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IAA Frankfurt : Hüftknick und klick

Blickfang: IAA-Hostess schaut sich um. Bild: Kühfuss, Patricia

Traditionell werben Hersteller auf der IAA in Frankfurt mit schönen Frauen für ihre Autos. Warum eigentlich?

          Für komplexe Kombinationen gibt es zum Glück Google, so auch für „Frauen und IAA“. Das ist zwar schon lange kein origineller Texteinstieg mehr, aber dieses Mal sollte eine Ausnahme gemacht werden, ganz ehrlich. „Verrückte Frau will Sex auf der IAA“ steht da weit oben bei den Suchergebnissen. Hinter dem Link schämt sich ein YouTube-Video, in dem nichts zu verstehen und eine Frau zu sehen ist, die sich mit einem Polizisten streitet. Außerdem Männer in Audis, manche grinsen. Weitere Suchergebnisse: „Die heißesten Girls auf der IAA“, „Die schönsten Messe-Hostessen der IAA“, „Schöne Frauen, praktische Autos“, „Heiße Frauen und schöne Autos“ und so weiter. Es kann also länger dauern, bis man über das Bild der Frau auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) etwas schreiben kann, das einem nicht peinlich sein muss.

          Denise Peikert

          Freie Autorin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Frankfurter Messegelände, acht Uhr morgens, volles Haus. Man muss das Schauspiel nicht oft beobachten, um es zu verstehen. Es treten auf: ein Auto, eine Frau und ein Mann mit einer Kamera. Zum Beispiel bei Fiat, Messehalle sechs, angepriesen wird der neue Fünfhunderter. Die Damen sind hier ausnahmslos blond und engelsgleich gewandet: weiße Langarmbluse, enge Hose, auch in Weiß, graue Pumps. Wenn einer kommt mit seiner Kamera, machen sie einen kleinen Ausfallschritt, öffnen ihren Mund, der rechte Daumen kommt in die Gürtelschlaufe, die Hüfte wird - na klar - abgeknickt. Der Mann macht sein Foto, und geht eine Frau weiter.

          Autos lieber von hübschen Frauen erklären lassen

          Traditionell bewerben die Hersteller auf der IAA ihre Modelle mit Models, offenbar gehört eine schöne Frau zu jedem schönen Auto. Die Wagen werden bei dem Schauspiel - Hüftknick und klick - immerhin mitfotografiert, wenn auch oft wie aus Versehen. Zwar sind die Zeiten vorbei, in denen sich die Damen vorne auf der Motorhaube räkelten, aber dennoch: Wozu dient das Produkt Frau, wo es doch eigentlich eine Automesse ist?

          Die hauptsächlich männlichen Messebesucher ließen sich eben lieber von hübschen Frauen die Autos erklären, sagt Seirah, eine kurzhaarige Schönheit, die im schwarzen Kleid mit blickdichter Strumpfhose bei Peugeot steht. Klar, man müsse schon in ein bestimmtes Muster passen, optisch, um Messehostess zu werden, aber sie sei drei Tage lang in die Geschichte von Peugeot eingeführt worden. Sie sei da, um etwas über die Autos sagen zu können, und das sei ein anspruchsvoller Job. Nebenan erläutert ein Mann ihren beiden Kolleginnen noch schnell, was ein Differential ist.

          So weit, so nachvollziehbar. Man kapiert auch sofort, dass die Damen beim italienischen Fiat-Veredler Abarth in ihren Rennanzügen eine Sportivität darstellen sollen, die den kugeligen Kleinwagen nicht sofort anzusehen ist. Aber wozu tragen die schmalen Damen, die neben den mächtigen Jeeps beinah durchsichtig wirken, zu ihren safari-tauglichen Hosen diese irren Absätze? Andererseits: Wer zwei Tage lang zehn Stunden am Stück in diesen Schuhen herumstehen kann, der kommt damit wohl auch durch den Regenwald.

          Der widerliche Teil am Hostessen-Schauspiel

          Neben dem weißen Lamborghini, weit hinter einer Absperrung, steht eine überschminkte Schönheit im weißen Kleid, ein Automesse-Modell in Reinform: viel zu weit weg zum Fragenstellen, nah genug dran zum Fotografieren. „Das macht sie aber gut“, sagt ein Mann im Vorbeigehen zu seinem Begleiter, und die Frage ist doch wirklich: Was eigentlich? Gut aussehen?

          Formensprache: Frauen an Autos. Dahinter Männer, die auf Mensch und Maschine starren.
          Formensprache: Frauen an Autos. Dahinter Männer, die auf Mensch und Maschine starren. : Bild: Patricia Kühfuss

          Das ist der widerliche Teil an dem Hostessen-Schauspiel: Die Frauen werden von den Herstellern bezahlt, aber es sind die Besucher, die davon ausgehen, dass es ihr Recht sei, die Damen zu bewerten, zu postieren und zu fotografieren, für welche Sammlung auch immer. Da ist zum Beispiel der junge Mann mit der Videokamera, der wie ein Jäger zwischen den Autos herumschleicht, und sich nur für die Damen interessiert. Ungeniert richtet er seine Kamera auf eine der mit hinternknappen Hotpants bekleideten Frauen von Kia, zoomt erst auf ihr Gesicht und schwenkt dann langsam an ihr herab. Die Gefilmte lacht, kein Hostessen-Lächeln, sondern ein lautes Lachen. Sie scheint beschlossen zu haben, das witzig zu finden.

          Unmittelbarer Zugriff auf die Frauen

          Viele Messehostessen sind inzwischen züchtig gekleidet, bei Volkswagen haben manche der Damen sogar T-Shirts mit einem Smiley vorn drauf zur Jeans an - hier sollen schließlich Autos für alle verkauft werden. Doch je kleiner die Hersteller werden, desto kürzer werden die Röcke. So läuft das eben, gerade an den Tagen, an denen die IAA nur für Pressevertreter geöffnet ist: Wer nicht ein Großer der Branche ist, sollte wenigstens ein spektakuläres Foto liefern.

          Beinfreiheit ist nicht nur im Auto gern gesehen, sondern auch bei vielen der Hostessen.
          Beinfreiheit ist nicht nur im Auto gern gesehen, sondern auch bei vielen der Hostessen. : Bild: Patricia Kühfuss

          Freilich ist es nicht so, dass die Autobranche allein dastünde mit dieser frauenfixierten Werbung. Puma zum Beispiel wirbt gerade mit den in einem Sport-BH hüpfenden Brüsten der Sängerin Rihanna. Selten aber haben die Betrachter so unmittelbaren Zugriff auf die Frauen, wie auf der IAA. Bei Alfa Romeo, wo ganz offensichtlich noch Autos für echte Männer verkauft werden sollen - so knapp sind die ausnahmslos dunkelhaarigen Frauen hier bekleidet - tritt ein Besucher an eine Hostess heran. Ob Sie sich wohl neben den Oldtimer hocken könne, vielleicht direkt bei dem aufgedruckten Kleeblatt, und dann einmal über die Schulter in die Kamera schauen, so? Die Frau versucht, ihr Kleid ein Stück herunterzuziehen, stöckelt tapfer neben das Auto und geht in die Hocke. Sogleich richten auch andere Männer ihre Kameras aus, tolles Motiv! Die Frau schaut in jedes Objektiv, in jedes Smartphone, aber auf ein Lächeln verzichtet sie. Sie hat genug gezeigt.

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