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Veröffentlicht: 18.12.2008, 18:08 Uhr

Vorhersagen taugen wenig Schlechte Noten für Astrologen und Wahrsager

Je allgemeiner die Formulierung, desto höher die Trefferquote. Ein Mathematiker aus Südhessen vergleicht Prophezeiung und Wahrheit. Auch die Stars aus der Glitzerwelt halten sich nicht unbedingt an die Vorhersagen.

© ddp Unter der Lupe: Michael Kunkel untersucht die Methoden und Prognosen von Wahrsagern

Terroranschläge, Erdbeben, Überschwemmungen, Börsencrash und nicht zuletzt die Landung von Außerirdischen: All dies haben Astrologen für das Jahr 2008 vorhergesagt. Das meiste davon ist zwar eingetroffen, dennoch stellt Michael Kunkel den Orakeln keine guten Noten aus. „Denn das meiste war so schwammig und allgemein formuliert, dass man nicht von Treffern sprechen kann“, sagt der Mathematiker. Insgesamt falle die Trefferbilanz für Hellseher und Wahrsager katastrophal aus.

Kunkel beleuchtet seit sieben Jahren für die in Roßdorf bei Darmstadt ansässige Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) die Trefferquote von Vorhersagen. Etwa 60 Wahrsager hat er alljährlich im Fokus. 160 Texte, mit Vorhersagen zu Prominenten-Hochzeiten, zur Fußball-EM und zum Dax überprüfte er in diesem Jahr anhand von Medienberichten. Sein Fazit: „Je exakter eine Prognose, desto unwahrscheinlicher ist ihr Eintreffen.“ Ob beispielsweise die Voraussage von Henning P. Schäfer, dass der Dax im zweiten Halbjahr stark falle, wirklich auf die Finanzkrise hindeutete, hält Kunkel für zweifelhaft. Denn der Astrologe habe nicht geäußert, um wie viele Prozentpunkte das Börsenbarometer absinken werde. Auch für den Ausgang der Wahl in Amerika es ebenso viele richtige wie falsche Prognosen gegeben.

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„90 Prozent der Menschen erkennen sich in einem Horoskoptext wieder“

Die Stars aus der Glitzerwelt hielten sich ebenfalls nicht unbedingt an die Vorhersagen. So haben etwa Brad Pitt und Angelina Jolie sich weder getrennt noch haben sie geheiratet. Einen Treffer habe es dafür bei der vorhergesagten Hochzeit des dänischen Prinzen Joachim gegeben. „Allerdings ist die schon im Oktober 2007 angekündigt worden“, schmunzelt Kunkel.

Der Achtundvierzigjährige befasst sich seit etwa 25 Jahren kritisch mit der Astrologie. Am meisten ärgert ihn, dass viele Prophezeiungen den Menschen Angst einflößen: „Wenn Sie nach den Vorhersagen gehen, ist der Dritte Weltkrieg schon dreimal ausgebrochen.“ Es gebe Hunderte von wissenschaftlichen Untersuchungen, die bewiesen, dass Astrologen nicht das könnten, was sie behaupteten. „90 Prozent der Menschen erkennen sich in einem beliebigen Horoskoptext wieder, sogar wenn es das eines Massenmörders ist“, erläutert Kunkel. Als Berater für Lebensversicherer verlässt er sich lieber auf statistische Fakten.

Für eine kritische Auseinandersetzung mit der Wahrsagerei plädiert auch Richard Schley. Der ehemalige professionelle Tarot-Berater aus Darmstadt ist Betreiber von „esogarten.de“, einem Internetportal für Hellseher, Wahrsager und andere Esoteriker. „99 Prozent aller Vorhersagen traue ich persönlich nicht, denn die Qualität einer Vorhersage ist personenbezogen“, sagt Schley. Es gebe „schwarze und weiße Krähen“. Und hinter vielen Vorhersagen stecke ideologisches Wunschdenken. Prinzipiell zweifelt er aber nicht an der Möglichkeit, die Zukunft vorauszusagen. Es gebe durchaus solche Lichtblicke, in denen „Sachen“ gesehen werden. Dazu sei jedoch absolute innere Stille und Klarheit notwendig.

„Verschwörungstheorien müssen herhalten“

Doch auch, wenn Vorausgesagtes nicht eintrete, sei das für viele Menschen noch lange kein Beweis für die Unglaubwürdigkeit von Vorhersagen, meint Kunkel. So wurde für dieses Jahr beispielsweise ein Atomunfall in Russland prophezeit, der allerdings vertuscht worden sein soll. „Schöne Sache“, findet Kunkel: „Wenn etwas nicht eintritt, müssen Verschwörungstheorien herhalten.“ Schley glaubt schon durch die Art des Fragens werde die Antwort eines Wahrsagers beeinflusst. Deshalb hält er auch nichts davon, mehreren die selbe Frage immer wieder zu stellen. „Kein Wunder, wenn dabei verschiedene Sachen herauskommen.“

Die abwegigste Vorhersage für 2008 war wohl neben der Landung von Außerirdischen die Entdeckung eines Riesenkaninchens in der englischen Grafschaft Surrey. Für das nächste Jahr zeichnet sich laut Kunkel als beliebtes Thema der Wahrsager die Bundestagswahl ab. „Da setzen jetzt schon alle auf Angela Merkel ohne SPD.“ Ob sie richtig liegen, wird sich im September zeigen.

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