http://www.faz.net/-gzg-zqzm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Veröffentlicht: 04.07.2008, 19:03 Uhr

Verkehrspolitik Auf dem Standstreifen über die A5

Auf der vielbefahrenen A5 bei Frankfurt soll der Verkehr künftig besser fließen. Denn dort kann jetzt auch der Standstreifen benutzt werden, damit Autos und Lastwagen mehr Platz auf der Route haben.

von
© F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes Fingerzeig: Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee gibt den Standstreifen der A 5 für den Verkehr frei

Auf der Autobahn 5 kann zwischen dem Frankfurter Kreuz und der Anschlussstelle Frankfurt-Niederrad künftig der Standstreifen zeitweise als Fahrspur genutzt werden. Die dafür erforderliche Technik zur Verkehrssteuerung haben Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und Hessens Verkehrs-Staatssekretär Klaus-Peter Güttler (beide SPD) am Freitag in Betrieb genommen.

Mechthild Harting Folgen:

Die Anlagen wurden zwischen dem Frankfurter Westkreuz und der Anschlussstelle Zeppelinheim installiert. Die Verkehrszentrale Hessen in Frankfurt kann mit Hilfe der Technik Tempolimits, Überholverbote und Fahrspurhinweise anzeigen lassen.

Mehr zum Thema

Elektronische Anzeigetafeln

In Hessen gibt es nun auf 62 Autobahnkilometern befahrbare Seitenstreifen, auf der A 5 wie auf der A 3. Der Verkehrsfluss auf der A 5 kann auf 40 Kilometern zwischen der Tank- und Rastanlage Wetterau und der Anschlussstelle Zeppelinheim durchgehend durch elektronische Anzeigetafeln gesteuert werden. Die erste Anlage dieser Art war dort bereits 1989 installiert worden.

Tiefensee nannte die nach seinen Angaben „vergleichsweise kleine technische Neuerung“ einen „Meilenstein im Kampf gegen den Autobahnstau im Großraum Frankfurt“. Die A 5 in Höhe des Frankfurter Kreuzes, auf der bis zu 150 000 Fahrzeuge am Tag unterwegs sind, sei vielleicht eines der meistbefahrenen Schnellstraßenstücke Europas. Durch die Freigabe des Seitenstreifens werde die Kapazität der Autobahn um 20, in Spitzenzeiten sogar um 25 bis 30 Prozent erhöht.

Fünf Millionen Euro investiert

Güttler wies darauf hin, dass eine Untersuchung für den bereits mit Steuerungsanlagen versehenen Abschnitt zwischen Friedberg und dem Nordwestkreuz ergeben habe, dass die geringere Zahl von Staus einen volkwirtschaftlichen Nutzen von zehn Millionen Euro im Jahr habe. Für den gestern freigegebenen Streckenabschnitt belaufen sich die Kosten auf fünf Millionen Euro, die der Bund trägt.

Güttler lobte, dass im Bundeshaushalt für die Verkehrstelematik insgesamt 40 Millionen Euro bereitstünden. Angesichts der Prognosen, die bundesweit eine Steigerung des Lastverkehrs bis 2025 um 40 Prozent vorhersagten – in Hessen als „Transitland Nummer eins“ liegt erfahrungsgemäß die Belastung noch um etwa 30 Prozent höher – müssten neuartige Lösungen gefunden werden, um weiterhin die Mobilität sicherzustellen. Das Unfallrisiko ist Güttler zufolge auf den Streckenabschnitten mit Standstreifen-Freigabe nicht gestiegen. Der befahrbare Seitensteifen werde lückenlos von Kameras überwacht.

Ein Plan für Tiefensee

Nach Auffassung des Verkehrsstaatssekretärs muss diese Möglichkeit in Hessen noch öfter genutzt werden. Er übergab Minister Tiefensee einen Plan, der weitere Streckenabschnitte aufführt, für die Güttler eine Verkehrssteuerung für sinnvoll hält.

Dazu gehört das Stück zwischen Friedberg und dem Gambacher Kreuz ebenso wie der Abschnitt vom Darmstädter Kreuz bis zur Landesgrenze. Güttler bezeichnete die Nutzung der Seitenstreifen dort als „hochprioritär“.

„Kein generelles Überholverbot“

Nach Ansicht Tiefensees ist es nicht möglich, allein beispielsweise mit Hilfe eines generellen Überholverbots für Lastwagen den Verkehr zu steuern. „Wir brauchen einen Mix an Maßnahmen“, damit der Verkehr flüssiger und sicherer werde, sagte er und fügte an, dass es mit ihm kein generelles Überholverbot für Lastwagen geben werde.

Er bezifferte die Zahl der staugefährdeten Autobahnkilometer in Deutschland auf 2500 Kilometer. Auf 1300 Kilometer werde der Verkehr bereits durch Anlagen gesteuert. Die restlichen 1200 wolle der Bund in den nächsten fünf Jahren nachrüsten.

Zur Homepage