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Hofbieber Ein Pirat will das Bürgermeisteramt

 ·  Ein Biologe hat historische Ziele. Der ehemalige CDU-Vertreter ist aber alles andere als ein klassischer Freibeuter neuer Prägung.

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 In einer kleinen Gemeinde in der Hessischen Rhön will ein promovierter Biologe für die zuletzt groß rausgekommene Piratenpartei in Deutschland Geschichte schreiben. Gerhard Rudi Pelz stellt sich in Hofbieber zur Bürgermeisterwahl. Wenn er am Sonntag gewählt würde, wäre er der erste Piraten-Politiker bundesweit, der es zum Rathaus- und Verwaltungschef gebracht hat.

Pelz ist alles andere als ein typischer Vertreter der jungen, 2006 gegründeten, irgendwie in Mode gekommenen Partei. Der Zweiundsechzigjährige war früher 20 Jahre für die CDU aktiv und trägt einen nicht sonderlich modischen grauen Anzug. Bei der CDU trat er wegen Differenzen aus, weil er die „Seilschaften und Lagerkämpfe“ nicht mehr ertrug. Von den etablierten Parteien hat Pelz die Nase voll. „Ich will mit diesem angestaubten Politikstil aufräumen“, sagt er im Büro seines großen Einfamilienhauses in Petersberg nahe Fulda. Dort hat der Zoologe und Fischexperte auch sein Sachverständigenbüro für Umweltbelange. Und dort hat er auch sein 14 Seiten dickes Wahlprogramm geschrieben. Es sei vor kurzem erst fertig geworden - wenige Tage vor dem Urnengang. Er habe noch viele Bürger in der rund 6300 Einwohner zählenden Gemeinde zu ihren Vorstellungen befragt.

Mit typischen Piraten-Themen punkten

Pelz’ Ziel bei der Wahl: gewinnen - und die vier parteilosen Mitbewerber bezwingen. Er glaubt aber, dass der Sieger wohl erst in einer Stichwahl ermittelt wird. Sollte er triumphieren, wäre es für die bei vier Landtagswahlen zuvor erfolgreiche Piratenpartei ein Beleg, dass auch kommunalpolitisch etwas geht. Pelz wäre aber nicht der erste Piraten-Bürgermeister. Es gibt schon zwei. Die seien aber der Partei erst beigetreten, als sie bereits in Amt und Würden gewesen seien, erläutert Piraten-Sprecherin Anita Möllering.

Punkten will Pelz bei den überwiegend konservativen Wählern in Osthessen - tief geprägt von der CDU - mit typischen Piraten-Themen, die er leidenschaftlich referiert. Er will mehr Bürgerbeteiligung und vor allem Transparenz. Die Verwaltung solle alle Vorgänge von Interesse für alle sichtbar ins Internet stellen. Zwar ist wohl nicht jede Oma in der Rhön im Netz unterwegs. Aber davon will sich Pelz nicht entmutigen lassen: „Wir machen Kurse auch für Ältere.“ Mehr Service, mehr Information und Mitspracherecht für den Bürger will Pelz. „Hessen istein demokratisches Entwicklungsland“, schimpft der Kandidat angriffslustig. Es werde den Bürgern zu schwer gemacht, Informationen von Behörden und Verwaltungen zu bekommen. Bei den Wählern stoße er mit seinen Themen auf zunehmendes Interesse.

Pelz gibt sich aber auch pragmatisch: „Ich gebe mich keinen Hirngespinsten hin. Ich bin kein Träumer, sondern Wissenschaftler.“ Wieso sich der promovierte Zoologe in das Abenteuer Kommunalpolitik auf dem Dorf stürze? Er sei selbständig, habe Zeit, „und meine beiden Kinder sind zum Studieren aus dem Haus“, sagt er schmunzelnd.

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