Home
http://www.faz.net/-gzg-76i8w
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Im Gespräch: FFC-Chef Bodo Adler „Ich will kein Handlanger sein“

In seiner Funktion steht der Steuerberater aus Langenselbold meist im Schatten von Siegfried Dietrich, dem Investor und Macher beim Frauenfußball-Bundesligaverein. Adler spricht er über enttäuschende Niederlagen und die Machtverteilung im Klub.

© Eilmes, Wolfgang Vergrößern Auf Draht: Bodo Adler.

Der FFC Frankfurt hat sich in der Winterpause wieder einmal mit gestandenen Spielerinnen statt entwicklungsfähigen Talenten aus Deutschland verstärkt: Die Australierin Tameka Butt, die Japanerin Kozue Ando und die Norwegerin Lise Overgaard Munk erhöhen die Zahl der Nationalspielerinnen künftig auf 16. Gibt es tatsächlich keinen anderen Weg als den, mit Geld internationale Top-Spielerinnen nach Frankfurt zu holen?

Wir locken nicht mehr mit Geld. Das haben wir uns auf die Fahnen geschrieben. Das bewegt sich alles im normalen Rahmen. Unsere Trainer haben einfach die Meinung vertreten, dass wir für unser Ziel Champions League, das wir noch erreichen wollen, Ergänzungen im Kader brauchen. Es ist schwierig, dafür deutsche Spielerinnen zu bekommen, die nicht unermessliches Geld kosten. Und viele waren auch derzeit einfach nicht verfügbar. Da haben sich unsere Trainer eben für diese drei entschieden.

Die Hinserie war geprägt von zahlreichen Rückschlägen. Ist da nicht mal Mut zu Neuem gefragt?

Die Niederlagen im Herbst waren sehr ernüchternd. Ich war von den Ergebnissen sehr enttäuscht. Ich hatte eigentlich zu Saisonbeginn das Gefühl, dass wir einen richtig guten Kader haben, der die Liga beherrschen sollte. Ich musste mich aber eines Besseren belehren lassen. Dazu kam, dass wir nach der Niederlage in Essen sehr früh reagieren mussten mit dem Trainerwechsel. Den damaligen Cotrainer Philipp Dahm zum Nachfolger zu machen, war zumindest bis heute eine gute Entscheidung. Ich bin deshalb sehr optimistisch, dass wir in der Rückrunde zumindest die Champions-League-Qualifikation schaffen.

Wenn Sie gerade Sven Kahlert ansprechen: Sind Sie als Präsident in so eine Entscheidung zur Trennung eigentlich mit eingebunden, oder ist das alleine die Entscheidung des Managers und Investors Siegfried Dietrich?

Der Eindruck ist völlig falsch. Siggi Dietrich ist der Investor, er ist der Macher. Ohne ihn wären der Verein und auch der deutsche Frauenfußball nicht so weit, wie er es ist. Als ich Präsident wurde, habe ich ihm dennoch klargemacht, dass ich kein Handlanger sein will. Wir kennen uns schon lange und sind auch befreundet. Aber deshalb sind wir nicht immer einer Meinung, nur stellen wir das nicht in der Öffentlichkeit dar. Die Trainerentscheidung beispielsweise im Fall Kahlert haben wir zusammen getroffen. Alles Sportliche ist erst einmal Sache des Trainers, der uns auch sagt, welche Spielerinnen er gerne fürs Team hätte. Wir schauen dann nur, ob das finanziell machbar ist. Da hat dann Siggi Dietrich natürlich großes Gewicht, weil er bezahlt.

Ist das dann gar nicht mehr das Geld des Vereins, mit dem die Spielerinnen finanziert werden?

Doch. Dietrich hat die Vermarktungsrechte gepachtet. Dafür gibt er uns Geld, von dem die Spielerinnen bezahlt werden.

Ist der Verein dann eigentlich abhängig von Dietrich?

Abhängig sind wir nicht, aber ich kann mir tatsächlich schwer vorstellen, wie es weitergehen würde, wenn Siggi Dietrich von heute auf morgen aufhören würde. Wobei er das aufgrund bestehender Verträge freilich auch gar nicht könnte.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Werder-Aufsichtsratschef Bode Man kann sich um die Liga Sorgen machen

Teure neue Fußballwelt: Werder Bremens Aufsichtsratschef Marco Bode spricht im FAZ.NET-Interview über die Bedrohung der Bundesliga und den Bremer Weg. Mehr Von Frank Heike und Christian Kamp

01.03.2015, 14:46 Uhr | Sport
Finanzen Die deutsche Sparer-Seele

Wäre da nicht schon der Adler, dann hätte mit Sicherheit das Sparschwein einen Platz im deutschen Wappen gefunden. Sparen liegt den Deutschen im Blut. Und daran wird auch unverdrossen festgehalten: Woher kommt dieser Drang der Deutschen, für schlechte Zeiten etwas zurückzulegen? Mehr

22.01.2015, 13:29 Uhr | Finanzen
Simon Rolfes im Gespräch Nowitzki sollte Vorbild für Fußballprofis sein

Simon Rolfes tritt zum Saisonende zurück und will als Sportmanager arbeiten. Vor dem Champions-League-Achtelfinale gegen Atlético (20.45 Uhr) spricht der frühere Nationalspieler im FAZ.NET-Interview über Studium, Finanzgeschäfte und geistige Arbeit. Mehr Von Anno Hecker

25.02.2015, 13:19 Uhr | Sport
Landtagswahl Thüringen Ramelow erklärt sich zum Wahlsieger

Wir, die Linke, haben die Wahl gewonnen, erklärt Spitzenkandidat Bodo Ramelow. Thüringen könne Geschichte schreiben, wenn sich die CDU in der Opposition erhole. Mehr

14.09.2014, 20:04 Uhr | Politik
Präsident Keller im Interview Der SC Freiburg braucht keinen Scheich

Fritz Keller ist Präsident des kleinen SC Freiburg. Über Konzernklubs will er aber nicht jammern. Im FAZ.NET-Interview spricht Keller über den Schürrle-Transfer und das neue Stadion. Und er verrät, was er mit 50 Millionen Euro machen würde. Mehr Von Michael Eder

21.02.2015, 10:29 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.02.2013, 18:33 Uhr

Blockupy und die Gewalt

Von Helmut Schwan

Es gibt Grüppchen im Netz, die planen vollmundig die Stilllegung der EZB-Eröffnung. Für die Polizei entwickelt sich dieses Gewaltpotential zu einer doppelten Herausforderung. Aber auch die Blockupy-Bewegung ist hier gefragt. Mehr 7