13.02.2012 · Rund ein Jahr nach dem Hygiene-Skandal am Fuldaer Klinikum sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Nur die Kosten stehen schon fest: zwölf Millionen Euro.
Es war eine der schwersten Krisen in der Geschichte des Klinikums Fulda. 2011 kam das Haus wegen haarsträubender Hygiene-Mängel in die Schlagzeilen. Laut Klinikum wurde im Frühjahr 2011 rund ein Dutzend Patienten mit nicht korrekt gereinigtem OP-Besteck behandelt. Gut ein Jahr danach ist das Kapitel noch nicht abgeschlossen, viele Fragen sind noch unbeantwortet. Wer hat Schuld? Wer ist für die schweren Fehler in der Abteilung zur Reinigung der OP-Instrumente verantwortlich? Das Wort „Sabotage“ geistert immer noch durch die Klinik.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen 19Mitarbeiter des Klinikums stehen vor dem Abschluss, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Unterdessen belastet ein Service-Dienstleister das kommunale Großkrankenhaus. Die schweren Hygiene-Mängel in der wichtigen Abteilung seien hausgemacht gewesen. Es habe viel zu wenig Personal dort gegeben, als der später zurückgetretene Vorstandschef Harald Jeguschke noch das Sagen gehabt habe.
Seit den erstmals im Januar 2011 eingeräumten und Ende März 2011 abermals aufgetauchten Hygiene-Mängeln betreibt nach Empfehlung des Gesundheitsamtes der externe Dienstleister Orgamed die ZSVA, die Zentralsterilisations-Versorgungsabteilung. Bei der Übernahme wurden sieben Mitarbeiter zusätzlich eingestellt, nachdem eine deutliche Personalüberlastung beobachtet worden war; die Abläufe seien dadurch fehleranfällig gewesen, sagte der Technische Leiter Thomas Kronforth. So waren an den zum Einsatz freigegebenen Scheren und Tupfern sogar Blutreste nicht beseitigt worden.
Der Dienstleister, der in 14 deutschen Krankenhäusern die ZSVA betreibt, ist noch bis Ende Februar 2013 verantwortlich für die Abteilung im Klinikum. In diesem Jahr wird noch entschieden, ob das Krankenhaus diese Aufgabe danach wieder selbst übernehmen darf. Das Klinikum hat nach seinen Angaben alles dafür getan, damit sich solch ein Skandal nicht wiederholt. Es werde mit am besten kontrolliert. Seither habe es auch keine größeren Beanstandungen gegeben, teilt die Krankenhaus-Leitung mit.
Das Klinikum habe für mehr als fünf Millionen Euro eine neue ZSVA nach dem Stand der Technik eingebaut, sagte Vorstandssprecher Thomas Menzel, der seit Mai im Amt ist. Die Abteilung ist seit Ende 2011 voll in Betrieb. Zudem seien die Mitarbeiter intensiv geschult, eine neue, hochqualifizierte Krankenhaus-Hygienikerin eingestellt und eine computergestützte Qualitätssicherung eingebaut worden. Doch trotz allem muss Menzel einräumen: Auch jetzt könne es keine hundertprozentige Gewähr dafür geben, dass sich die Fehler nicht wiederholten.
Vor allem dann nicht, wenn es nicht technisches und menschliches Versagen war, sondern eine mutwillige Aktion. Der Aufsichtsratschef, der Fuldaer Oberbürgermeister Gerhard Möller (CDU), will „Sabotage nicht ausschließen“. Ein Rollwagen mit OP-Instrumenten war von einem langjährigen Klinikum-Mitarbeiter am Dampfsterilisator vorbeigeschoben worden. „Das darf nicht sein“, sagte Kronforth.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaften zu den Vorkommnissen bis Januar 2011 wurden im Mai eingestellt - mangels hinreichenden Tatverdachts. Nachdem aber Ende März ein Dutzend Patienten mit nicht korrekt gereinigtem OP-Besteck durch den abermaligen Fehler operiert wurden, ermittelte die Behörde ein zweites Mal wegen des Verdachts von Vergehen gegen das Medizinproduktegesetz. Gegen 19Personen wurden Nachforschungen angestellt.
Die mit dem verunreinigtem OP-Besteck behandelten Patienten seien dadurch nicht zu Schaden gekommen, wie Tests erwiesen hätten, sagt Vorstandssprecher Menzel. Denn abgewaschen und desinfiziert waren die Teile. Dadurch würden gewöhnlich 99 Prozent der Bakterien beseitigt. Durch heißen Dampf werden die Instrumente dann aber noch sterilisiert. Dadurch sollen die übrigen Bakterien gekillt werden. Dieser letzte Prozessschritt war aber ausgeblieben.
Die durch den Hygiene-Skandal ausgelöste Krise kostete das Klinikum rund zwölf Millionen Euro, wie Menzel sagt. Außer den 5,2 Millionen für die ZSVA schlugen unter anderem 4,8Millionen an Gewinnausfällen durch abgesagte Operationen zu Buche. Im Verlauf der Neuorientierung des Hauses sind 60 Stellen abgebaut worden, 60 zusätzliche folgen 2012.
Das Klinikum schlug, um nicht noch mehr Stellen streichen zu müssen, einen strikten Sparkurs ein. Auch dank Menzels Vorstandskollege, dem Finanzfachmann Dietmar Pawlik, wird ökonomischer bei den Materialausgaben gewirtschaftet. Der Verlust 2011 ist dennoch hoch: 8,5 Millionen Euro. Einige Investitionen wurden deshalb zurückgestellt oder abgesagt.
Kein Risiko??
Heike Martiny (HMartiny)
- 14.02.2012, 18:48 Uhr