Home
http://www.faz.net/-gzm-12jp4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Tarifstreit Erzieherinnen protestieren mit Sandsäcken

28.05.2009 ·  Im Streit mit ihren Arbeitgebern um mehr Geld und besseren Gesundheitsschutz haben Erzieherinnen am Donnerstag zu Sandsäcken gegriffen. Und zwar um zu zeigen, wie schwer die Kinder sind, die sie alltäglich ungezählte Male heben müssen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Mit Sandsäcken haben Kindergärtnerinnen in Kassel für mehr Personal in den hessischen Kindertagesstätten demonstriert. „Die Säcke zeigen den Passanten, was ein Kind wiegt. Elf Kilo für einen Vierjährigen sind nicht viel, aber über den Tag verteilt eine enorme Belastung“, sagte Fazilet Karakas-Blutte von der Gewerkschaft Verdi am Donnerstag. „Eine Erzieherin muss Kinder ständig hochheben, rumtragen und trösten. Wenn dann noch 24 andere Kinder daneben herumspringen, ist das eine fast nicht zu bewältigende Aufgabe.“ Die Konsequenz könne nur sein, dass mehr Erzieher eingestellt werden.

Nach Angaben von Thomas Koch von Verdi gibt es nach den hessischen Stellenplänen derzeit 1,5 Erzieher für eine Gruppe von 25 Kindern. „Das sollen zwar bald 1,7 sein, aber auch das reicht hinten und vorn nicht. Früher waren 1,5 Erzieher für 17, 18 Kinder zuständig, heute sind es 25 Kinder, die umsorgt werden und auf die ständig aufgepasst werden muss.“ Nötig seien mindestens zwei volle Stellen, wenn die Kindergruppen so groß bleiben sollen. „Es wird nach dem Motto verfahren „ein Kind passt immer noch rein“, ohne dass das Personal angepasst wird.“

Zudem erforderten die Kinder mehr Aufwand: „Wenn man ein kleines Kind windeln muss, ist für die anderen keine Zeit. Und es ist mehr geworden: Die Zahl der Kinder, die bei der Reinheit gewisse Defizite haben, ist spürbar gestiegen“, sagte die Kindergärtnerin Monika Hoffmann. Das sorge für erheblich mehr Aufwand: „Wir beobachten, dass mehr Kinder verhaltensauffällig sind. Und auch, dass es immer größere Sprachdefizite gibt - und das nicht nur bei Migranten. Das erschwert unsere Arbeit enorm und bindet Kraft und Zeit, die für die anderen Kinder nicht mehr da ist.“

Hinzu komme der „enorme Krach“. „Das ist ja in Ordnung, Kinder kann man nicht abstellen oder leisedrehen. Aber zumindest kann man die Kindergruppen verkleinern, um eine gute Betreuung zu ermöglichen.“

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr