Was bedeutet die Wettspielreform 2013 des Deutschen Golfverbands für Ihren Klub?
Vor allem den Abschied von alten Traditionen wie dem einwöchigen Mannschaftsevent um die deutsche Meisterschaft und dem Ligasystem auf Hessenebene. In Zukunft gibt es ein bundesweites Ligasystem, in dem man sich mindestens fünfmal im Jahr mit den Topmannschaften der Republik misst. So entsteht ein sehr viel breiter über die Saison aufgestellter höherer Konkurrenzdruck. Dieser wird sich natürlich beim Kader und im Training bemerkbar machen.
Muss Frankfurt, das 2011 Meisterschaftsdritter wurde, mehr Spieler an sich binden?
Mit einem einfachen Ja kann ich das nicht sagen. Wir brauchen fünfmal im Jahr höchste Präsenz - sowohl in der Breite als auch bei der spielerischen Qualität. Das kann mit einem schlanken Kader dargestellt werden, wenn alle immer da sind. Grundsätzlich müssen wir über einen längeren Spannungsbogen hinweg mit hoher Spielerqualität antreten können. Das mag dann dazu führen, dass wir ein oder zwei Spieler mehr haben.
Ist Frankfurt für die neuen Anforderungen gerüstet?
Unser Klub müsste sich dieses Jahr ganz schön biegen. Aber das ist normal. Es erfolgt ein weiterer Schritt in Richtung Professionalisierung dieses Sports. Insofern werden sich mehr Spieler durchsetzen, die sich zu diesem Sport bekennen. Dadurch, dass wir durch unsere gute Jugendarbeit immer wieder Nachschub für die Herrenmannschaft produzieren, ist mir nicht bange vor der Zukunft. Wir lieben die gesunde Mischung aus eigenem Nachwuchs und Zugängen von außen. Wir sind ein attraktiver Standort.
Ihr Sohn Anton Kirstein ist in diesem Jahr Profi geworden. Von 2013 an darf pro Mannschaft ein Jungprofi mitspielen. Wird das Anton sein?
Es wäre zu früh, heute über die Aufstellung des kommenden Jahres zu sprechen. Aber mein Sohn ist ein Kandidat.
Sind Sie ein Befürworter der Wettspielreform?
Ich finde Fortentwicklung wichtig und richtig - auch wenn man sich eventuell daran reibt. Ich glaube, dass die Reform eine größere Breite in Deutschland schaffen wird. Ob es der Weisheit letzter Schluss ist? Wenn ich es richtig verstehe und die Kommentare aus den Verbänden richtig deute, ist dieses System im Fluss. Man schaut sehr aufmerksam darauf, ob man es nach dem Start eventuell weiterentwickeln kann. Insofern gilt, keine Angst vor dem Neuen zu haben.
Was hätte man besser machen können?
Durch im Minimum fünf Termine wird ein wesentlicher Teil der Saison abgedeckt. Das bedeutet, dass es Kollisionen vor allem mit Auslandsterminen geben wird. Ein Knackpunkt, mit dem sich dieses System zu messen hat, wird sein, ob man vernünftige Termine in Deutschland findet, die nicht mit den tragenden Säulen der großen Golfwelt wie den British oder French Amateur-Turnieren kollidieren. In diesem Fall könnte die Bundesliga zu bestimmten Spielterminen an Qualität und Attraktivität verlieren. Ich betrachte das aber nicht als Schwachpunkt, sondern als Herausforderung.
Werden die Amateure durch das bundesweite Ligasystem besser?
Für die nachrückenden Spieler steckt eine hohe Attraktivität in diesem Ligasystem. Auf dieser Plattform können sie sich darstellen und für die Einzelmeisterschaften qualifizieren. Das gilt für die Herren und Damen. Gerade der Damenbereich kann vielleicht davon mittelfristig noch stärker profitieren. Dieses System bietet sehr viele Chancen.
Als Titelverteidiger ist Frankfurt mit zwei Siegen gegen Kiawah und Neuhof am vergangenen Wochenende in die Hessenliga gestartet. Zum letzten Mal in dieser Form.
Ja, aus terminlichen Gründen wird die Hessenliga eingestellt. Aber sie wird einen Nachfolger und Vorgänger haben. Denn wie vor zwanzig Jahren wird die Hessenliga zu einer hessischen Mannschaftsmeisterschaft, die an einem Wochenende ausgespielt wird. Die Hessen freuen sich darauf, dass der Wettbewerb nicht völlig zum Erliegen kommt.
Die Fragen stellte Jörg Daniels.

