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Im Gespräch: Conrad Schumacher : „Ich bin ein anderer Mensch geworden“

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Pferdekenner: Conrad Schumacher beim Gespräch auf dem Neuhof in Dreieich. Bild: Eilmes, Wolfgang

Conrad Schumacher betreibt nicht nur die Gutsschänke Neuhof, sondern hat auch einen Namen als internationaler Trainer von Dressurreitern. Er weiß, dass man Pferden Freude vermitteln und sie verstehen muss.

          Was antworten Sie, wenn Sie nach Ihrem Beruf gefragt werden?

          Ich habe Volkswirtschaft studiert und bezeichne mich als Geschäftsführer der Hofgut Neuhof GmbH und Co KG. Hier geht es um Gastronomie und Immobilienbewirtschaftung, große Teile der Neuhof-Flächen sind ja an den Golf-Club Neuhof e.V. verpachtet. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich mich auch mit Pferden beschäftige. Deshalb vermeide ich eine Berufsangabe, ich könnte mich auch als Reitlehrer bezeichnen.

          Als was fühlen Sie sich mehr: als Unternehmer, als Reiter, als Trainer?

          Eigentlich als Unternehmer, der sein Hobby, die Reiterei, aufgegriffen hat. Sie macht mir Freude, sie nutzt aber auch etwas, indem sie Geld für das Unternehmen bringt. Die Zeiten ändern sich, deshalb habe ich mich entschieden, von jeder Art Monokultur wegzukommen. Es ging mir immer darum, das Gut Neuhof auf drei Beine zu stellen, weil bekanntlich ein Stuhl mit drei Beinen nicht wackelt. Deshalb haben wir drei verschiedene Aktivitäten: Gastronomie, Golfclub und die Reiterei. Alles zusammen ergibt das unternehmerische Konzept.

          Inwieweit trägt die Reiterei zum Gelingen bei?

          Ich unterrichte Dressurreiten, halte Vorträge und organisiere Seminare und Symposien, vornehmlich im Ausland, und bekomme dafür einen ordentlichen Tagessatz. Der fließt als Betriebseinnahme in das Unternehmen, aber die Reiterei ist auch eine Leidenschaft.

          Die Ihnen allerdings nicht an der Wiege gesungen war.

          Na ja, es fing doch schon sehr früh an. Mein Vater, der nach dem Krieg den Neuhof übernahm, war Kavallerieoffizier gewesen und setzte mich schon als Drei- oder Vierjährigen vor sich auf den Sattel. Er ritt jeden Morgen spazieren, manchmal noch im Dunkeln, das war für mich als Junge wirklich ein Erlebnis.

          Hatten Sie keine Angst?

          Vom Vater festgehalten, hat man keine Angst. Ich bekam dann bald ein Pony, auf dem ich nach Herzenslust reiten durfte. Das machte mir so viel Freude, dass mein Vater begann, mich systematisch zum Reiter auszubilden, als ich acht oder neun war. Das deutsche Reitsystem, das einzigartig ist auf der Welt, beruht ja auf der Erfahrung von Tausenden Reitern und Pferden.

          Was ist denn ein Reitsystem?

          Ein Reitsystem zielt darauf, Pferde so auszubilden, dass sie Spitzenleistungen erbringen. Das dauert in der Dressur fünf bis sieben Jahre, um beispielsweise olympiareif zu werden. Das deutsche Reitsystem geht zurück auf die Kavallerie. In anderen Ländern schreiben begabte Reiter ihre persönlichen Erfahrungen auf und geben sie weiter, aber eben nicht in dieser systematischen Form. Das versuche ich in Amerika, England, Irland und Schweden zu vermitteln.

          Haben Sie eine zentrale Botschaft als Trainer?

          Ja, das Pferd soll seine optimale Leistung bringen, aber ohne Druck und ohne Angst. Alles andere ist nichts wert, von der moralischen Seite einmal ganz abgesehen. Ein Pferd, das sich nicht auf der Basis von Vertrauen auf den Reiter einstellt, kann nie Spitzenleistung bringen.

          Wie stellt man dieses Vertrauen her?

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