Die hessischen Wälder sind in einem stabilen Zustand, spüren aber immer mehr den Klimawandel. „Die Absterberate der Bäume ist in diesem Jahr äußerst niedrig und die Dichte des Blattwerks kaum verändert“, sagte Forstministerin Silke Lautenschläger (CDU) bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts 2009 in Wiesbaden. Um die andauernde Übersäuerung des Bodens zu bekämpfen, wurden in diesem Jahr für 3,5 Millionen Euro 21.000 Hektar Wald gekalkt - die größte Fläche seit 1995.
Die jährlichen Veränderungen machen die Forstexperten an der Dichte der Baumkronen fest, in jedem Sommer werden dafür rund 5500 Bäume untersucht. In diesem Jahr hätten den Baumkronen aller Baumarten und Altersstufen durchschnittlich 23 Prozent an einer vollen Belaubung gefehlt - nach 21 Prozent im vergangenen Jahr. Das Jahr 2009 sei in einigen Teilen Hessens sehr trocken gewesen, sagte Lautenschläger. Der Blattfraß durch Schädlinge sei in diesem Jahr geringer ausgefallen.
Einsatz von Pestiziden im Gespräch
Die Buchen, die wichtigsten Bäume in den hessischen Wäldern, trugen allerdings in diesem Sommer besonders wenig Laub. Älteren Bäumen fehlte etwa ein Drittel des Blattwerks. Gleichzeitig bildeten die Buchen besonders viele Früchte, die Bucheckern. „Die ganze Kraft des Baumes ist in die Fruchtbildung gegangen“, sagte die Ministerin. Die verstärkte Fruchtbildung gilt als ein „Stress-Signal“ der Bäume. Die Bucheckern bieten reichliche Nahrung für die Wildschweine, die sich deshalb weiter vermehren dürften.
Im Rhein-Main-Gebiet zeigte sich die hohe Umweltbelastung deutlich an den Baumkronen, denen durchschnittlich 30 Prozent an einer vollen Belaubung fehlten. Das Ministerium werde Ende des Jahres entscheiden, ob in Südhessen im kommenden Sommer Pestizide gegen die zu erwartende Maikäfer-Plage eingesetzt werden, sagte Lautenschläger. Bei der Entwicklung vom Ei zum fertigen Maikäfer kommen die Tiere im vierten Jahr aus dem Boden, dann erst kann eine Überpopulation bekämpft werden. Den Hauptschaden richten aber die Maikäfer-Engerlinge an, die im Boden die Wurzeln der Bäume zerfressen (Maikäfer-Plage in Südhessen: Fressmaschine Engerling). Es werde geprüft, ob der Einsatz von Pestiziden Erfolg verspreche, sagte Lautenschläger.
Zu viel Säure im Waldboden
Dem Bericht nach gerät durch die Luftverschmutzung immer noch zu viel Säure in den Waldboden, die Belastung hat aber seit Ende der achtziger Jahr abgenommen. Mehr Sorgen bereitet den Experten die messbare Erwärmung des Klimas. „Wir haben ja schon einen Klimawandel mit einem Temperaturanstieg“, sagte die Ministerin.
Die Waldberichte würden seit 1984 erstellt, seit damals seien die Temperaturen über den langjährigen Mittelwert gestiegen, erläuterte Professor Johannes Eichhorn von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen. Die Niederschläge in den Wintern seien zurückgegangen, in den Sommern gebe es heftige Ausschläge zwischen trocken und nass. Die Kronenverlichtung betrug elf Prozent im Jahr 1984, seitdem ist sie angestiegen und hat sich bei 25 Prozent eingependelt. Der Wald reagiere auf den Klimawandel; es komme darauf an, ihn durch naturnahen Waldbau und die richtige Baummischung widerstandsfähig zu halten, sagte Eichhorn.
Das waldreichste Bundesland
Hessen ist mit einem Forstanteil von 42,4 Prozent - fast 900.000 Hektar- zusammen mit Rheinland-Pfalz das waldreichste Bundesland. In den vergangenen 20 Jahren sind nach Angaben des Umweltministeriums rund 3300 Hektar Waldfläche hinzugekommen. Acht Prozent des gesamten deutschen Waldes befindet sich in Hessen, der Anteil der Laubbäume beträgt gut 50 Prozent, dominierende Baumart ist die Rotbuche. Eine hessische Besonderheit: Jeder dritte Baum ist mehr als hundert Jahre alt; im Bundesdurchschnitt sind es dagegen nur 18 Prozent.
Der Gesundheitszustand der einzelnen Baumarten entwickelt sich uneinheitlich: Während bei den Buchen im Vergleich zum Vorjahr eine stärkere Verlichtung der Kronen festgestellt wurde, ist der Wert bei Eichen und Kiefern besser und bei der Fichte auf dem Vorjahresniveau.
Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald sieht in der guten Entwicklung der Eichen einen Beleg dafür, dass die Nachwirkungen des extrem trockenen Sommers 2003 nach sechs Jahren endlich überwunden sind. Bei jüngeren Bäumen (bis 60 Jahre) wurde allerdings nach Ministeriumsangaben für alle Hauptbaumarten eine leichte Verschlechterung des Kronenzustands im Vergleich zum Vorjahr ermittelt. (ler.)
Sorry, aber ich habe nach dem ersten Absatz den Text nur noch überflogen...
Bertram von Steuben (Elim_Garak)
- 16.11.2009, 16:32 Uhr
Schleierhaft
Andreas Winkler (fonzie)
- 16.11.2009, 16:56 Uhr
Volle Belaubung
Tobias Müller (tobias_mueller25)
- 16.11.2009, 18:00 Uhr

