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Im Gespräch: Christian Grzimek : „Muss der Junge denn das Teuerste haben?“

  • Aktualisiert am

Christian Grzimek freut sich auf den Film über das Leben seines Großvaters mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle. Den Trailer hat er schon gesehen. Bild: Frank Röth

Eine „pädagogische Großbegabung“ sei Bernhard Grzimek gewiss nicht gewesen, sagt sein Enkel Christian. Aber die beiden verstanden sich gut. Schon als Junge durfte er den Großvater nach Afrika begleiten.

          Die Lebensgeschichte Ihres Großvaters Bernhard Grzimek in der Produktion von Nico Hofmann und mit Ulrich Tukur als Hauptdarsteller wird jetzt verfilmt. Finden Sie das gut?

          Ja, ich freue mich auf das Ergebnis. Der Trailer, den ich gesehen habe, gefällt mir sehr. Natürlich ist uns allen in der Familie klar, dass solche Filme ihren eigenen Gesetzen gehorchen und nicht die Wirklichkeit komplett nachbilden können.

          Wenn die Menschen Ihren Namen hören, werden Sie dann noch auf Ihren Großvater angesprochen?

          Ja, von den Älteren fast immer. Bei denen unter dreißig lässt es deutlich nach.

          Lassen Sie uns zur besseren Orientierung noch einmal Ihre Familienverhältnisse sortieren. Ihr Vater Michael, der Sohn Bernhard Grzimeks, kam 1959 bei einem Flugzeugunglück ums Leben, bei den Drehaufnahmen des Films „Serengeti darf nicht sterben“. Da waren Sie noch im Mutterleib.

          Mein Großvater heiratete später seine Schwiegertochter, also meine Mutter. Er adoptierte meinen Bruder und mich.

          Seine Enkel wurden seine Söhne. Wie haben Sie Ihren Großvater angeredet?

          Ich habe ihn erst Großvater genannt und später, als ich größer war, mit dem Vornamen angeredet.

          Das Verhältnis zwischen Ihrer Mutter und Ihrem Großvater war keine Sache der Versorgung oder der Vernunft, sondern es entwickelte sich nach dem Tod Ihres Vaters zwischen den beiden eine Liebesbeziehung?

          So war es. Sie haben es lange geheim zu halten versucht, sind zum Beispiel immer mit unterschiedlichen Maschinen geflogen. Man muss das aus der Zeit heraus verstehen. Bernhard Grzimek war ein Fernsehstar, die erste Sendung von „Ein Platz für Tiere“ wurde 1956 ausgestrahlt. Eine öffentlich gewordene Liebesbeziehung wäre ein Skandal gewesen.

          Sie haben sich gut mit Bernhard Grzimek verstanden?

          Ja. Was wahrscheinlich daran lag, dass er - wie schon mit meinem Vater - mit mir etwas anfangen konnte, dass wir gemeinsame Interessen teilten.

          War er für Sie mehr der Vater oder der Großvater?

          Beides. Mir war bewusst, dass er der Großvater war. Aber dadurch, dass ich ihn jeden Tag um mich hatte, war er irgendwo auch der Vater.

          Ihr Großvater hatte ja neben zwei unehelichen Kindern zwei eheliche Söhne, nämlich Ihren Vater Michael und dessen älteren Bruder Rochus, mit dem er sich aber nicht gut verstand.

          Bernhard Grzimek hat meinem Vater den Vorzug gegeben, weil sich Michael sehr für Tiere interessierte, ihn mit sechzehn Jahren zum ersten Mal nach Afrika begleitete und danach bald sehr intensiv mit seinem Vater zusammenarbeitete. Es war ja später auch Michaels Idee, die Tiere in Afrika bei ihren Wanderungen aus dem Flugzeug heraus zu filmen und seine Forschungsarbeit über dieses Thema zu schreiben. Mein Vater wurde auch bei der Arbeit zu einer Art Antriebskraft.

          Ihre Großeltern hatten noch einen Adoptivsohn namens Thomas. Im Film wird gezeigt, dass Bernhard Grzimek mit ihm nicht so liebevoll umging. Entsprach das der Wirklichkeit?

          Thomas zu adoptieren, der das Kind einer Deutschen und eines farbigen amerikanischen Soldaten war, kam auf, nachdem meine Großeltern im Kino den Film „Toxi“ gesehen hatten. Der thematisierte auf rührende Weise das Schicksal dieser Kinder, und vor allem meine Großmutter hatte den Impuls, einem dieser Kinder, die es damals wirklich schwer hatten, zu helfen. In der Tat war Bernhard Grzimek jetzt sicherlich keine pädagogische Großbegabung und konnte überdies mit kleineren Kindern relativ wenig anfangen.

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