16.02.2012 · Christine Scheel bleibt im Streit mit Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch hart. Als HSE-Vorstand zurücktreten will sie jedenfalls nicht.
Bereuen Sie, sich am dritten Tag im Amt auf einer Pressekonferenz in scharfen Worten vom Kurs des Hauptaktionärs, also der Stadt Darmstadt, abgesetzt zu haben?
Nein, weil ich lediglich in klarer Sprache die Position des Vorstands und der Arbeitnehmerschaft des Unternehmens vertreten habe. Es geht mir darum, dass die HSE mit einem strategischen Partner an der Seite ihren Nachhaltigkeitskurs fortsetzen kann.
Aber die Frage, wer welche Anteile an einem Unternehmen hält, sollten doch die Anteilseigner unter sich ausmachen - das ist nicht Angelegenheit des Vorstands, nirgendwo im Wirtschaftsleben.
Das ist richtig, aber selbstverständlich hat ein Unternehmen doch ein Interesse daran, dass es Eigentümer bekommt, die eine Weiterentwicklung ermöglichen.
Sie haben schlicht Ihre Kompetenzen überschritten, das Verhältnis zum Rathaus ist praktisch mit Beginn Ihrer Tätigkeit schwer belastet.
Ich bin immer gesprächsbereit. Aber ich sage auch immer klar, welche Position ich habe.
Noch konkreter: Das Verhältnis zwischen dem Vorstandsmitglied Scheel und dem künftigen Aufsichtsratsvorsitzenden Partsch ist zerrüttet.
Wir sind doch beide erwachsene Menschen. Wir sollten jetzt im Sinne des Unternehmens überlegen, was der beste Weg ist.
Sie haben in Ihrer Pressekonferenz nicht nur den Kurs der Stadt kritisiert, sondern auch mit Rücktritt gedroht für den Fall, dass Darmstadt weitere 40 Prozent an der HSE kauft.
Ich bin im Vorstand des Unternehmens für die Nachhaltigkeit zuständig. Ich habe lediglich gesagt, wenn Rahmenbedingungen entstehen, die den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien für die HSE nicht mehr möglich machen, dann stehe ich nicht mehr zur Verfügung. Denn dann fiele ja mein Aufgabenfeld weg.
Aber auch im Rathaus wollen doch alle, dass sich die HSE weiter als Anbieter von Ökostrom ausrichtet. Der Kurs an sich ist doch überhaupt nicht strittig.
Aber warum kauft die Stadt weitere 40 Prozent an der HSE, wenn es zugleich heißt, diese Anteile könnten gern weiterverkauft werden? Warum dieser Umweg?
War es klug, mit Rücktritt zu drohen?
Dazu stehe ich. Es muss doch möglich sein, zu sagen, dass ich nicht zur Verfügung stehe, wenn es für das Unternehmen ein Finanzierungsmodell gibt, bei dem man sich Sorgen machen muss, wie es weitergeht.
Ist der Kauf der Anteile von 40 Prozent ein solches Modell?
Mir ist nicht klar, was die Stadt mit dem Unternehmen vorhat. Auch der Vorstand ist der Ansicht, dass andere Kommunen beteiligt werden sollen. Aber dafür ist es doch nicht notwendig, dass die Stadt zuerst dieses Aktienpaket kauft. Zudem basiert das gesamte Geschäft auf Berechnungen, über die mit dem Vorstand nicht geredet worden ist. Das Unternehmen erwirtschaftet mehr als die Hälfte seiner Umsätze in ungeregelten Märkten. Wie kann man dann im Rathaus annehmen, dass sich die Kredite über drei Jahrzehnte mit Erträgen der HSE finanzieren lassen? Es ist ein massiv riskantes Modell.
Welchen Vorteil hätte es, wenn EnBW als strategischer Partner einstiege?
Auch EnBW wird sich stärker ökologisch ausrichten. Warum soll das nicht ein starker Partner für die HSE sein?
Hat der Vorstand Gespräche mit EnBW geführt?
Es gab keine offiziellen Gespräche.
Aber Sie favorisieren einen Einstieg von EnBW?
Wir sind im Vergleich der Energieversorger weit vorne, was die ökologische Ausrichtung angeht. Es geht darum, ob EnBW signalisiert, dass man in die gleiche Richtung geht.
Man hört, Grüne aus Baden-Württemberg hätten sich dafür eingesetzt, dass Sie HSE-Vorstand werden, um den Boden für eine solche Verbindung zu bereiten.
Für die Suche nach einem neuen Vorstandsmitglied für die HSE war eine Findungskommission eingesetzt, der keine Grünen aus Baden-Württemberg angehörten. Aber es ist ja kein Geheimnis, dass sich Grüne freuen, wenn jemand aus ihrer Partei, der Erfahrung hat mit Wirtschaft und Energiepolitik, eine solche Position übernimmt.
Also noch einmal: Der gegenwärtige Konflikt ist für Sie kein Grund, das Handtuch zu werfen?
Ich sehe dafür keinen Anlass. Der Vorstand ist gesprächsbereit, wie das Unternehmen eine vernünftige Entwicklung nehmen kann. Über Inhalte ist zwischen der Stadt und der HSE noch überhaupt nicht geredet worden.
Haben Sie seit der Entscheidung am Montag, die Stadt werde das 40-Prozent-Paket kaufen, mit Herrn Partsch gesprochen?
Nein. Wir haben vor dieser Entscheidung zweimal im Rathaus geredet. Da habe ich die Haltung des Vorstands deutlich gemacht.
Die Fragen stellte Manfred Köhler.