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Weinprämierungen : Kaum ein Wein ohne Auszeichnung

Kost-Bar: Auf dem Weinmarkt gibt es zu viele Wettbewerbe und Prämierungen, manche ohne Aussagekraft. Bild: Wonge Bergmann

Die Zahl der Wettbewerbe für Winzer ist kaum mehr überschaubar. Doch nur für wenige Kunden sind Kammerpreismünzen und Goldmedaillen ein Kaufargument.

          Die hessische Landesweinprämierung hat den 140 teilnehmenden Weingütern aus dem Rheingau und von der Hessischen Bergstraße den üblichen Medaillensegen beschert. Die von ihnen eingereichten 1700 Weine wurden von der Jury großzügig benotet. Für 651 Weine und damit mehr als 38 Prozent aller Proben gab es eine goldene Preismünze, für fast ebenso viele (646) eine silberne. Lediglich 155 Weine (neun Prozent) gingen leer aus. Damit wird der Verbraucher in diesem Winter wieder einer Fülle von Flaschen mit aufgeklebten Preismünzen begegnen, die geprüfte Qualität signalisieren sollen. Ihre Aussagekraft ist aber zweifelhaft.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Dass bei der Landesweinprämierung mehr als 90 Prozent aller Weine mit einem Preis geehrt werden, ist einer der wichtigsten Kritikpunkte an der Prämierung. Weinbauamt und Ministerium verteidigen den Wettbewerb, auch wenn sich viele der renommiertesten Betriebe des Rheingaus nicht daran beteiligen. Denn es gibt eine kaum überschaubare Fülle von Weinwettbewerben, und kein Winzer nimmt alle Einladungen und Herausforderungen an. Das ist schon eine Frage der Kosten, denn die meisten Wettbewerbe sind teuer.

          Andere Favoriten für wichtige Weinhändler

          Dazu gehört auch die nächste Stufe der Landesweinprämierung, die Bundesweinprämierung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG). Der Hochheimer Winzer Martin Mitter beispielsweise, der seit 1956 an der Landesweinprämierung mit gutem Erfolg teilnimmt und gerade erst in seiner Größenklasse einen Staatsehrenpreis für seine Kollektion erhalten hat, scheut die mehr als 150 Euro je Flasche, die eine Einreichung zur Bundesweinprämierung kosten würde, zumal er sich davon keinen höheren Werbegrad verspricht. Stattdessen schickt er für jeweils 60 Euro einige Flaschen zum Wettbewerb „AWC Vienna“, der für sich den Nimbus „Die größte offiziell anerkannte Weinbewertung der Welt“ in Anspruch nimmt.

          Verkostet wurden zuletzt 12 826 Weine von 1866 Produzenten aus 41 Ländern. Dennoch ist der Bekanntheitsgrad des selbsternannten „Marktführers bei der Qualitätsevaluierung von Wein“ in Deutschland äußerst gering. Und wichtige Weinhändler haben andere Favoriten: Für das Handelshaus Hawesko beispielsweise ist eine Medaille der „Berliner Wein Trophy“ oder von „Mundus Vini“ ein Zeichen für Klasse, nicht aber die Bundesweinprämierung. Dazu wurden in diesem Jahr 4500 Weine und Sekte aus allen 13 deutschen Anbauregionen eingereicht und mit 62 Gold Extra-, 863 Gold-, 1752 Silber- und 950 Bronzemedaillen belohnt. Aus dem gesamten Rheingau nahmen aber mit mäßigem Erfolg nur fünf Weingüter teil, wodurch die Aussagekraft gegen null tendiert.

          Schwerwiegende Vorwürfe

          Wie die Winzer selbst Weinprüfungen wie die Landesweinprämierung und ihren Nutzen sehen, das geht aus einer neuen Untersuchung der Hochschule Geisenheim hervor. Demnach wünschen sich zwei Drittel der befragten Winzer Veränderungen, vor allem getrennte Prüfungen für verschiedene Weinkategorien. Als werbewirksam werden fast nur Goldmedaillen und Staatsehrenpreise angesehen. Jene Winzer, die nicht oder nicht mehr mitmachen, halten die Landesweinprüfung nicht mehr für zeitgemäß, sehen Image und Werbewirkung als nicht ausreichend an und kritisieren den „inflationären Charakter“ der Medaillenvergabe.

          Es gibt aber auch schwerwiegende Vorwürfe an die Veranstalter, beispielsweise dass Weingüter, die Prüfer für die Jury stellen, meist besser abschneiden als andere und dass einige Erzeuger von ein und demselben Weinfass mehrere Weine zur Prüfung einreichen, um ihre Chancen auf einen Staatsehrenpreis zu erhöhen. Auch sollen schon zunächst abgelehnte Weine mehrfach eingereicht und am Ende doch noch Gold gewonnen haben, so die Kritik aus dem Kreis der Winzer. Noch ist unklar, ob und welche Konsequenzen der Weinbauverband aus dieser Untersuchung der Hochschule zieht.

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