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Im Atelier von Markus Ebner : Eine Kopie ist eine Kopie ist eine Kopie

Künstlerische Befreiung : Markus Ebner in seinem Frankfurter Atelier. Bild: Helmut Fricke

Seit Jahren malt Markus Ebner die Bilder seines einstigen Lehrers Günter Fruhtrunk so exakt wie möglich nach. Erst in den jüngsten Arbeiten wagt er sich an neue Farbakkorde. Ein Atelierbesuch.

          Als das Frankfurter Museum für Moderne Kunst Elaine Sturtevant vor ein paar Jahren eine große Werkschau widmete, löste das noch eine ganze Reihe empörter Reaktionen aus. Denn was sollte wohl daran bitte schön Kunst sein, große Kunst sogar, wenn die amerikanische Künstlerin ein bleiernes Kampfflugzeug von Anselm Kiefer, Jasper Johns’ Flaggen-Bilder oder Andy Warhols „Flowers“, Ikonen der jüngeren und jüngsten Kunstgeschichte, seit den frühen sechziger Jahren mit einer Akribie und Konsequenz bis ins Detail gleichsam noch einmal schuf, die selbst die Urheber der „Originale“ nachhaltig zu verblüffen vermochte? Und überhaupt was sollte das, warum machte die amerikanische Künstlerin so etwas überhaupt?

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das könnte man derweil auch Markus Ebner fragen, und doch ist im Fall des in Frankfurt lebenden Malers manches anders. Weniger, weil er mit dieser Form der Aneignung schon begonnen hatte, bevor Sturtevant in Europa einem breiten Publikum bekannt geworden ist. Oder weil er sich im Gegensatz zu der im vergangenen Jahr gestorbenen Konzeptkünstlerin ausschließlich auf das Werk von Günter Fruhtrunk (1923-1982) konzentriert. Vor allem ist sein Nachvollzug von dessen konstruktiv-konkreter Malerei wesentlich autobiographisch begründet. Schließlich hat Ebner in München und in der Klasse Fruhtrunk studiert. „Man ist da reingekommen und wurde sofort radikalisiert“, schwärmt er bis heute. „Das war ungeheuer befreiend.“

          Sein Lehrer nahm sich das Leben

          Damals malte der aus Regensburg stammende Ebner monochrome, vertikal organisierte Streifenbilder. Dann, nach drei Semestern, nahm sich Fruhtrunk in seinem Atelier an der Akademie das Leben. Und Ebner stand gleichsam über Nacht erst einmal ohne Lehrer da. Immerhin, er blieb in München, doch nach seinem Abschluss als Meisterschüler bei Helmut Sturm wandte sich der 1962 geborene Künstler eine Weile von der Malerei ab und der Fotografie zu. Zunächst waren Kirchen, Lettner, Sprungtürme seine bevorzugten Motive, „so formalistische Sachen halt“, dann die Gräber der Heroen der letzten Avantgarden, von Duchamp, Le Corbusier, Adorno auch oder eben Fruhtrunk. Jene Werkgruppe mithin, mit der er sich, seinerzeit noch in Berlin, erstmals in der Galerie Jacky Strenz vorstellte, die Ebner seither vertritt.

          Doch plötzlich war sein Werk wieder ein gänzlich anderes. „Ich weiß selbst nicht, wie ich dazu gekommen bin“, sagt er im Hinblick auf die Entscheidung, sein eigenes künstlerisches Schaffen fortan dem Werk seines Lehrers zu widmen. „Vielleicht“, überlegt Ebner jetzt in seinem Atelier, „konnte ich mich nur von ihm lösen, indem ich mich ihm zuwandte.“ Radikal und voll und ganz. Und ohne Kompromisse. Seither hat er Bild um Bild, Werkgruppe um Werkgruppe des Lehrers so exakt wie möglich nachgemalt und mehrfach auch in Frankfurt ausgestellt und ist dafür mitunter heftig angegriffen worden. Er studierte Farben, Formen, Materialien, erprobte Strich und Technik, Leinwände, Keil- und neuerdings auch Alurahmen und keineswegs zuletzt den „leisen Hauch von Schlampigkeit“ im Farbauftrag des Meisters, der, so Ebner, doch erst „das große Können“ Fruhtrunks dokumentiere.

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