Hessen vorn - im Aufschwung wie im Abschwung. So ließ es sich über Jahre aus den Zahlen der offiziellen Statistik ablesen, und es sah so aus, als machten es die Menschen in diesem Bundesland einfach besser als die anderen. Doch es war alles anders. Nach der neuesten Revision der Daten durch den Arbeitskreis „Volkwirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder“ teilte das Statistische Landesamt am Donnerstag mit: Hessen ist mitnichten besser durch die Rezession 2009 gekommen als Deutschland insgesamt, wie es lange Zeit hieß.
Vielmehr sank die Wirtschaftsleistung in diesem Bundesland damals stark überdurchschnittlich. Nun, da man unter Hinzuziehung weiterer Statistiken noch einmal nachgerechnet hat, kann man es auch erklären: Die Banken und Versicherungen litten in der Krise besonders, ebenso die Unternehmensdienstleister, das sind zum Beispiel Werbeagenturen. Genau dies sind aber jene Wirtschaftszweige, die Hessen besonders prägen und deren Krise mithin das Bundesland nach unten zog.
Wirtschaftsleistung 2011 stärker gewachsen als im Bundesdurchschnitt
Zudem produzierte das Kernkraftwerk Biblis 2009 nur wenig Strom, was sich aufgrund seiner großen Bedeutung im Bruttoinlandsprodukt insgesamt spiegelt. 2011 immerhin ist die Wirtschaftsleistung in Hessen auch nach den gestern veröffentlichten Zahlen stärker gewachsen als die von Deutschland insgesamt.
Auf diese Angaben blickte denn auch der hessische Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) und frohlockte, Hessen zeige sich als starker Standort: „Das ist in erster Linie ein Erfolg der Unternehmen und ihrer Beschäftigten. Es ist aber auch eine Bestätigung der Politik der Landesregierung.“ Starke Worte, die er hoffentlich nicht eines Tages wird korrigieren müssen. Denn beim Bruttoinlandsprodukt gilt: Nach der Neuberechnung ist vor der Neuberechnung. Auch die nun bekanntgegebenen Zahlen tragen den Zusatz „vorläufig“.