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Hockey-Nationalspieler Jacobi „Es ist aufregend und bringt ein paar Steine“

 ·  Hockey-Nationaltorhüter Nicolas Jacobi spielt im Januar für die Delhi Waveriders. Nach Indien kam der Keeper vom UHC Hamburg per Auktion. Im Interview spricht er über das Abenteuer seines Lebens und traumhafte Gagen.

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© AFP Vergrößern Auf nach Indien: Hockey-Abenteurer Jacobi

Wie fühlt es sich an, als Hockeyspieler für 50.000 Dollar ersteigert zu werden?

Das war ein sehr merkwürdiges Gefühl, als ich die Auktion im Internet live verfolgt habe. Ich war aufgeregt, ob ich überhaupt ersteigert werde, denn es haben sich 40 Torhüter beworben für die Plätze in den sechs Teams der neugeschaffenen Hockey India League. Es ist auch einigen sehr guten Spielern passiert, das sie gar nicht genommen wurden. Ich bin nun von den Delhi Waveriders ersteigert worden.

Wie lief die Auktion ab?

Ich hatte die Befürchtung, das ich zu hoch gepokert habe mit meinem angegebenen Mindestpreis, für den ich hingehen würde: 20.000 Dollar. Zumal als ich gesehen habe, was die anderen Torhüter für sich als Startgebot festgesetzt hatten. Doch dann haben zwei Teams um mich geboten und sich hochgesteigert - bis zu diesem Preis. Das war schon verrückt.

Jene 50.000 Dollar sind nun Ihre Gage für die vier Wochen dauernde Hockey India League. Ist es als vereinstreuer Hockeyspieler ein schönes Gefühl, auch mal Söldner sein zu dürfen?

Es ist insofern ein schönes Gefühl, dass ich ja meinem Verein UHC Hamburg treu bleiben kann. Ich könnte mir nicht vorstellen, nur des Geldes wegen für immer irgendwo anders zu spielen. Die Möglichkeit, als Hockeyspieler einen Monat lang richtig Geld zu verdienen, ist schon eine tolle Sache.

Wie viele Jahre müssten Sie in Deutschland Hockey spielen für 50.000 Dollar?

Oha, bei meinen aktuellen Einkünften müsste ich viel länger hochklassig Hockey spielen, als ich kann.

Was genau für ein Projekt ist die Hockey India League?

Sie ist im Prinzip eine Kopie der sehr erfolgreichen indischen Cricket-Liga, wo ebenfalls die Spieler für eine Saison ersteigert werden von den Teams. Hunderte Millionen Menschen verfolgen diese Liga. Und Hockey ist neben Cricket ja der Nationalsport in Indien, auch wenn er in den letzten zwanzig Jahren von Cricket den Rang abgelaufen bekam. Die Liga ist nun der Versuch, diese Entwicklung ein Stück weit umzukehren.

Nun gibt es in Indien ja schon eine andere Hockey-Profiliga.

Im vergangenen Jahr hat dort die World Series Hockey erfolgreich begonnen, ein Konkurrenzprodukt. Nur gibt es in Indien zwei Hockeyverbände, wovon nur einer vom Internationalen Verband anerkannt ist. So dass wir Nationalspieler an der Liga des nicht anerkannten Verbandes nicht teilnehmen konnten, weil wir sonst für Olympia gesperrt worden wären. Nun sind im Vergleich dazu fast alle Topstars des Welthockeys dabei.

Sind noch andere Deutsche mit Ihnen bei den Delhi Waveriders?

Ja, mein Nationalmannschaftskollege Oskar Deecke. Weitere bekannte Stars sind der Niederländer Taeke Taekema und Sardar Singh, der indische Hockeystar schlechthin. Ich freue mich sehr auf die Jungs in meinem Team, weil wir bisher auf dem internationalen Parkett nur gegeneinander gespielt haben. Das ist sehr reizvoll.

Was wissen Sie noch über Ihren Kurzzeit-Klub und ihren Trainer für jene vier Wochen?

Der Trainer steht wohl noch nicht fest. Laut indischer Presse könnte es der indische Nationaltrainer werden. Aber da gibt es anscheinend noch Abstimmungsprobleme. Es sind in dem Sinne keine Vereine, sondern aus dem Boden gestampfte Franchises. Und jedes Franchise gehört einem Sponsor. Unserer ist ein Großkonzern namens Wave Group. Nach und nach bekomme ich per Email mehr Informationen.

Wird es das Hockeyabenteuer ihres Lebens?

Ganz bestimmt. Wir werden durch das Land reisen und haben alle zwei bis drei Tage ein Spiel. Die sechs Teams treten in Hin- und Rückspiel gegeneinander an und am Ende gibt es ein Final Four - wahrscheinlich in Delhi.

Wie steht ihr Bundesliga-Verein dazu, dass Sie die entscheidende Phase der Hallen-Bundesligasaison verpassen werden?

Das ist ein Wermutstropfen, der mich auch zum Nachdenken gebracht hat. Ich habe mit allen Spielern und Verantwortlichen geredet, und alle haben mir geraten, es zu machen, weil es aufregend ist und ein paar Steine zu verdienen sind. Und bei mir passt es auch einfach gerade: Ich schreibe gerade meine Masterarbeit und habe keine Pflichtpräsenzzeiten in der Uni oder im Job. Wer weiß, ob das jemals wieder in meinem Leben vorkommen wird.

Die Fragen stellte Alex Westhoff.

Quelle: F.A.Z.
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