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Hessentag in Wetzlar Hessin mit Leib, Seele und Herz

 ·  Im Café von Marion Kunz trifft soziales Engagement auf hessische Traditionen. Den Hessentag in Wetzlar sieht Kunz als Chance: „Es wird Zeit, dass Hessen uns kennenlernt.“

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Marion Kunz kennt Gott und die Welt. Gott, weil sie 25 Jahre als Pfarrerin gearbeitet hat. Und die Welt, weil sie heute, in ihrem „zweiten Leben“, in einem Café Menschen unterschiedlichsten Alters, Herkunft und Gesellschaftsschicht zusammen bringt. Dort arbeitet sie ehrenamtlich für die Dinge, die ihr wichtig sind: soziales Engagement und hessische Tradition. In ihrem Café in einer verwinkelten Gasse der Wetzlarer Altstadt bietet sie jungen, sozial benachteiligten Menschen einen Ort, an dem sie sich in der Arbeitswelt ausprobieren können.

In dem Verein „Junge Arbeit“ lernen die Teilnehmer nicht nur, wie man Kuchen backt oder die Kaffeemaschine bedient. Sie lernen, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen, in einem Team zu arbeiten und gebraucht zu werden. „Für viele Jugendliche ein ganz neues Gefühl“, erzählt Marion Kunz. Sie nennt ihre Arbeit „Starthilfe“, denn meist beginne die Entwicklung der jungen Erwachsenen mit kleinen Schritten: „Für manche ist es schon ein Erfolg, pünktlich zur Arbeit zu kommen.“ Zu ihren „Kindern“ gehören auch Leute mit Migrationshintergrund. Im Verein lernen sie die Spezialitäten der Region kennen und wie man sie herstellt.

Die Erdbeeren und die Leiter

Kunz merkt dabei immer wieder: Es sind nicht nur die jungen Menschen aus anderen Kulturkreisen, die wenig über lokale Traditionen wissen. Auch viele Deutsche wüssten mit regionaler Landwirtschaft, traditionellem Handwerk und einfacher Hausarbeit nicht mehr viel anzufangen. „Ein Kind hat nicht mal gewusst, dass man fürs Erdbeerpflücken keine Leiter braucht.“ Es ist Marion Kunz’ Wunsch, dass die Kinder das Wissen ihrer Großmütter erlernen.

Auf Kunzes Speisekarte stehen „Grie Soß’ mit Aijer un Gedoffel“ und „Gemeus-Sopp met viel Flaasch“. In den Holzregalen ihres Cafés bietet sie Kuchen, Konfitüre und Gewürzöl zum Verkauf - alles selbst gemacht und mit regionalen Zutaten hergestellt. An den Marmeladengläsern baumeln kleine Schilder: „Was Oma Mienchen noch konnte und Tante Klara noch wusste - wir kriegen’s gebacken!“ In den Projekten für ihren Verein arbeitet Kunz eng mit der Frauenhilfe und Gartenbauvereinen aus der ganzen Region zusammen. „Die Landfrauen aus den umliegenden Dörfern sind ein Schatz, den es zu heben gilt“, sagt Kunz. „Sie wissen noch: Wie macht man eigentlich Marmelade? Wie bastle ich aus Naturmaterialien ein schönes Tischgesteck? Wie stopfe ich einen Socken?“

Die Nachbarschaft zum Essen

Die selbstgemachten hessischen Spezialitäten werden auf Genussmärkten verkauft oder im „Kaufhaus Hessen“ angeboten, das nur wenige Häuser vom Café entfernt ist. In Wetzlar kennt man Marion Kunz und ihr kleines Café, die Nachbarschaft kommt zu ihr um Kuchen zu essen oder vor ihrem Laden ins Gespräch zu kommen. Marion Kunz begrüßt sie herzlich, fast alle kennt sie mit dem Namen. Den Hessentag, der dieses Jahr in Wetzlar stattfindet, sieht Kunz als Chance: „Es wird Zeit, dass Hessen uns kennenlernt.“

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