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Streit mit Land Ämter fordern Schweinegrippe-Impfung für alle

03.11.2009 ·  Noch ist die Nachfrage gering. Die Leiter der Gesundheitsämter in Frankfurt und Wiesbaden fordern dennoch eine uneingeschränkte Freigabe der Schweinegrippe-Impfung für die gesamte Bevölkerung. Das Land will aber weiterhin Risikogruppen Vorrang geben.

Von Til Huber
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Die Leiter der Gesundheitsämter in Frankfurt und Wiesbaden haben eine uneingeschränkte Freigabe der Schweinegrippe-Impfung für die gesamte Bevölkerung gefordert. Um die Krankheit einzudämmen, brauche man jetzt „breit angelegte Massenimpfungen für alle Bürger“, sagte der stellvertretende Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes René Gottschalk der Rhein-Main-Zeitung. Ähnlich äußerte sich der Leiter des Wiesbadener Gesundheitsamtes, Holger Meireis. Das Impfkonzept des hessischen Gesundheitsministeriums, das über den Impfstoff verfügt, gibt bisher chronisch Kranken und bestimmten Berufsgruppen wie Ärzten, Polizisten und Feuerwehrleuten Vorrang.

Die Bereitschaft, sich immunisieren zu lassen, blieb nach Beginn der Impf-Aktion am Montag vergangener Woche weit hinter den Erwartungen zurück. Im Gesundheitsamt Frankfurt ließen sich laut Gottschalk nur 600 Menschen gegen das H1N1-Virus impfen, obwohl für rund 7000 Impfungen vorgesorgt worden war. Dass das Serum nicht vollständig verbraucht werden würde, habe er erwartet, sagt der stellvertretende Amtsleiter. „Aber ich hatte wenigstens auf 2000 Impfungen gehofft.“

Verunsicherung in der Bevölkerung

Zu der geringen Nachfrage habe wohl die Verunsicherung in der Bevölkerung beigetragen. Die Debatte über zwei verschiedene Impfstoffe habe bei den Menschen zu dem Eindruck geführt, es gebe einen „guten“ Impfstoff für Privilegierte und einen „schlechten“ für die normale Bevölkerung. Das sei aber nicht der Fall. Das in Hessen zur Verfügung stehende Serum Pandemrix, das außer den Virus-Antigenen auch bestimmte Hilfsstoffe (Adjuvanzien) enthällt, sei bestens geeignet – auch wenn der Erreger aggressiver werde. Gottschalk kritisierte, ohne Namen zu nennen, die politisch Verantwortlichen, die sich irreführend geäußert hätten. Er sprach von einem „Musterbeispiel an Kakophonie“.

In dieser Woche habe das Interesse an der Impfung allerdings spürbar zugenommen. Nachdem am Wochenende von der mutmaßlich ersten Toten ohne Vorerkrankung in Bonn berichtet worden war, hätten die Telefone des Gesundheitsamtes am Montag nicht mehr still gestanden. Im Hinblick auf den bevorstehenden Winter müsse der Impfstoff nun für alle Bürger freigegeben werden. In der kalten Jahreszeit verbreiten sich Viren normalerweise deutlich schneller als im Sommer.

„Signal an Bevölkerung gefordert“

Auch der Leiter des Gesundheitsamtes Wiesbaden, Holger Meireis, hält es für angebracht, nun jeden zu impfen, die dies wünsche. Es sollte nun „ein Signal an die hessische Bevölkerung“ ausgehen, dass das Serum für alle Bürger verfügbar sei. „Ich habe den Eindruck, das steht auch kurz bevor.“ In seinem Amt werde schon jetzt kein Bürger abgewiesen, der eine Impfung verlange.

Niedergelassene Ärzte, die nach dem Willen des Gesundheitsministeriums zunächst vor allem chronisch Kranke immunisieren sollten, weichen offenbar ebenfalls schon von den Vorgaben ab. Ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen sagte, bei vielen Ärzten bekämen alle Bürger einen Impftermin.

Eine Flasche reicht für zehn Impfdosen

Das Gesundheitsministerium hält sein Konzept allerdings noch aufrecht. Es gelte weiter die Vorgabe, dass gesunde Menschen, die keiner der priorisierten Berufsgruppen angehörten, nur geimpft würden, wenn zum Beispiel in einer bereits angebrochenen Flasche Serum übrig bleibe, sagte Ministeriumssprecherin Ulrike Grzimek. Eine Flasche reicht für zehn Impf-Dosen, muss aber innerhalb von 24 Stunden geleert werden. Die Zahlen zur Impfbereitschaft der Bürger in Hessen habe das Ministerium noch nicht analysiert, sagte Grzimek. Sie bestätigte aber, dass die Aktion „sehr schleppend“ in Gang gekommen sei – auch wenn man in einigen hessischen Regionen eine größere Nachfrage beobachtet habe. Insgesamt hat das Land 3,7 Millionen Dosen Serum gekauft. Damit könnte man 60 Prozent der hessischen Bevölkerung impfen.

Fachleute raten trotz der mild verlaufenen ersten Infektionswelle allen Bürgern zur Impfung. Derzeit nimmt die Zahl der Ansteckungen stark zu; in ganz Deutschland sind es nach Angaben des Berliner Robert-Koch-Instituts 3000 in der Woche. Das Institut geht davon aus, dass es sich nun um eine weitere Welle handelt. Im Winter rechnen die Wissenschaftler mit steigenden Krankenzahlen. Je mehr Menschen sich infizierten, desto höher sei das Risiko, dass der Erreger mutiere und aggressiver werde. Deshalb sind sich die Gesundheitsämter einig: Wer sich impfen lasse, schütze sich nicht nur selbst, sondern auch andere.

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