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Waschbären in Hessen : „Lassen Sie die Flinte im Schrank“

In Hessen heimisch: der Waschbär Bild: dpa

Waschbären und Kormorane spalten die Gemüter - zumindest im Hessischen Landtag. Denn die Einen wollen die Tiere integrieren, die Anderen würden sie am liebsten ganz los werden.

          Am Ende standen Heinz Lotz (SPD) und Jürgen Lenders (FDP) auf verlorenem Posten. Mit ihrer Forderung, Waschbären und Kormorane in Hessen generell zum Abschuss freizugeben, bissen die beiden Landtagsabgeordneten bei den Naturschützern der Regierungsfraktionen CDU und Grünen ebenso auf Granit wie bei der oppositionellen Linkspartei.

          Ralf Euler

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Und Ursula Hammann (Die Grünen) warnte in der engagiert geführten Debatte am Donnerstagabend vor Schnellschüssen, schließlich gehe es um eine Frage von Leben und Tod. Sie halte es für „anmaßend“, einer Spezies das Existenzrecht abzusprechen, zudem erfülle vieles, was dem gemeinen Waschbären vorgeworfen werde, den Tatbestand der üblen Nachrede.

          Rasante Ausbreitung in Hessen

          Die penetrante Nachstellung durch Sozialdemokraten und Liberale habe der Waschbär nicht verdient, mahnte auch CDU-Mann Dirk Landau. „Lassen Sie die Jagdflinte im Schrank.“ Der in den dreißiger Jahren in Hessen ausgewilderte Waschbär, der sich hauptsächlich von Pflanzen und wirbellosen Lebewesen ernähre, müsse nicht eliminiert, sondern integriert werden, verlangte die Linke Gabi Faulhaber, und wenn die Fischbestände abnähmen, liege das nicht an der Raffgier des Kormorans, sondern an der schlechten Wasserqualität in Flüssen und Seen.

          Von wegen, schallte es von SPD und FDP zurück: Wenn Waschbären und Kormorane nicht radikal bekämpft würden, drohe anderen Tierarten der Garaus. Die Gelege von Rebhuhn, Kiebitz und Birkhuhn, aber auch Säugetiere wie Hasen, Kaninchen und Feldhamster seien dem Waschbär in den Sommermonaten hilflos ausgeliefert, während der Kormoran ungestraft jene Fischbestände plündere, die eigentlich den Anglern vorbehalten seien.

          Nur ein toter Waschbär sei ein guter Waschbär, meint auch der Landesjagdverband, der in einer umfangreichen Presseerklärung zur Vorbereitung der Landtagsdebatte auf die Schäden hinwiesen hatte, die Waschbären in Nord- und Mittelhessen, wo sich die Population rasant ausbreite, in den als Unterschlupf dienenden Dachgeschossen anrichteten. „Die flinken Tiere reißen mit ihren geschickten Pfoten Dämmmaterial heraus und benutzen den Speicher als stinkende Toilette.“

          Hohe Schäden für Fischer

          Umweltministerin Priska Hinz von den Grünen wies die Kritik von Lotz und Lenders zurück. Die in der Hessischen Jagdverordnung festgelegte Schonzeit vom 1. März bis 31. Juli gewährleiste den Schutz dieser Tiere während der Aufzuchtphase, sagte sie. Dort, wo der Waschbär in allzu großer Zahl sein Unwesen treibe, wie beispielsweise im Biosphärenreservat Rhön, gehe es ihm im Übrigen bereits ganzjährig an den Kragen. Auch für das Vom-Himmel-Holen der Kormorane gebe es keinen Anlass, denn die Bestandszahlen in Hessen seien in den vergangenen Jahren stagnierend bis rückläufig.

          FDP-Mann Lenders wollte dem gar nicht widersprechen. Aus seiner Sicht sind aber schon die mehr als 2000 dauerhaft in Hessen jagenden Kormorane und die rund 3000 weiteren, die hierzulande überwinterten, des Guten viel zu viel. Fischer hätten ausgerechnet, dass die Tiere jedes Jahr Schäden in Höhe von 2,3 Millionen Euro verursachten, ergänzte Lotz. „Und die Landesregierung lässt das einfach alles laufen.“

          Quelle: F.A.Z.

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