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Filmkomponist Hans Zimmer : „Ich kann nichts anderes“

Frankfurter Weltstar der Filmmusik: Hans Zimmer mit Band Bild: dpa

Der gebürtige Frankfurter Hans Zimmer ist einer der erfolgreichsten Filmkomponisten in Hollywood. Bald führt er seine Musik mit Band und Orchester in europäischen Stadien auf.

          Das Reich der Klangwelten ist ein unscheinbarer Zweckbau in Santa Monica in Kalifornien. Von der überwältigenden Kraft, die diese Klänge in den Kinosälen dieser Welt entwickeln, ist rund um die Remote Control Studios nichts zu spüren. Auch Hollywood scheint weit, obwohl es nur wenige Meilen Entfernung zur Glitzerwelt der Stars sind, von denen einige durchaus regelmäßig das anthrazitfarbene Gebäude in der Fourteenth Street besuchen. Sie wollen zu Hans Zimmer, dem aus Frankfurt stammenden Filmkomponisten, dessen Klänge, Sounds und Melodien in gefühlt jedem dritten Blockbuster der vergangenen dreißig Jahre zu hören sind.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wer sich auf die Lauer legen wollte, könnte vielleicht den von den neuen „Batman“-Filmen oder „Inception“ bekannten Regisseur Christopher Nolan sehen. Zimmer komponiert derzeit noch an der Musik für Nolans neuen Film „Dunkirk“, ein Actiondrama, das im Zweiten Weltkrieg spielt. Oder er könnte Pharrell Williams erspähen, mit dem Zimmer unter anderem für den Film „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“ zusammengearbeitet hat. Vielleicht würde auch Adele vorbeischauen und, mit einiger Gewissheit, Johnny Marr, einst Gitarrist bei der britischen Indie-Rock-Legende The Smiths. Allerdings legt sich in der ruhigen Straße niemand auf die Lauer.

          Ins Studio verirrt sich kein Tourist

          Der weltberühmte Strand von Santa Monica mit seinem auf einem Pier gelegenen Vergnügungspark und seinen Besuchermassen ist zwar nur einen vielleicht zwanzig Minuten dauernden Spaziergang entfernt, aber Touristen verirren sich nicht bis zu Zimmers Studio. Und falls doch, würde sie der höfliche Wachdienst darauf hinweisen, dass dies kein öffentliches Gebäude ist. Wenn hier trotzdem einiges Gewusel herrscht, ist das mit der Größe des Unternehmens Remote Control Productions zu erklären. Etwa 70 Mitarbeiter sind für die Firma tätig: Techniker, Arrangeure, Komponisten, Musiker, die gemeinsam mit Zimmer an den Musiken für Filme tüfteln. Viel Zeit haben sie für die einzelnen Aufträge nicht. Vier bis acht Wochen räumen die großen Hollywoodstudios den Komponisten meist nur ein. Für einen einzelnen Musiker ist das nicht zu schaffen, daher die großen Teams. Die arbeiten im Fall von Hans Zimmer dazu noch wie am Fließband. An die dreißig Scores komponiert seine Firma - jedes Jahr.

          Da trifft es sich gut, dass der Chef selbst ein fanatischer Arbeiter ist. Bis zu zwanzig Stunden am Tag hockt Zimmer im Studio und feilt an Melodien und großen Klangbögen. Die Liebe zur Musik ist dem 59 Jahre alten Komponisten darüber nicht verlorengegangen. „Schon als Kind habe ich im Kopf Bilder mit Musik unterlegt und mich in Klangwelten bewegt“, sagt er. Seinen Lehrern gefallen diese Traumreisen weniger. Der am 12. September 1957 in Frankfurt geborene und in Königstein-Falkenstein aufgewachsene Zimmer fliegt von insgesamt sieben Schulen in Deutschland, bis es seiner Mutter (der Vater ist früh gestorben) zu viel wird. Sie schickt ihn auf ein Internat nach England, wo es ihm doch noch gelingt, das Abitur abzulegen, er aber auch seine Liebe zur Musik ausleben kann und Synthesizer in verschiedenen Bands spielt. Ein Musikstudium beginnt er allerdings nicht, sondern schlägt sich in London als Komponist von Werbe-Jingles durch.

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