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Galopprennbahn Frankfurt : Lieber Huthpark als Mainufer

Letzte Runde: Wo Golfer heute noch den perfekten Schwung proben, soll bald ein Bürgerpark entstehen. Bild: Max Kesberger

Die Bürger haben sehr konkrete Vorstellungen von dem Park, der auf dem Rennbahn-Gelände entstehen soll. Doch viele Wünsche dürften am Geld scheitern.

          Ein ruhiger Park ohne Grillplätze, mit Wildblumenwiesen, einem Café und einer kleinen Farm, auf der die Stadtkinder Tiere und Pflanzen kennenlernen können, sowie einem Kletterpark zwischen Bäumen und Fitnessgeräten: das sind einige der Vorschläge, die rund 100 Bürger zu Beginn des Beteiligungsverfahrens für den künftigen „Bürgerpark Süd“ geäußert haben. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) hatte eingeladen und damit das Versprechen eingelöst, den nördlichen Teil des bisherigen Rennbahngeländes mit Hilfe der Bürger zu einem Park zu gestalten. Im südlichen Teil wird das Leistungszentrum des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) entstehen, wie im ersten Frankfurter Bürgerentscheid im Juni bestätigt wurde.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Befürchtungen, die Gegner der DFB-Akademie könnten die Veranstaltung sprengen, erfüllten sich nicht. Es zeigte sich schnell, dass die Mehrheit an der Gestaltung des neuen Parks mitwirken wollte. Allerdings meldeten einige Bedenken an, ob die Stadt am Ende tatsächlich ihre Wünsche realisieren werde. Unter Hinweis auf fehlende Mittel seien die Ergebnisse so mancher Bürgerbefragung schon in Schubladen verschwunden.

          Keinen zweiter Hafenpark

          Dass ein großer Park neu entstehe, „das ist einmalig“, sagte Heilig zu Beginn. Die Errichtung der DFB-Akademie mache es möglich, dass die Frankfurter 18 Hektar als öffentliche Grünanlage gewönnen, eine Fläche, die bisher dem Galoppsport und den Golfern vorbehalten war. Allerdings gibt es für das Areal Einschränkungen: Die Hälfte der Fläche, also neun Hektar, ist als Bannwald vor Rodung geschützt. Auf den verbleibenden neun Hektar gibt es vier Flächen, auf denen die unter Naturschutz stehende Sandgrasnelke gedeiht.

          „Das Gelände kann kein zweiter Hafenpark mit vielen versiegelten Flächen werden“, sagte Heilig. Man solle sich eher am Lohrpark oder am früheren Bundesgartenschaugelände, dem Niddapark, orientieren. Es gebe auch finanzielle Einschränkungen, sagte Heilig. Doch auf die wiederholte Nachfrage, wie viel Geld zur Verfügung stehe, antwortete die Grünen-Politikerin ausweichend. In welcher Größenordnung DFB und Stadt in den Park investieren könnten, sei noch nicht bekannt. Auf den Zwischenruf, dem Grünflächenamt fehle es doch jetzt schon an Geld, um die Parks ordentlich zu pflegen, sagte Heilig, der Mangel sei im Magistrat bekannt, es werde künftig mehr Geld bereitgestellt. Heilig nannte die Zahl von zwei Millionen Euro. Der Park selbst werde vermutlich rund 100.000 Euro an Pflegekosten verursachen.

          Ausgleich für die DFB-Akademie

          Die Stadt hat das Ziel, den Bau der DFB-Akademie auszugleichen, sagte Volker Rothenburger von der Unteren Naturschutzbehörde. Doch wie viel Ausgleich für die Bauten und Wege des DFB-Leistungszentrums erforderlich sei, das wisse man derzeit noch nicht. Es liege ja noch keine detaillierte Planung vor. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, sagte Rothenberger. Die zuständigen Behörden gingen allerdings davon aus, dass es im künftigen Bürgerpark ausreichend Potential gebe, um die DFB-Akademie auszugleichen.

          Ein Ausgleich könne etwa durch die ökologische Aufwertung des Bannwaldes erfolgen, indem man die forstliche Nutzung des Waldes aufgebe oder fremde Bäume wie die Traubenkirsche durch heimische Arten ersetze. Als Ausgleich könnten auch die Ausweitung der Sandmagerrasenflächen zählen und der Abbau der bisher intensiv genutzten Flächen durch die Golfer. Vermutlich würden die Abschlagsflächen und die Golfplatz-Bunker zu einer ökologisch wertvolleren Wiese zurückgebaut.

          Neue Flächen für Grüngürtel

          Die Sorge einiger Bürger, es bleibe neben dem Bannwald und den Sandmagerrasenflächen für den eigentlichen Park nicht ausreichend Platz, wies Rothenburger zurück. Es werde nichts eingezäunt.

          Außer dem naturschutzrechtlichen Ausgleich muss das Umweltamt nach der Grüngürtel-Verfassung für das DFB-Leistungszentrum in gleichem Umfang neue Flächen als Grüngürtel ausweisen. Denn das Rennbahn-Gelände liegt im Grüngürtel. Auf den Hinweis einiger Niederräder, man werde doch hoffentlich nicht neue Grüngürtel-Flächen im Norden der Stadt ausweisen oder sonst irgendwo, sagte Rothenburger, dass das Umweltamt gerade dabei sei, Flächen in Niederrad zu finden. Er wies dabei auf den zwischen Rennbahn-Gelände und Mainufer liegenden Elli-Lucht-Park hin, der zum Grüngürtel werden könne.

          Bürger möchten keine „Party-Area“

          Eine gute Anbindung des neuen Parks zum Main hin, aber auch nach Niederrad und möglicherweise mit einer Brücke über die Kennedy-Allee auch nach Sachsenhausen sind Wünsche, die die Bürger wiederholt äußerten. Sie waren an vier Themenstationen aufgefordert worden, ihre Wünsche und Ideen einzubringen. Immer wieder wurde vorgetragen, dass man keine „Party-Area“ haben wolle. Man wolle eher den Charme und Charakter des Huthparks denn den des Mainufers. Mehrfach wurde ein absolutes Grill-Verbot für den neuen Bürgerpark gefordert. Ein Teilnehmer riet, keine Parkplätze zu schaffen, um das Anliefern für größere Grillgelage zu unterbinden.

          Als nächsten Schritt der Bürgerbeteiligung ist für Ende Oktober, Anfang November ein Ortstermin auf der Rennbahn geplant. Anfang Dezember sollen dann themenbezogene Workshops stattfinden.

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