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Hessischer Verdienstorden : Mehr als eine Million gesammelt

Orden für soziales Engagement: Dieter Kürten, Walter Bischof, Karl Nüser und Hans-Peter Wodarz (von links). Bild: Röth, Frank

Den Hessischen Verdienstorden bekommt ein erfolgreiches Wiesbadener Quartett.

          „Dankesworte der Geehrten“ sieht das Protokoll der Staatskanzlei vor, sobald der Hessische Ministerpräsident den Verdienstorden des Landes überreicht hat und das Musikstück verklungen ist. Am Dienstag wurde daraus keine steife Pflichtübung, sondern ein kurzweiliger Rückblick auf Momente von zeitgeschichtlicher Bedeutung. Das lag nicht nur an dem Journalisten Dieter Kürten, sondern auch an dem Format der drei Freunde, die die Ehrung gemeinsam mit ihm entgegennahmen.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Karl Nüser, Hoteldirektor des Nassauer Hofes, Walter Bischof, langjähriger Marketingchef der Sektkellerei Henkell, Sternekoch Hans-Peter Wodarz und der langjährige Moderator des Aktuellen Sportstudios organisierten ehrenamtlich ein Vierteljahrhundert lang im Wiesbadener Kurhaus die weihnachtliche Benefizgala „Ihnen leuchtet ein Licht...“. Bis heute spielten sie damit mehr als eine Million Euro für gute Zwecke ein.

          Nicht zurück hinter den Eisernen Vorhang

          „Das war vorbildlich“, meinte Regierungschef Volker Bouffier (CDU) in seiner Laudatio. „Denn das mussten Sie nicht tun.“ Kürten korrigierte seinen Vorredner mit lächelnder Miene: Im Herbst des Jahres 1988 saß er in der „Ente“, dem berühmten Lokal des Nassauer Hofes, als Chefkoch Wodarz den Plan der Benefizgala erklärte und ihm die Moderation übertrug, ohne dass er eine Wahl gehabt hätte: „Du musst das machen. Und Geld gibt es dafür auch nicht.“ Dass die Spendenaktion für das Quartett der Macher nicht nur erfolgreich und nervenaufreibend, sondern gelegentlich auch sehr lustig gewesen sein muss, belegten manche der Anekdoten, die die selbsternannte „Viererbande“ gestern zum Besten gab. Gern erinnerte man sich beispielsweise an den Boxer Henry Maske. Der musste sich für seinen Auftritt zwar von einem Musiker ein Hemd leihen. Aber dafür spendete er anschließend 500 Euro.

          Schwierigkeiten bekamen die Organisatoren hingegen 1987 nach einem Gastspiel des Chors der Roten Armee. Zwei der sowjetischen Soldaten wollten nicht zurück hinter den Eisernen Vorhang und nutzten die Weihnachtsgala in der hessischen Landeshauptstadt, um sich von ihrer Truppe abzusetzen.

          „Jenseits der Generationen“

          „Leute wie ich vermissen Sie, wenn wir Olympia sehen“, wandte Bouffier sich dem langjährigen Sportmoderator des ZDF zu. Die Medienwelt habe sich grundlegend geändert, aber Kürtens Popularität habe sich „jenseits der Generationen“ gehalten. Der 77 Jahre alte Kürten hat gerade eine Herzattacke überwunden. Er engagiert sich als Botschafter der Kindernothilfe und ist Schirmherr einer Kampagne, die das Leben mit Lungenkrebs erleichtern will.

          Zu den prominentesten Wiesbadener Bürgern zählte Bouffier den gebürtigen Schleswig-Holsteiner Nüser. Auch dessen ehrenamtlicher Einsatz geht über die Weihnachtsgala hinaus. Seit 1994 ist er Vizepräsident der Wiesbadener Industrie- und Handelskammer. Außerdem gehört er dem Vorstand des Hotelverbandes Deutschland an.

          „Urheber und Anstoßgeber“

          Bischof hat sich als „Mister Metternich“ einen Namen gemacht. Weil er seit ein paar Wochen Rentner ist, bleibt ihm für seine Ehrenämter künftig mehr Zeit. Der gebürtige Wiesbadener arbeitet zum Beispiel seit zehn Jahren für die Opferhilfsorganisation „Weißer Ring“.

          Hans-Peter Wodarz, wurde am Dienstag nicht nur als „Urheber und Anstoßgeber“ der Benefizgala identifiziert, sondern auch als „Pionier der Erlebnisgastronomie“. Er faszinierte den vom Streit um den Länderfinanzausgleich geplagten Ministerpräsidenten mit einem Schwank aus seiner Jugend. Danach bekam er als Türsteher im einstigen Wiesbadener Hotel „Rose“ schon vor 50 Jahren so viel Trinkgeld dass er eines begriff: „Wiesbaden ist ein Geberland.“

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