http://www.faz.net/-gzg-6wm39
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 09.01.2012, 18:22 Uhr

Hessens Einzelhandel Das beste Jahr seit langem

Einzelhändler klagen gerne. Doch 2011 hatten sie dafür keinen Grund. Das vergangene Jahr war geschäftlich das beste seit langem: Die Umsätze seien binnen Jahresfrist um drei Prozent geklettert.

von
© dapd Kauffreudige Kundschaft: Aus dem Einzelhandelsverband hieß es, die Umsätze seien 2011 etwa 3,0 bis 3,5 Prozent höher gewesen als 2010

Der hessische Einzelhandel hat eines der besten Jahres seit langem hinter sich. Aus dem Verband hieß es, die Umsätze seien 2011 etwa 3,0 bis 3,5 Prozent höher gewesen als 2010. Damit fiele die Zuwachsrate noch einmal deutlich höher aus als in Deutschland insgesamt ohnedies schon. Das Statistische Bundesamt hatte Ende vergangener Woche eine Schätzung veröffentlicht, wonach die Umsätze im Einzelhandel in der Bundesrepublik im vergangenen Jahr um 2,7 bis 2,9 Prozent wuchsen. Das wäre, sollten sich diese Zahlen bestätigen, der größte Umsatzsprung seit der Wiedervereinigung.

Manfred  Köhler Folgen:

Michael Kullmann, Hauptgeschäftsführer der hessischen Einzelhandelsverbands, führt das überdurchschnittliche Plus in Hessen auf die hohe Kaufkraft im Rhein-Main-Gebiet zurück. „Das war ein gutes Geschäftsjahr“, sagte er mit Blick auf 2011. Die Branche gehe auch zuversichtlich ins neue Jahr. Der Handelsverband Deutschland hatte schon in der vergangenen Woche wissen lassen, die Rekordzahlen vom Arbeitsmarkt - die Zahl der Erwerbstätigen ist gegenwärtig so hoch wie noch nie in der Bundesrepublik - wirkten sich positiv aus.

Gut ein Prozent nach Inflation

Allerdings frisst die Inflation einen Teil der Zugewinne wieder auf. Bereinigt man die Umsatzsteigerungen um den Anstieg der Verbraucherpreise, so bleiben vom Plus in Höhe von 2,7 bis 2,9 Prozent in Deutschland noch 1,1 bis 1,3 Prozent übrig, in Hessen dürften es knapp zwei Prozent sein. Die Zahlen haben allerdings durchweg noch vorläufigen Charakter, weil die Erhebung der Daten stets einige Wochen dauert.

Das gilt auch für das Weihnachtsgeschäft. Kullmann sprach gestern für Hessen von einem Plus gegenüber 2010 in Höhe von 1,5 Prozent, ohne Berücksichtigung der Inflationsrate. Einzelhändler beklagen vor allem das milde Wetter, dass den Verkauf von warmer Kleidung erschwere. Norbert Richter, Geschäftsführer des Kaufhofs an der Hauptwache in Frankfurt, sagte gestern, trotz der Rabatte in den vergangenen Wochen sei man bei Winterkleidung immer noch gut sortiert, für die Kunden sei die Lage gegenwärtig bestens.

Mehr zum Thema

Der Versuch, in Frankfurt bereits zu Jahresbeginn einen verkaufsoffenen Sonntag zu veranstalten, ist nach Ansicht Richters gelungen. Am vergangenen Sonntag hatten die Geschäfte nachmittags geöffnet. Der Umsatz im Kaufhof sei deutlich höher gewesen als bei dem ersten verkaufsoffenen Sonntag im vergangenen Jahr im April, sagte der Geschäftsführer. Auch Ernst Schmid, Geschäftsführer des Fachgeschäfts Hifi-Profis, zeigte sich mit dem vergangenen Sonntag zufrieden.

Autoschlangen am MTZ

Geöffnet hatte auch das Main-Taunus-Zentrum; dort bildete sich am Nachmittag schon auf der Abfahrt von der A66 eine Autoschlange, wie sonst nur an den Samstagen vor Weihnachten. Das Einkaufszentrum hatte bereits im vergangenen Jahr die Möglichkeit genutzt, gleich zu Jahresbeginn einen verkaufsoffenen Sonntag zu organisieren. In Wiesbaden soll es nach den Worten Kullmanns vom hessischen Einzelhandelsverband in diesem Jahr erstmals einen dritten verkaufsoffenen Sonntag geben. Einen entsprechenden Antrag für den Herbst habe man gestellt.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kult-Konzern in der Krise Die Apple-Flaute geht weiter

Apple vermeldet zum zweiten Mal hintereinander miserable Zahlen. Selbst ein neues Modell hat keinen Schub gebracht. Vorstandsvorsitzender Tim Cook verbreitet dennoch Optimismus. Mehr Von Roland Lindner, New York

27.07.2016, 00:08 Uhr | Wirtschaft
Terror in Nizza Attentäter hatte Komplizen

Die Auswertung der Telefonverbindungen des Attentäters habe ergeben, dass es im vergangenen Jahr zahlreiche Kontakte zu mehreren der mutmaßlichen Unterstützer gegeben habe. Mehr

22.07.2016, 19:37 Uhr | Politik
Energiewende Niedriger Strompreis treibt Ökostromumlage

In den vergangenen Jahren ist der Börsenpreis wegen des Überangebotes von Strom stetig gesunken. Die Rechnung könnte für die Haushalte nun um 35 Euro im Jahr steigen. Mehr Von Andreas Mihm

25.07.2016, 18:48 Uhr | Wirtschaft
LKA-Chef zu Amoklauf Waffe stammt wahrscheinlich aus Darknet

Der bayrische LKA-Chef Robert Heimberger hat neue Informationen zum Amoklauf in München bekannt gemacht. So soll der Täter die Tat seit einem Jahr geplant haben und soll zu diesem Zweck bereits im vergangenen Sommer Winnenden besucht haben. Die Opfer in München habe er sich nicht gezielt ausgesucht. Mehr

24.07.2016, 20:40 Uhr | Politik
Kirche in der Region Zahl der Kirchenaustritte leicht gesunken

Der Skandal um Bischof Franz-Peter Tebatz-van Elst hat für Austritte aus der katholischen Kirche gesorgt. Obwohl die Zahlen wieder besser aussehen - auch in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau erwägen jüngere Mitglieder den Austritt. Mehr Von Stefan Toepfer, Frankfurt

22.07.2016, 18:36 Uhr | Rhein-Main

Aus den Anschlägen Lehren ziehen

Von Katharina Iskandar

Es wird auch in Hessen für Polizei und Verfassungsschutz die größte Herausforderung sein, den Fokus auf diejenigen zu richten, die sich im Stillen radikalisieren. Doch außer Sicherheitsbehörden müssen auch andere ran. Mehr 0

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen