29.06.2008 · Bislang war der Emissionshandel der Industrie vorbehalten. In einem Modellprojekt wurde ein innovativer Ansatz zur Verringerung von Kohlendioxid-Emissionen in privaten Haushalten erprobt. Verbraucher können ihre Heizkosten dadurch erheblich senken.
Von Oliver BockDas Modellprojekt „Emissionsaufkauf durch Schornsteinfeger für energetische Verbesserungen in Anlagentechnik und Gebäudehülle“ ist nach Ansicht des Staatssekretärs im hessischen Umweltministerium, Karl-Winfried Seif (CDU), ein innovativer Ansatz zur Verringerung von Kohlendioxid-Emissionen. Seif überreichte am Samstag in Idstein-Wörsdorf ein Zertifikat zur Kohlendioxid-Minderung in Gebäuden an einen der 200 Teilnehmer des Modellprojektes.
Emissionshandel auf kleine Wohneinheiten ausweiten
Der Hauseigentümer Karl-Heinz Hajek hatte den alten Heizkessel seines Gebäudes gegen eine moderne Gas-Brennwert-Feuerstätte ausgetauscht und in eine effiziente Dämmung der Gebäudehülle investiert. Dachschrägen, die oberste Geschossdecke und Außenwände wurden deutlich besser als bisher isoliert. Rechnerisch verteilt sich die Kohlendioxid-Einsparung von 11,6 Tonnen zu 60 Prozent auf die Dämmung und zu 40 Prozent auf den Kesseltausch. Diese „energetische Sanierung“ reduziert nach Angaben des Ministeriums den jährlichen Kohlendioxid-Ausstoß allein dieses Gebäudes von 19 auf 7,4 Tonnen.
Gefördert wurde das Projekt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Umweltallianz Hessen. Seif lobte den Landesinnungsverband des Schornsteinfegerhandwerks, der die bei den Einzelhäusern eingesparten Kohlendioxid-Mengen zu einer handelbaren Größe zusammengefasst und damit eine Schnittstelle zum Emissionshandel ermöglicht habe. Bislang war der Emissionshandel ausnahmslos der Industrie vorbehalten, weil als Mindestmenge 20 000 Tonnen Kohlendioxid vorgegeben waren. Nun solle untersucht werden, ob der Emissionshandel in neuer Form auch auf kleine Wohneinheiten anwendbar sei.
Ein Projekt für ganz Deutschland
Nach Wunsch des Schornsteinfegerverbandes könnte das Modellprojekt Schule machen, weil privater Emissionshandel auch dazu beitrage, das Kyoto-Protokoll zu erfüllen, in dem sich Deutschland verpflichtet habe, den Kohlendioxid-Ausstoß bis 2012 um 21 Prozent zu senken. Für die Bürger ergebe sich der Vorteil, die Heizkosten um bis zu zwei Drittel pro Jahr senken zu können. Der Verband regt an, dass möglichst viele private Haus- und Gebäudeeigentümer die Verkaufsrechte für ihr eingespartes Kohlendioxid in einen „Pool“ geben, um am Emissionshandel teilnehmen zu können. Die auf diese Weise erzielten Erlöse würden dann an die Eigentümer zurückgegeben. „Für jede handelbare Tonne gibt es Geld“, sagte Harry Kieper, der Projektleiter vom Landesinnungsverband.
Die Chancen stünden daher gut, dass das Projekt auf ganz Deutschland ausgeweitet und anerkannt sowie von der Deutschen Emissionshandelsstelle in Berlin zertifiziert werde. Im nächsten Schritt werde ein Abnehmer für die Zertifikate benötigt, beispielsweise ein Industrieunternehmen, das zur Aufrechterhaltung der Produktion zusätzliche Zertifikate wolle. Wäre der private Emissionshandel schon jetzt möglich, erhielten die Hauseigentümer jährlich pro Tonne zwischen 15 und 30 Euro. Über 15 Jahre hinweg könnten die Hauseigentümer bei durchschnittlich zehn Tonnen Kohlendioxid jährlich eine vierstellige Summe erwirtschaften.