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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 26.02.2013, 18:50 Uhr

Im Gespräch: Bernd Roser vom Grünflächenamt „Wir beeilen uns, die Bäume vor der Brutzeit zu fällen“

Im Augenblick meldet die Stadt fast täglich, wo sie Bäume fällt: Die einen drohen umzufallen, andere müssen neuen Planungen weichen. Bernd Roser erläutert, warum die Stadt unter Zeitdruck ist.

© Sick, Cornelia Schon lange da: In Frankfurt gibt es immer wieder Protest gegen Baumfällungen.

Allein in den vergangenen Tagen hieß es, im Botanischen Garten müssten vier, auf der Maininsel zwei und am Atzelbergplatz in Seckbach 20 Bäume abgeholzt werden. Woher kommt diese Häufung?

Wir kontrollieren das ganze Jahr den städtischen Bestand, damit kein Baum einfach umfällt oder Äste herunterbrechen und jemanden verletzen. Wenn die Fachleute bemerken, dass ein Baum etwa durch einen Pilz richtig geschädigt oder abgestorben ist, also nicht mehr zu retten ist, dann fällen wir ihn. Auf dem Atzelbergplatz werden die Bäume dagegen im Zuge der Umgestaltung des Platzes gerodet, und die ist mit den Bürgern abgestimmt.

Aber warum sind es derzeit so viele?

Wir beeilen uns im Moment, weil von Anfang März bis Ende September die Vogelbrutzeit ist. Und in der Zeit wollen wir so wenig wie möglich fällen. Wir kommen nicht umhin, auch im Frühling und in den Sommermonaten die Säge anzusetzen, aber wir wollen das so wenig wie möglich machen.

Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet, Bäume und Hecken zwischen dem 1.März und dem 30.September zu schneiden und zu fällen.

Das Gesetz gibt uns praktisch ein Schnitt- und Fällverbot für diese Monate vor. Übrigens nicht nur uns, sondern auch jedem Gartenbesitzer. Aber wir als Stadt können, wenn wir merken, dass ein Baum wackelt, ihn nicht einfach stehen lassen und nichts tun. Wenn wir nach dem 1.März fällen, müssen wir, wie sonst auch, den Artenschutz beachten. Das heißt, bevor ein Baum gefällt wird, muss man schauen, ob dort nicht Tiere leben. Das können Fledermäuse sein, die Baumhöhlen bewohnen, oder wir entdecken Vogelnester. Die gibt es vor allem in der Zeit von Anfang März bis Ende September, und deshalb beeilen wir uns derzeit so.

Pflanzen Sie alle Bäume nach?

Straßenbäumen pflanzen wir eins zu eins nach. Wir haben in Frankfurt rund 45.000 Straßenbäume, und so viele bleiben es auch. Im Grunde werden es sogar mehr. Wenn Straßen erneuert werden, versucht die Stadt mittlerweile so viele Bäume wie möglich zu pflanzen, auch in Straßen, die bisher gar keine oder wenige Bäume hatten. Und in Grünanlagen schauen wir uns das Umfeld genau an. Wenn ohnehin ein dichter Baumbestand da ist, pflanzen wird nicht nach, wenn der junge Baum keine Chance hätte.

Die Freien Wähler im Römer fordern, Bäume, die gesund sind und anderen Planungen im Weg sind, künftig umzupflanzen, statt sie abzuholzen.

Umpflanzen ist kein einfaches Thema. Ein Baum, der über Jahre an einem Standort stand, der lässt sich nicht mehr verpflanzen. Im Gegensatz zu einem Baum aus der Baumschule, der möglicherweise sogar genauso alt ist. Der wird in der Baumschule regelmäßig umstochen, also auf das Verpflanzen vorbereitet, seine Wurzeln breiten sich nicht in der Fläche aus, sondern bilden einen Ballen.

Im Europaviertel sollen aber fast 300 Straßenbäume umgepflanzt werden.

In der Europa-Allee ist es relativ unproblematisch, weil die Bäume noch jung sind. Doch generell gilt, dass das Umpflanzen immer ein Risiko in sich birgt, wir Fachleute nennen das den „Verpflanzungsschock“.

Man sollte also wenn möglich nicht umpflanzen?

Man kann jedenfalls nicht sagen, umpflanzen ist grundsätzlich besser, als neu zu pflanzen. Das wäre falsch. Wenn ein Baum 50 Jahre an einer Straße stand, dann ist es extrem unwahrscheinlich, dass er erfolgreich versetzt werden kann. Die Aktion ist teuer und aller Erfahrung nach wenig erfolgreich.

Hat man sich bisher nicht aus Kostengründen immer fürs Fällen entschieden?

Nein. In aller Regel sprechen die fachlichen Argumente dafür, einen Baum neu zu pflanzen, statt einen alten zu versetzen.

Das Fällen geht also weiter?

Das Fällen geht allein deshalb schon weiter, weil unsere Baumkontrolleure uns warnen, wenn ein Baum umzustürzen droht. Dann wird gehandelt. Das ist keine Beschäftigungstherapie, sondern eine fachliche Notwendigkeit.

Aber es wird in den nächsten Wochen wegen der Vogelbrutzeit weniger?

Ja, es hört nicht auf, aber es sollte weniger werden. Insgesamt klingt es immer so, als ob wir ganz viele Bäume fällen. Es sind im Schnitt 800 bis 1000 Stück im Jahr. Gemessen an der Zahl der Bäume, die wir an den Straßen und in den Grünanlage in Frankfurt zu pflegen haben, fällen wir durchschnittlich jedes Jahr 0,5 bis 0,6 Prozent unseres Baumbestandes. Und das geschieht nur aus Gründen der Verkehrssicherheit, also damit niemand zu Schaden kommt. Das ist nicht viel, oder?

Die Fragen stellte Mechthild Harting.

Quelle: F.A.Z.

 

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