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Im Gespräch: Frank Ausbüttel „G9 ist nur ein halbes Jahr mehr als G8“

Etwa ein Drittel der Frankfurter Gymnasien will zur längeren Schulzeit G9 zurückkehren. Die Freiherr-vom-Stein-Schule in Sachsenhausen hat sich dagegen entschieden, zumindest vorerst. Zu viele Fragen seien noch nicht beantwortet, sagt Direktor Frank Ausbüttel.

© Fricke, Helmut Vergrößern Schulleiter und promovierter Historiker: Frank Ausbüttel.

Es scheint, als gehe der Trend zurück zur neunjährigen Gymnasialzeit. Auch an der Freiherr-vom-Stein-Schule?

Bei uns gab es, und dafür bin ich dankbar, eine sachliche Diskussion über G8 und G9. Wir sind im Kollegium und in der Schulleitung übereingekommen, im nächsten Schuljahr bei G8 zu bleiben. Das ist aber keine Festlegung für die Zeit danach, das Rennen ist offen.

Wovon hängt der Ausgang ab?

Zum Beispiel von der Landtagswahl im Herbst. Wenn danach flächendeckend G9 eingeführt wird, wie es die SPD will, würde sich die Lage ändern.

Trotzdem könnten Sie, wenn Sie von der G9-Option überzeugt wären, schon zum nächsten Schuljahr wechseln. Zum generellen G8 würde vermutlich keine denkbare Regierung zurückkehren.

Mit dem Wechsel zu G9 ist es nicht so einfach, wie es manchmal dargestellt wird. Da stehen einige Missverständnisse im Raum, das stelle ich im Gespräch mit Lehrern und Eltern immer wieder fest.

Zum Beispiel?

Vielen ist gar nicht bewusst, wie gering der Unterschied zwischen G8 und G9 ist, wie nahe sie beieinanderliegen.

Das müssen Sie erklären.

Die These, dass mit G8 die Belastung zugenommen hat, stimmt insofern nicht, als an den G9-Gymnasien, die viele Eltern aus der eigenen Schulzeit kennen, fast dieselbe Stundenzahl unterrichtet wurde wie nach der Schulzeitverkürzung, nämlich in der Mittelstufe durchschnittlich 32 Stunden je Woche. Nur fiel das damals nicht so sehr auf, weil auch am Samstag Unterricht stattfand und der Rest der Woche um diese vier Stunden entlastet war. Nach dem Verzicht auf den Samstag wurde die Stundenzahl auf etwa 30 reduziert. Unter G8 haben wir 33 Stunden je Woche.

Es geht also nur um zehn Prozent.

Ja, oder anders gerechnet: Wer G8 macht, hat am Ende der fünfjährigen Mittelstufe - und nur um die geht es ja bei der Schulzeitverkürzung - insgesamt etwa 166 Wochenstunden absolviert. Wer G9 macht, hat am Ende der dann sechsjährigen Mittelstufe insgesamt etwa 181 Wochenstunden gehabt. Wir reden also über einen Differenz von 14 bis 15 Wochenstunden. Das ist nicht einmal die Hälfte einer Unterrichtswoche. Auf die Schullaufbahn bezogen könnte man sagen, dass der Unterschied zwischen G8 und G9 nicht ein volles Schuljahr beträgt, sondern ein knappes halbes Jahr.

Die Schüler sind also ein Jahr länger in der Schule, bekommen aber kaum ein halbes Jahr mehr Unterricht. Das könnte man auch als Vorteil sehen, weil dann mehr Freizeit bleibt.

Ja, nur haben sich viele Familien darauf eingestellt, dass die Kinder bis in den Nachmittag in der Schule betreut werden. Oft sind beide Elternteile berufstätig oder ein Elternteil ist alleinerziehend. Bei einer Rückkehr zu G9 fallen in der fünften Klasse zwei Wochenstunden weg, die ich in der pädagogischen Mittagsbetreuung auffangen muss. Das addiert sich bei fünf fünften Klassen auf zehn Stunden. Stadt und Land haben jedoch ausgeschlossen, dass es bei einer Rückkehr zu G9 mehr Zuweisungen für Ganztagsangebote gibt.

Wegen des zusätzlichen Jahrgangs, der durch G9 entstünde, brauchen die Schulen auch mehr Platz.

Ja, aber die Schuldezernentin hat schon mitgeteilt, dass die Gebäudeplanung langfristig auf G8 ausgerichtet ist. Das heißt für mich als Schulleiter, dass wir in den nächsten Jahren an unserer Schule weniger Schüler aufnehmen können.

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