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Mit Drohnen und Tasern : So rüstet sich Hessens Polizei gegen den Terror

  • -Aktualisiert am

Hessens Polizei rüstet auf: Im Kampf gegen Terror und Kriminalität sollen neue Waffen zum Einsatz kommen. Bild: Helmut Fricke

Die Polizei in Hessen setzt im Kampf gegen den Terror auf neueste Technik. Vom stichsicheren Schal bis zum filmenden Blaulicht ist alles vertreten. Ein Überblick.

          Im Präsidium für Technik und Logistik geht es ein wenig zu wie in der berühmten Abteilung Q. Nur, dass die Fahrzeuge keine Aston Martins sind und die Polizisten einen anderen Auftrag verfolgen als James Bond. „Männerspielzeug“ nennen einige die technischen Neuheiten, die dort entwickelt, beschafft und teils in Eigenproduktion angefertigt werden. Tatsächlich aber ist es Sicherheitstechnik der modernsten Sorte.

          Schießende Kugelschreiber hat Innenminister Peter Beuth (CDU) gestern auf seiner „Technik-Pressekonferenz“ nicht präsentiert, dafür aber Drohnen, neue Motorräder und selbstfilmende Autos sowie einen hieb- und stichsicheren Schal für Einsatzbeamte, einen eigenen Messenger-Dienst für den schnelleren Austausch bei Observationen und Fahndungen – und natürlich das neue Sturmgewehr G36, mit dem die sogenannte Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit der Polizei seit kurzem ausgestattet ist und das wohl künftig auch zur Grundausstattung von Streifenbeamten gehören wird (F.A.Z. vom 3. Juli).

          Hessen habe eine „moderne Polizei“, sagte gestern Innenminister Beuth. Die bessere Ausstattung steigere die Leistungsfähigkeit der Beamten und diene nicht zuletzt ihrer Sicherheit. Der Leiter des Präsidiums für Technik und Logistik, Karl-Heinz Reinstädt, sagte, man habe aus Fällen wie in Herborn gelernt und dementsprechend auch die Ausstattung nachgerüstet. An Weihnachten 2015 war dort ein Beamter bei einem Einsatz niedergestochen worden und gestorben.

          Die bessere Ausstattung in Form von ballistischen Helmen, massiveren Westen, aber auch moderneren Fahrzeugen sowie neuen Fahndungs- und Kommunikationssystemen ist eines der Hauptthemen, denen sich Beuth als Innenminister widmet. Folglich sind auch die Mittel, die dafür bereitgestellt wurden, um ein Vielfaches gestiegen. Vor 20 Jahren waren es noch 726 Millionen Euro, die für Personal und Schutzausstattung ausgegeben wurden. Im nächsten Jahr wird der Betrag bei 1,6 Milliarden Euro liegen. Im Doppelhaushalt 2018/2019 stehen für Fahrzeuge und Geräte weitere 136,7 Millionen Euro zur Verfügung, wie das Ministerium mitteilte. Knapp 19 Millionen davon stünden allein für neue Dienst- und Schutzbekleidung bereit. Zusätzliche drei Millionen flössen in die Ausstattung von Spezial- und operativen Einheiten.

          Taser im Test

          Eines dieser neuen Waffen ist der Taser. Derzeit wird das Elektroimpulsgerät noch in einem Pilotprojekt getestet. Es wird, außer von den Spezialeinheiten, bisher nur vom Überfallkommando in Frankfurt und vom 1. Polizeirevier in Offenbach eingesetzt. Von den Beamten heißt es, der Taser habe sich bewährt. Er schließe „die Lücke zwischen Pfefferspray und Schlagstock“. Beuth kündigte gestern an, der Taser werde künftig in allen Polizeipräsidien eingesetzt. Er ersetze nicht die Schusswaffen, sei aber „als taktisches Einsatzmittel eine sinnvolle Ergänzung“. Vor allem habe die Waffe auch einen präventiven Effekt. „In der Testphase hat oft schon die Androhung des Einsatzes zu einer Deeskalation geführt.“ Demnächst werden Beamte der sogenannten Unterstützungseinheiten sowie auch Polizisten, die in Innenstadtrevieren eingesetzt sind, geschult, um den Taser einsetzen zu können. Ziel sei es, dass künftig jedem Polizeipräsidium rund um die Uhr ein solches Gerät zur Verfügung steht.

          Hilfe von oben: Zwei Polizeibeamte demonstrieren den Einsatz einer Drohne. Bilderstrecke

          Doch bei den technischen Neuanschaffungen geht es nicht nur um Waffen. Weiterentwickelt wurden beispielsweise auch Streifenwagen. So sind zwei neue Modelle angedacht beziehungsweise schon im Einsatz, die über eine spezielle Kamerafunktion verfügen. Zum einen soll es künftig Polizeifahrzeuge mit integriertem Autokennzeichenlesegerät geben. Dieses ist bis heute datenschutzrechtlich umstritten. Während die Lesegeräte bislang in separaten Kästen am Straßenrand aufgestellt wurden, sollen sie nun direkt im Polizeiauto verfügbar sein – und somit für vorbeifahrende Autos auch nicht sichtbar. Die andere Flotte der Streifenwagen soll mit Kameras ausgestattet werden, die im Blaulicht auf dem Dach eingebaut sind. Sollte es dann zu Verfolgungsfahrten kommen oder zu Einsätzen, bei denen keine Rettungsgasse gebildet wird, kann die Kamera eingeschaltet werden, so dass die Bilder aus der Perspektive des Streifenwagens aufgezeichnet und live in die Leitstellen übertragen werden. Auch, um das Material später vor Gericht vorzulegen. Das Gleiche gilt für die neuen Motorräder, die über Bluetooth mit einer Minikamera versehen sind, die ebenfalls etwa bei Verfolgungsfahrten Bilder aufzeichnen und übertragen kann.

          Spurensicherung mit Drohnen

          Ausgeweitet werden soll auch der Einsatz von Drohnen. Auch dazu gab es ein Pilotprojekt. Gestern wurde gezeigt, wie qualitativ hochwertig die Bilder inzwischen sind, die auch aus großer Entfernung aufgenommen und gesendet werden können. Zur Veranschaulichung war eine Kollision zwischen einem Auto und einem Radfahrer aufgebaut. Die Drohnen sollen künftig auch zur Spurensicherung in solchen Fällen eingesetzt werden, hieß es. So könnten sie aus der Luft einen Überblick darüber geben, wie beispielsweise Bremsspuren verlaufen. Aus diesen Erkenntnisse könnten wiederum Rückschlüsse auf den Unfallhergang gezogen werden. In vielen Fällen sollen die Drohnen zudem Hubschrauber ersetzen; auch, um Kosten zu sparen.

          Das meiste Equipment dient aber vor allem dem Kampf gegen den Terror. Beuth sagte gestern, die Gefahr eines Anschlags sei weiterhin hoch. Wie gut die Polizei inzwischen auf solche Angriffe vorbereitet ist, wurde gestern abermals auf dem Gelände der Hessischen Polizeiakademie deutlich. Beamte der Beweis- und Festnahmeeinheit, die künftig verstärkt als Bindeglied zwischen Polizeistreifen der Reviere eingesetzt werden sollen, durchliefen ein Szenario, in dem auch das neue G36 eingesetzt wurde – als Trainingswaffe mit Platzpatronen. Ein Fahrzeug fuhr vor, darin saßen mehrere Terroristen, die schließlich von den Beamten überwältigt wurden. Szenarien wie diese werden inzwischen regelmäßig trainiert; mit dem Wissen, dass der Ernstfall jederzeit eintreten kann.

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