28.02.2013 · SPD und Grüne plädieren im Landtag dafür, das Sitzenbleiben in den hessischen Schulen mittelfristig abzuschaffen. CDU und FDP hingegen sehen darin ein bewährtes pädagogisches Mittel.
Von Ralf Euler, WiesbadenRichtlinien für Lesermeinungen
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Dass Sitzenbleiben pädagogisch wertvoll sein soll, kann nicht
einfach damit begründet werden, dass Kinder auch Strafe
benötigen, um diszipliniert zu lernen. Genauso könnte man das
Schlagen von Kindern wieder einführen. An solchen Maßnahmen
zwanghaft festzuhalten, ist ziemlich altmodisch.
Ein schönes Modell wäre so etwas wie die amerikanische Summer
School. In Fächern, in denen die Kinder schlechte Ergebnisse
erziehlt haben, kann neben dem zusätzlichen Nachmittagsunterricht
auch eine Extrarunde in den sechs-wöchigen Sommerferien eine
Lösung sein - aber bitte bei einem anderen Lehrer. Vielen
Schülern ist auch schon geholfen, wenn die auf eine andere Art und
Weise an den Lernstoff herangeführt werden.
Sitzenbleiben darf höchstens als allerletze Maßnahme weiter
bestehen. Daraus eine ideologische Schlammschlacht herbeizuargumentieren
zeugt höchstens von Ignoranz.
Schulpolitik ist nicht ausschliesslich von pädagogischen Fragen geprägt, sondern auch von anthropologischen/anthroposophischen; will sagen, es ist nicht nur entscheiden, was (objektiv/nachweisbar) gut für das Kind ist, sondern, was die Akteure - abgeleitet aus ihrem Menschenbild - für gut halten. Hinzu kommen unterschiedliche Ansichten, was Schule leisten soll: den künftigen Bürger primär qualifizieren oder sozialisieren? Bei Ersterem würde ein Mangel zum Sitzenbleiben führen, bei Letzterm ist ein Sitzenbleiben ausgeschlossen. ... seit dem Hamburger Debakel sollte hinlänglich bekannt sein, wie sehr Bildungspolitik ein Minenfeld ist.
Unverständlich, warum Sitzenbleib-Gegenerschaft stets mit „Links“ in Verbindung gebracht wird
Sitzenbleiben oder nicht ist eine rein pädagogische Frage und hat nichts mit Ideologie zu tun. Bestenfalls mit veralteten Anschauungen, aber die haben Linke nicht minder wie Rechte. Selbstverständlich kann man – wird die Leistung nicht gebracht – den Schüler nicht „einfach so“ ins nächste Jahr versetzen. Wenn man aber – so lautet ja der Vorschlag – dem Schüler zusätzlich zum normalen Unterricht in den Nachmittagsstunden Nachhilfe in den „gerissenen“ Gegenständen gibt, dann ist das die optimale Methode, aus schlechten Schülern gute zu machen. Die Schüler merken, daß sie plötzlich zu Leistungen fähig sind, die sie sich selbst nie zugetraut hätten. Das Selbstwertgefühl steigt ungemein. Zudem ist es eine hervorragende Disziplinierungsmethode. Es gibt weltweit nur positive Erfahrungen mit diesem System, warum also diese dumme ideologische Scheuklappe? Natürlich kostet das zusätzliche Lehrer. Also nehmen wir die Politiker doch bei ihrem Wort, mehr für Bildung tun zu wollen.