Home
http://www.faz.net/-gzg-p6h6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Himmelskunde Smalltalk mit Astronauten in der "Langen Nacht der Sterne"

19.09.2004 ·  Eine Verbindung in den Weltraum konnten Tausende Besucher des Raumfahrtkontrollzentrums Esoc in der "Langen Nacht der Sterne" erleben: Um 20.55 Uhr überflog die internationale Raumstation ISS deutlich am klaren Nachthimmel sichtbar Darmstadt.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Eine echte Verbindung in den Weltraum konnten Tausende Besucher des Raumfahrtkontrollzentrums Esoc in Darmstadt am Samstag abend in der "Langen Nacht der Sterne" erleben: Um 20.55 Uhr überflog die internationale Raumstation ISS als strahlender Punkt deutlich am klaren Nachthimmel sichtbar Darmstadt. Zu dem optischen Erlebnis kam eine akustische Verbindung zwischen den Satellitenlenkern am Boden und der Mannschaft in der Raumstation. Der Esoc-Sprecher erläuterte dem Raumfahrt-Team das Geschehen der "Langen Nacht der Sterne" im Kontrollzentrum und an rund 180 weiteren Astronomie-Einrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Astronaut im All schilderte bei bestem Funkkontakt seinen Arbeitsalltag und die eher begrenzten Freizeitmöglichkeiten in der Raumstation.

Einen solchen Publikumsansturm hatte das Kontrollzentrum der Europäischen Raumfahrtagentur Esa seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt. 1975 veranstaltete man hier zum ersten und bis dato letzten Mal einen Tag der offenen Tür. Für die "Lange Nacht der Sterne", die von der Illustrierten "Stern" angeregt worden war, waren die Karten zu drei Euro im Nu ausverkauft. Mancher, der meinte, am Eingang noch ein Ticket erwerben zu können, mußte nach der Falschmeldung eines Radiosenders enttäuscht wieder abziehen. Einer habe sich noch eine Karte für 25 Euro über einen Internetversteigerer gesichert, war zu hören.

Die rund 3000 Besucher hatte man auf fünf "Zeitfenster" aufgeteilt, so daß auf dem Esoc-Gelände nie unübersichtliches Gedränge entstand und die Informationen über das Weltall und die europäische Raumfahrt stets gut vermittelt werden konnten. Besondere Anziehungskraft übte der zentrale Kontrollraum des Esoc aus, von wo aus in den vergangenen Jahren viele europäische Raumfahrtmissionen beim Start gelenkt wurden und auch heute noch kontrolliert werden. Satelliten-Modelle in Originalgröße waren ausgestellt, und im Hauptgebäude wurden populärwissenschaftlich aufbereitete Vorträge über die Missionen "Mars Express", "Smart 1", den Erdbeobachtungssatelliten "Envisat" und das Weltraumteleskop "Hubble" gehalten, verbunden mit faszinierenden Perspektiven auf die Erde aus dem All, in unser Sonnensystem und das Universum. Was in den Sälen mittels Videodemonstrationen erläutert und illustriert wurde, war auf dem Freigelände in der Realität zu sehen. Vor rund einem Dutzend Teleskope der Arbeitsgemeinschaften Astronomie und Weltraumtechnik Darmstadt bildeten sich bei Einbruch der Dunkelheit lange Menschenschlangen, um einen Blick in ferne Galaxien zu erhaschen. So konnte man bei einem Doppelstern in vierhundert Lichtjahren Entfernung gut den heißen blauen von dem kälteren rötlichen Stern unterscheiden, die man ohne Teleskop allenfalls als einen Himmelskörper erkennt. Auch Sternennebel und ein Vierfachstern wurden per Teleskop sichtbar. Die Hobby-Astronomen gaben fachkundig Auskunft über Entstehen und Vergehen der Himmelskörper und freuten sich über das große Interesse.

Esoc-Direktor Gaele Winters sprach von einem neuen und wieder wachsenden Interesse der Öffentlichkeit für die Raumfahrt. Er zeigte sich über den großen Andrang erfreut, den 114 freiwillige Helfer unter den Esoc-Mitarbeitern in wohlgeordneten Bahnen über das Gelände und durch die Gebäude leiteten.

Daß neben der Wissenschaft auch die Unterhaltung nicht zu kurz kam, zeigte sich im Kinderprogramm. Hier wurden Raketenmodelle gebastelt, die unter großem Hallo mit Luftdruck bis zur Decke in der Kinderecke geschossen wurden. In einer "Karriereecke" gab es Auskunft über die beruflichen Perspektiven beim Esoc. Dichter umlagert waren die Stände mit Spielen, Plakaten und jenen kleinen bunt leuchtenden Anstecksternen, die allenthalben an Jacken und Pullovern um die Wette blinkten. PETER ZITZMANN

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Und sie drehen sich wieder im Kreis

Von Mechthild Harting

Zwar verkünden die Vertreter von Städten und Kreisen in Rhein-Main immer wieder, nun werde endgültig über Sachthemen diskutiert. Doch es geht immer wieder um Strukturen und Finanzen. Mehr 1 1