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TH Mittelhessen Vorlesungen im Kino

 ·  Die Technische Hochschule Mittelhessen will in Zukunft Filmsäle für den Lehrbetrieb nutzen. Die Hochschulleitung hat mit der Kinopolis-Gruppe einen entsprechenden Mietvertrag geschlossen.

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Schon morgens können Studenten der Technischen Hochschule Mittelhessen künftig ins Kino gehen. Freilich nicht, um sich neue Spielfilme anzusehen. Vielmehr wird das neue Kinozentrum am Berliner Platz auch dem akademischen Lehrbetrieb zur Verfügung stehen. Mit dem Investor des Kinozentrums, der Kinopolis-Gruppe mit Geschäftssitz in Darmstadt, schloss die Hochschulleitung jetzt einen entsprechenden Mietvertrag. Die Vereinbarung gilt für zehn Jahre mit Option auf Verlängerung. Es handelt sich nach Angaben der Beteiligten um die erste Kooperation zwischen einer Hochschule und einem privaten Kinobetreiber.

Davon versprechen sich beide Seiten Vorteile: Das Unternehmen kann einen Teil seiner Investitionen über den Mietzins, über dessen Summe allerdings keine Angaben gemacht wurden, refinanzieren. Die TH Mittelhessen bekommt ein nahe gelegenes Ausweichquartier, das es ihr über einen längeren Zeitraum ermöglicht, Erweiterung und Umgestaltung ihres Campus vorzunehmen. Mit dem Ausbau trägt die TH steigenden Studentenzahlen – für dieses Wintersemester werden rund 13 000 erwartet – und der Schaffung neuer Studiengänge Rechnung.

Dieses Kooperationsmodell war zunächst nicht unumstritten, denn die THM hatte dafür Geld aus dem Hochschulbausonderprogramm „Heureka“ beantragt. Das aber ist eigentlich nur für Neubauten aufgelegt worden. Nach Angaben eines Sprechers der THM stimmte die Landesregierung am Ende aber zu, weil es mehr finanziellen Aufwandes bedurft hätte, wenn die Hochschule während der Umgestaltung des Campus Behelfsbauten an anderer Stelle hätte einrichten müssen.

Drei Vorführsäle mit jeweils 110 Plätzen

Der Gebäudekomplex des neuen Lichtspielhauses entsteht auf dem Areal des ehemaligen Behördenhochhauses und des früheren Kreisgesundheitsamts, welche die Stadt hatte abbrechen lassen. Nach dem Kulturrathaus, wo Stadtverwaltung, Bücherei, Kunsthalle und Konzertsaal ein neues Domizil bekommen hatten, ist das Kinozentrum das zweite Großprojekt am Berliner Platz. Für rund zehn Millionen Euro entsteht am Gießener Stadtring eines der ersten Kinozentren in Deutschland mit digitaler Projektion in dreidimensionaler Darstellung. Das Gebäudeensemble des Kinocenters besteht aus zwei Bauten, die über eine Glasbrücke verbunden werden. Auf mehreren Ebenen entstehen neun Filmvorführsäle. Hinzu kommen ein Theaterstudio sowie Galerie mit Restaurant und Bistro mit Platz für insgesamt rund 1400 Besucher. Nach dem Terminplan soll die neue Einrichtung Ende nächsten Jahres fertiggestellt sein.

Die TH will beide Gebäudeteile belegen: Im südlichen Trakt stehen der Hochschule drei Stockwerke für Seminarräume und Büros auf einer Fläche von rund 1800 Quadratmetern zur Verfügung. Im Kino-Hauptgebäude kann die Technische Hochschule dem Vertrag gemäß drei Vorführsäle mit jeweils 110 Plätzen von 7.30 bis 13.30 Uhr nutzen. Dort sollen vor allem Vorlesungen stattfinden. Auf den großen Kinosaal, der 470 Besucher fasst, kann die Hochschule bei Bedarf, etwa für Symposien, zurückgreifen.

Kinobesucher und Studenten sitzen in denselben Klappsesseln

Die Nutzung des Kinos auch für den Lehrbetrieb erfordert allerdings einigen technischen Aufwand, um den Belangen von Kinobesuchern und Studenten gleichermaßen Rechnung zu tragen. So müssten beispielsweise Beleuchtungs- und Lautsprecheranlagen separat für den Kino- und Vorlesungsbetrieb installiert werden. Kinobesucher und Studenten werden zwar in denselben Klappsesseln sitzen, doch erhalten diese in Armlehnen integrierte Tischchen, die nur zum Mitschreiben bei Vorlesungen ausgeklappt werden.

Zum Konzept für den Ausbau des Gießener Campus zählt nicht zuletzt ein neuer Standort für die Verwaltung. So zieht die Administration in diesen Tagen vom Campus an der Wiesenstraße ins nahe gelegene frühere Landratsamt an der Ostanlage. Die Verwaltung des Kreises Gießen hatte vor rund zwei Jahren ein neues Quartier bezogen, auf dem ehemaligen Militärgelände der amerikanischen Streitkräfte im Schiffenberger Tal an der Autobahn 485. Seither ist das bisherige Gebäude des Kreises grundlegend saniert und umgebaut worden. Rund 7,2 Millionen hat das gekostet.

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Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

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