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Im Gespräch: Eugen Polanski „Bei Thomas Tuchel wird keiner abgeschrieben“

 ·  Der Mittelfeldspieler von Mainz 05 über den Kampf um einen Platz in der Startelf, den Rückkehrer Zidan, das Comeback einiger alter Tugenden und den Fehler, sich an Hannover zu orientieren.

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Ihr Trainer Thomas Tuchel sprach in den vergangenen Wochen oft davon, dass er neben vielen Spielern, die sehr gute Nebendarsteller seien, gelegentlich jene vermisse, die auf die Bühne und in die Hauptrollen drängen. Fühlten Sie sich angesprochen?

Ich weiß nicht genau, was er damit meinte, dass einer auf die Bühne drängen soll. Wenn er Adam Szalai damit meinte, ist es klar. Er ist ein ganz anderer, ein extrovertierterer Typ als ich. Man braucht eben auch Leute, die in den Vordergrund drängen. Aber man braucht auch Leute, die weniger beachtet ihren Job erledigen. Ich kann nur für mich reden. Meine Charaktereigenschaft ist, dass ich selbst in jedem Trainingsspiel alles gebe und gewinnen will. Ich tue alles dafür, dass die Mannschaft erfolgreich ist. Ob ich auf diese Weise auf die Bühne dränge oder nicht, kann ich nicht sagen.

Oftmals ist Ihnen die Bühne in dieser Spielzeit komplett versperrt gewesen, weil sie gar nicht erst spielten. Sie hatten eine sehr unglückliche Hinserie, in der Sie nur auf sieben Startelf-Einsätze kamen. Wie haben Sie das verarbeitet?

Ich musste eben auch akzeptieren, dass der Trainer meistens richtig lag, weil ich nicht in Topform war. Als ich in guter Verfassung war, hatte ich Pech mit einer Roten Karte und einer Drei-Wochen-Sperre.

Fühlen Sie sich jetzt, nach drei Einsätzen in der Startelf, als Stammkraft - nachdem der Trainer Sie in der Winterpause, anders als vier, fünf andere Spieler, nicht zu den unumstrittenen Spielern zählte?

Bei uns gibt es nicht wirklich Stammspieler. Das ist bei Thomas Tuchel so, weil wir taktisch sehr flexibel in die Spiele gehen. Gerade im Mittelfeld gibt es da viele Veränderungen. Damit muss man zurecht kommen und auf seine Chance warten.

Nimmt man das einfach so hin?

Natürlich ist man immer sauer, wenn man nicht spielt. Das muss jedem Fußballer so gehen, sonst wäre was falsch. Dass bei uns aber keiner abgeschrieben wird, wenn er mal länger nicht spielt, zeigt ja gerade die Rückkehr von Radoslav Zabavnik, der ein halbes Jahr gar keine Rolle gespielt hat und jetzt sicher im Team steht. Wer hart arbeitet, kann den Trainer immer wieder überzeugen.

Mainz 05 schien in der Winterpause und nach der Auftaktniederlage in Leverkusen sehr verunsichert. Was hat sich seither durch den Sieg gegen Freiburg und das Unentschieden auf Schalke verändert?

Wir haben schon in der Winterpause sehr gut gearbeitet. Der Trainer hat mit uns Spielern in verschiedenen kleinen Gruppen gesprochen und für die richtige Einstellung zu unserer Situation gesorgt.

Was für Gruppen waren das?

Inhaltlich ging es in den Gruppen um verschiedene Aufgaben, die jeder zu übernehmen hat.

Fehlte in der Hinserie also bei einigen Spielern das Verantwortungsgefühl für die Lage?

So würde ich das nicht sagen. Aber es geht immer darum, allen noch einmal ihren Job ganz genau klarzumachen und dass keiner mehr ausschert.

War denn der ein oder andere Spieler ausgeschert?

Nicht in dem Sinn, wie Sie es jetzt vielleicht verstehen. Bei uns gibt es keine Spieler, die nicht mitziehen oder gar Ärger machen. Aber der ein oder andere musste sich vielleicht noch an Abläufe gewöhnen und hat deshalb gelegentlich seine Aufgabe noch nicht perfekt erfüllen können. Das haben wir jetzt abstellen können in der Wintervorbereitung.

Vor anderthalb Jahren sprachen Sie mal davon, dass man für das Training unter Thomas Tuchel Abitur brauche wegen der komplexen Trainingsformen. Um im Bild zu bleiben: Ging es nun also darum, das ABC wieder zu lernen?

Man muss tatsächlich manchmal zwei Schritte zurückgehen in der Herangehensweise an die Spielart. Das haben wir gemacht und uns neu auf ein paar Prinzipien besonnen, die unser aggressives Spiel ausgemacht haben. Aber wir trainieren dennoch immer noch auf einem komplexen Niveau wie eh und je. Das ist aber kein Selbstzweck, damit wir uns klüger vorkommen. Es geht nur darum, dass wir im Spiel Situationen erkennen, die wir so trainiert haben. Das ist nun wieder so.

Wie viel trägt Leistungs- und Stimmungsaufschwung bei, dass mit Mohamed Zidan ein neuer Leistungsträger für die Offensive verpflichtet wurde?

Mo ist einer, der immer fröhlich in die Kabine kommt und für gute Laune sorgt. Allein das ist schon was wert. Und er hat in Schalke nicht nur mit dem Tor, sondern auch mit der Art, wie er fürs Team gearbeitet hat, bewiesen, dass er uns weiterbringt.

Hatten Sie Bedenken wegen der Vorurteile, dass Zidan ein Paradiesvogel ist?

Ich hatte gar keine Zeit, mir solche Gedanken zu machen. Und es ist definitiv kein Problem. Er kam hier an, und man hatte das Gefühl, dass er hierher gehört, jeden kennt und wieder zu Hause ist.

Neben einer erfolgreichen Rückrunde mit Mainz 05 haben Sie noch ein weiteres großes Ziel: Sie wollen mit Gastgeber Polen an der EM teilnehmen. Ist das zusätzlicher Druck oder zusätzliche Motivation?

Ich habe mir angewöhnt, immer Schritt für Schritt zu denken. Irgendwo im Hinterkopf weiß ich aber natürlich auch, dass wir am 29. Februar gegen Portugal das letzte Testspiel vor der Nominierung haben. Aber das belastet mich nicht.

Hannover 96, der Gegner am Samstag, steht mit acht Punkten mehr auf Platz sieben, der wohl für die Teilnahme an der Europa League reicht. Werden da Sehnsüchte wach, dass sich Mainz mit einem Sieg wieder diesem Ziel nähern könnte?

Wir wären verrückt, wenn wir so denken würden. Wir müssen weiter schön realistisch bleiben und uns auf das nächste Spiel konzentrieren.

Das Gespräch führte Daniel Meuren.

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