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Im Gespräch: Antje Gahl „Wir empfehlen vegane Ernährung nicht“

In Frankfurt hat nun ein Laden für Veganer eröffnet. Im Gespräch äußert sich Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung über Vor- und Nachteile des Verzichts auf Tierprodukte.

© dpa Vergrößern Skeptisch zu veganer Ernährung: Antje Gahl, Gesellschaft für Ernährung

In Frankfurt hat gerade ein Supermarkt für Veganer eröffnet. Wie viele Menschen in Deutschland verzichten komplett auf tierische Produkte? ANTWORT:

Es gibt dazu nur Schätzungen des Vegetarier Bundes Deutschland. Danach leben hierzulande 600 000 Menschen vegan, vermutlich mit steigender Tendenz, denn das Thema ist gerade en vogue.

Keine Milch, kein Käse, keine Eier - leben Veganer eigentlich gesund?

Bei einer ausgewogenen Zusammenstellung der Lebensmittel halten wir es durchaus für machbar, dass sich ein Erwachsener dauerhaft gesund ernähren kann. Wir empfehlen es aber nicht.

Was empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung?

Wir empfehlen eine ausgewogene Mischkost.

Mit Fleisch?

Ja, mit 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst in der Woche. Dazu zählt also auch die Salami-Scheibe auf dem Brot.

Welche Personen sollten sich nicht vegan ernähren?

Allen Frauen, die schwanger sind oder stillen, raten wir wegen des erhöhten Nährstoffbedarfs vorsichtshalber ab. Auch bei Säuglingen und Kleinkindern halten wir eine ausreichende Versorgung, etwa mit Eisen und Vitamin B 12, bei einer veganen Ernährung nach der derzeitigen Sachlage für kaum sichergestellt.

Sehen Sie grundsätzlich kritische Punkte bei der veganen Ernährung?

Ja. Vitamin B 12 vor allem gehört zu den kritischen Nährstoffen, weil es fast ausschließlich in tierischen Produkten vorkommt.

Was ist mit Kalzium?

Auch Kalzium kann bei Verzicht auf Käse und Milch ein Problem sein, wenn zum Ausgleich nicht genügend Broccoli, Mandeln oder Spinat verzehrt werden. Grundsätzlich gilt: Je einseitiger die vegane Ernährung, desto größer die Gefahr der Unterversorgung.

Der Vegetarier Bund empfiehlt Veganern, den Vitamin-B12-Status regelmäßig vom Hausarzt überprüfen zu lassen und gegebenenfalls mit Nahrungsergänzungsmitteln nachzuhelfen. Ist das im Sinne einer guten Ernährung?

Nahrungsergänzungsmittel gehören in der Tat nicht zu unseren Grundregeln und Empfehlungen. Allerdings wird man das Fehlen dieses Vitamins, das etwa in geringen Mengen nur in Sauerkraut und Algen vorkommt, ohne Ersatz in der Regel nicht ausgleichen können.

Lebt grundsätzlich gesünder, wer auf Fleisch verzichtet?

Dazu gibt es eine Reihe von Untersuchungen, die unter dem Strich alle belegen, dass Vegetarier, zu deren Ernährung auch Milch und Käse gehören, gesünder sind. Sie leiden seltener an Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhtem Cholesterin. Das Risiko, an Altersdiabetes, Gicht und Krebs zu erkranken, ist geringer. Das gilt auch für Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Die Fragen stellte Petra Kirchhoff.

Quelle: F.A.Z.

 
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