprochen. Wenn es aber dazu kommt, kann ich ihm das relativ leicht erklären.

Wie?

Die Einkommen, die im Moment gezahlt werden, liegen in den drei strittigen Bereichen noch weit unter unseren Referenzgrößen.

Aber die Entgelte der Vorfeld-Kontrolle und ihrer Kollegen liegen doch im Gefüge der Fraport-Gehälter recht gut.

Die Referenzgrößen liegen nicht innerhalb der Fraport, sondern innerhalb der Gemeinschaft, die wir als Gewerkschaft der Flugsicherung vertreten.

Also bei den Fluglotsen, Ingenieuren und Technikern der Deutschen Flugsicherung?

Ja. Im Bereich der Flugsicherung und artverwandten Berufen. Da müssen wir hinkommen, dort sind wir auch schon an anderen Flughäfen. Frankfurt ist ja nun nicht der kleinste Flughafen. Und es wäre ein grundsätzlich falsches Signal, eine solches Tarifierung gerade an einem der größten Flughäfen der Welt nicht hinzubekommen.

Es geht der GdF also nicht um eine gewöhnliche Tariferhöhung, sondern sie wollen die 200 Männer und Frauen vom Vorfeld vollkommen von der üblichen Fraport-Tarifstruktur zu trennen?

Ja, das ist richtig. Wir wollen eine neue Struktur schaffen, die mit entsprechenden Arbeitsplätzen außerhalb der Fraport zu vergleichen ist. Innerhalb der Fraport gibt es vergleichbare Arbeitsplätze eben nicht.

Und beim nächsten Mal gäbe es wieder gewöhnliche Tarifforderungen mit Inflationsausgleich und einem Aufschlag?

Ja, dann würde es übliche Forderung geben, angepasst an die gesamtwirtschaftliche Lage und an die von Fraport. Verdi fordert gerade sechs Prozent, Metall 6,5 Prozent, wir würden uns dann auch nicht in anderen Größenordnungen bewegen. Das haben wir bisher auch nicht anders gehalten.

Verdi, der Fraport-Betriebsrat und das Fraport-Management werfen ihnen vor, unsolidarisch gegenüber der Masse der Arbeitnehmer am Flughafen zu sein.

Das hat nichts mit unsolidarisch zu tun. Wir müssen unsere Mitglieder ordentlich vertreten. Wir sind ja auch im Rahmen der Schlichtung bereit gewesen, unsere Leute in eine separate GmbH auszugliedern, um die unterschiedlichen Tarife für unterschiedliche Tätigkeiten sauber zu trennen. Das war ja ein Wunsch der Fraport. Wir sind auf diesen Wunsch eingegangen. Wir haben da - anders als andere Gewerkschaften - auch keine Angst. Uns geht es um die Bedingungen, unter denen unsere Leute arbeiten.

Noch einmal nachgefragt: Sie waren mit Fraport also schon einig darüber, dass sie die Vorfeldlotsen, die Vorfeldkontrolle und die Verkehrszentrale in eine separate GmbH ausgliedern?

Ja, das ist korrekt. Die Gespräche liefen immer darauf hinaus. Das war von Fraport auch ausdrücklich gewünscht. Fraport wollte sogar gleich drei oder vier GmbHs, das haben wir dann aber abgelehnt. Soweit geht die Freundschaft dann auch wieder nicht. Aber mit einer GmbH haben wir absolut kein Problem, unsere Mitglieder auch nicht. Es kommt auf die Konditionen an. Aber da wäre sicher eine Einigung möglich.

Fraport hat bislang nicht erwähnt, dass man an Auslagerungsplänen arbeitet - zusammen mit der GdF?

Fraport will womöglich nun doch nicht zahlen, was sie eigentlich schon zugesagt hatten. Vielleicht haben sie zu viel Druck von Verdi bekommen. Vielleicht auch vom kommunalen Arbeitgeberverband. Wir waren zu all diesen Dingen bereit: vierjähriger Vertrag, Auslagerung in eine GmbH, das war alles Bestandteil des Schlichterspruchs von Herrn von Beust, den Fraport als Schlichter benannt hat, nicht wir.

Aber Sie verstehen schon, dass Verdi und der Fraport-Betriebsrat sehr verärgert über die GdF sind, weil beide den Zukunftsvertrag von 2010 zu verantworten haben, in dem sie mit Entgelteinbußen in zweistelliger Millionenhöhe den Erhalt von Arbeitsplätzen im Unternehmen erkauft haben.

Ich war bei den Verhandlungen nicht dabei. Aber gewerkschaftliche Arbeit kann ja wohl nicht darin bestehen, auszuprobieren, wie weit man noch nach unten gehen kann mit den Entgelten und Arbeitsverhältnissen, von denen man ja ohnehin schon kaum noch leben kann. Verdi ist nicht mein Thema. Ich glaube aber, wenn die sich etwas mehr ins Zeug legen würden, könnte auch Verdi mehr Leute rekrutieren. Mit Verzichtserklärungen sicher nicht.

Es gab immer wieder Anläufe, Regelungen gegen Spartengewerkschaften zu installieren unter der Überschrift „ein Betrieb, ein Tarifvertrag“. Fürchten Sie nicht, dass sie diese Aktivitäten mit dem Streik wieder neu befeuern?

Die Sorge habe ich immer. Diese Bestrebungen sind aber nicht neu, Arbeitgeberpräsident Hundt will das immer wieder durchsetzen, Herr Siegloch vom Bundesverband der Luftverkehrswirtschaft und der Herr Lauer von der Lufthansa. Damit muss man leben. Wenn Verdi-Chef Bsirske mit seiner Gewerkschaft beispielsweise den Berliner Nahverkehr lahmgelegt, spricht auch niemand von Geiselhaft und derlei Unfug. Das interessiert dann niemanden, es ist völlig normal. Wenn wir das unser Streikrecht nutzen, sind wir gleich für alles inklusive Weltuntergang verantwortlich.

Wie hoch sind tatsächlich die Aufschläge, die Sie fordern, für Vorfeldlotsen, die Vorfeldaufsicht und die Leute in der Verkehrszentrale?

Das geht von unter zehn Prozent bis zu 40 oder auch 45 Prozent reine Entgeltbestandteile. Aber verteilt auf vier Jahre, wie es im Schlichterspruch empfohlen war. Und in den beiden Abteilung Vorfeldaufsicht und Verkehrszentrale ist das Forderungsvolumen ja noch einmal nach untern korrigiert worden.

Wie lange wollen sie streiken?

Sobald ein Anruf von Fraport kommt, verhandeln wir wieder und hoffen dann auch, schnell zu einem Ergebnis zu kommen.

Die Fragen stellte Jochen Remmert.

Quelle: F.A.Z.
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