16.10.2006 · Ich war das erste Mädchen meines Dorfes, das studierte. 1960 schrieb ich mich an der Goethe-Universität für Geschichte, Germanistik und Politik ein. Während des Studiums lebte ich in zwei Welten.
Ich war das erste Mädchen meines Dorfes, das studierte. 1960 schrieb ich mich an der Goethe-Universität für Geschichte, Germanistik und Politik ein. Während des Studiums lebte ich in zwei Welten: Von meinem Dorf fuhr ich jeden Tag mit der Dampfeisenbahn nach Frankfurt.
Im ersten Semester hörte ich Marie-Luise Kaschnitz, die über „Europäische Dichtung von Shakespeare bis Brecht“ las, Carlo Schmid, der von seinen Erlebnissen als Politiker berichtete, und Horkheimer zu „Theorie und Geschichte der Freiheit“. Damals kam für mich aus finanziellen Gründen nur Frankfurt als Studienort in Frage. Aber ich habe es nie bereut, nicht woanders gewesen zu sein. In mein Studienbuch kam übrigens jedes Semester ein Stempel: „Frei von Studiengebühren gemäß Artikel 59 Hessische Verfassung“.